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Institut für Weltwirtschaft Forscher warnen: Hohe Inflation kostet den deutschen Staat Milliarden

Hohe Inflation kostet den deutschen Staat Milliarden, warnen Forscher Quelle: imago images / Ralph Peters

Fünf Milliarden Euro Minus – so hart könnte sich die Inflation in den Büchern des deutschen Staates niederschlagen. Zwar spült die Mehrwertsteuer 2022 mehr Geld in die Kasse, einige Kosten steigen dafür aber deutlich.

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Die rasant steigende Inflation kommt nicht nur die Verbraucher teuer zu stehen, sondern auch den deutschen Staat. „Unter dem Strich bleibt ein Minus von etwa fünf Milliarden Euro“, sagte der Steuerexperte des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Jens Boysen-Hogrefe, der Nachrichtenagentur Reuters.

Zwar sorgten die steigenden Preise für höhere Einnahmen des Staates bei der Mehrwertsteuer. „Zugleich musste der Staat aber auch selbst höhere Preise zahlen“, erläuterte der Experte, der im Arbeitskreis Steuerschätzungen des Bundesministeriums der Finanzen sitzt. „Mit Blick auf Konsum und Investitionen hat die starke Inflation tatsächlich dem Staat in der Summe eher geschadet.“

So stecken Bund, Länder und Kommunen im Jahr etwa 50 Milliarden jährlich in den Bau – von Straßen bis Gebäuden. Die Baupreise sind aber besonders kräftig gestiegen. Der IfW-Ökonom schätzt, dass dies den Staat etwa 1,3 Milliarden Euro an Mehrkosten beschert hat im Vergleich zu einer normalen Inflation. Noch größer sind die negativen Folgen beim Staatskonsum: Die Behörden und Ministerien geben jährlich viel Geld aus, von neuer Büroausstattung über Strom und Heizkosten für Büros bis hin zu Benzin für Dienstfahrzeuge. Hier musste wegen der hohen Inflation ebenfalls mehr bezahlt werden. „Das sorgte für zusätzliche Ausgaben von rund sieben Milliarden Euro“, sagte Boysen-Hogrefe.

„Staat hat gute Karten, wenn Löhne steigen“

Dem gegenüber stehen allerdings auch höhere Einnahmen aus der Mehrwertsteuer, da diese mit den gestiegenen Verbraucherpreisen automatisch zulegen. Doch diese Mehreinnahmen dürften sich auf nur etwa 700 Millionen Euro belaufen, so der Forscher. Bei privaten Bauinvestitionen dürften die höheren Preise dem Staat weitere knapp 2,5 Milliarden Euro in die Kassen gespült haben. Diesen insgesamt gut drei Milliarden an zusätzlichen Einnahmen stehen allerdings die acht Milliarden Euro an höheren Kosten gegenüber, weshalb der Staat am Ende weniger Geld zur Verfügung hat.

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    Boysen-Hogrefe nahm als Basis für seine Berechnungen die für dieses Jahr erwartete durchschnittliche Teuerungsrate des privaten Konsums von rund drei Prozent und verglich diese mit dem Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent. Dabei hat er zusätzlich noch den Sondereffekt aus der Wiederanhebung der Mehrwertsteuer herausgerechnet. Dadurch bleibt eine bereinigte Inflationsrate von 2,3 Prozent übrig.

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    „Der Staat kann bei importierter Inflation eigentlich nur verlieren“, sagte Boysen-Hogrefe mit Blick auf die Entwicklung von Öl, Gas und anderen importieren Waren, die sich 2021 besonders stark verteuert haben. Bei heimischer Inflation dürfte das Plus bei Gewinn- und Lohnsteuern, sowie Sozialversicherungs-Beiträgen alles andere überragen. „Der Staat hat immer dann gute Karten, wenn die Löhne stark steigen“, sagte der Experte. Dann kletterten auch die an die Lohnentwicklungen gekoppelten Beitragseinnahmen – etwa für die Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.

    Mehr zum Thema: Die Inflation bleibt auch 2022 ein ökonomischer Wegbegleiter in Deutschland und Europa. Will die EZB ihre Glaubwürdigkeit nicht verlieren, muss sie schleunigst gegensteuern, fordert der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing in einem Gastbeitrag.

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