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Internationale Arbeitsorganisation ILO rechnet mit Anstieg der Arbeitslosigkeit

Pünktlich zum Weltwirtschaftsforum in Davos veröffentlicht die ILO jedes Jahr ihren Beschäftigungsbericht. In diesem Jahr sind die Zahlen besorgniserregend.

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Guy Ryder, General-Direktor der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, bei der Vorstellung des Berichts

Mehr als fünf Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise wird die globale Arbeitslosigkeit 2013 möglicherweise erneut deutlich ansteigen. Das sagen zumindest die Ökonomen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Genf in ihrem jüngsten Beschäftigungsbericht voraus. Mangels ausreichendem Wirtschaftswachstum müsse im Laufe des Jahres mit zusätzlich 5,1 Millionen Arbeitslosen auf der Welt gerechnet werden.

2012 gab es weltweit gut 197 Millionen Arbeitslose, 4,2 Millionen mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Arbeitslosen werde 2013 auf mehr als 202 Millionen steigen, erklärte die UN-Sonderorganisation kurz vor den Beginn des Weltwirtschaftsforums (WEF) an diesem Mittwoch in Davos. 2014 kämen wahrscheinlich noch drei Millionen weitere Arbeitslose hinzu. „Die Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung und die unzureichenden Gegenmaßnahmen der Politik schwächen die Nachfrage und bremsen Investitionen und Neueinstellungen“, erklärte ILO-Chef Guy Ryder. Die Schaffung neuer Arbeitsplätze sei rückläufig und die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit nehme zu. Seit 2007 hätten weltweit mehr als 28 Millionen Menschen ihre Arbeit verloren, etwa 39 Millionen gaben die Suche nach einer Stelle wegen fehlender Erfolgsaussichten auf.

Die UN-Sonderorganisation forderte Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft auf, die Arbeitslosigkeit entschlossener zu bekämpfen. "Das Wachstum der Weltwirtschaft wird nicht stark genug sein, die Arbeitslosigkeit schnell zu senken", schrieben die ILO-Experten. Vor Europa stehe „die dringende Aufgabe eines effektiven Neustarts der Antriebsmaschinen für wirtschaftliches Wachstum“. Dies gelte insbesondere für Problemstaaten wie Griechenland mit schrumpfenden wirtschaftlichen Aktivitäten.

Die ILO mahnt eine schnellere Umsetzung finanzwirtschaftlicher Reformen an. Der Bankensektor müsse wieder erheblich stärker seiner wichtigsten Aufgabe nachkommen und Kredite für produktive Investitionen zur Verfügung stellen - besonders für mittelständische Unternehmen als wichtigster „Jobmaschine“. Trotz finanzpolitischer Gegenmaßnahmen wie dem Euro-Rettungsfonds EFSF und dem Rettungsschirm ESM sowie außerordentlicher Eingriffe in den Finanzmarkt durch die Europäische Zentralbank (EZB) habe sich das Wachstum in der Eurozone weiter verlangsamt. Dadurch seien die Arbeitsmärkte vieler Euroländer in eine schwere Notlage geraten.

Gefahr des völligen Bankrotts geringer

Fujitsu streicht 400 Jobs
Fujitsu Der japanische Elektronikkonzern Fujitsu will einem Zeitungsbericht zufolge in Deutschland 400 bis 500 Arbeitsplätze abbauen. Eine endgültige Entscheidung solle nach Verhandlungen mit den Beschäftigten fallen, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei". Insgesamt beschäftigt der Konzern hierzulande 12.000 Menschen. Die Stellenstreichungen beträfen hauptsächlich Entwicklung und Informationstechnik. Bereits am Dienstag hatte der Konzern bekanntgegeben, in Großbritannien 1800 Jobs zu streichen. Das entspricht 18 Prozent der Belegschaft dort. Insidern zufolge könnte sich Fujitsu künftig auf IT-Dienstleistungen konzentrieren. Mit dem weltgrößten Computer-Hersteller Lenovo verhandelt das Unternehmen offenbar über einen Verkauf des PC-Geschäfts von Fujitsu. Quelle: REUTERS
Lufthansa Technik Quelle: dpa
DAK Gesundheit Quelle: dpa
EnBWDer Energieversorger baut weiter Stellen ab: Die Energie Baden-Württemberg werde sich aus dem Strom- und Gasvertrieb an Großkunden der Industrie zurückziehen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Davon seien 400 Beschäftigte betroffen, denen ein Aufhebungsvertrag oder ein alternativer Arbeitsplatz im Konzern angeboten werde. Auch im Privatkundengeschäft, der Energieerzeugung und der Verwaltung steht demnach Stellenabbau bevor, der noch nicht beziffert wurde. In den vergangenen zwei Jahren waren bereits rund 1650 Stellen weggefallen. Quelle: dpa
Intel Quelle: REUTERS
Nokia Quelle: dpa
Der IT-Konzern IBM plant in Deutschland offenbar einen massiven Stellenabbau Quelle: dpa

Auch 2013 sei „die Krise in der Eurozone die größte einzelne Gefahr für die globale Beschäftigungsentwicklung“. Dabei schränke das Fehlen einer Fiskalunion in Europa Optionen zur Förderung des Wirtschaftswachstums in den am härtesten von der Euro-Schuldenkrise betroffenen Ländern ein, bemängelte die ILO. Allerdings sei die Gefahr eines Auseinanderbrechens der Eurozone oder des völligen Bankrotts einzelner Staaten Anfang 2013 geringer als ein Jahr zuvor.

Als besorgniserregend und gefährlich für den Zusammenhalt ganzer Gesellschaften hebt die Organisation die hohe Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen hervor. Derzeit seien weltweit etwa 73,8 Millionen junge Menschen ohne festen Job. Die anhaltende Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit werde vermutlich bis 2014 eine weitere halbe Million Jugendlicher zu Arbeitslosen machen. Die durchschnittliche globale Arbeitslosenquote bei Jugendlichen, die 2012 auf 12,6 Prozent angewachsen sei, werde ohne entschlossene Gegenmaßnahmen auf 12,9 Prozent im Jahr 2017 steigen.

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"Viele geraten gleich zum Start ihres Berufslebens in die Langzeitarbeitslosigkeit, das hat es in früheren wirtschaftlichen Abschwüngen nicht gegeben", heißt es in dem ILO-Bericht. In den Industriestaaten sei mehr als ein Drittel der jungen Menschen ein halbes Jahr oder länger ohne Job. Dadurch verkümmerten ihre beruflichen und sozialen Fertigkeiten. Angesichts der hoffnungslosen Lage vor allem in Europa geben der Arbeitsorganisation zufolge viele junge Menschen die Suche nach einem Job auf.

Deutschland gehört laut ILO neben Österreich und der Schweiz zu jenen Staaten, denen es am besten gelungen sei, die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau zu halten. Hingegen habe die Rezession in einer Reihe von Euroländern die Jugendarbeitslosigkeit noch gefährlich weiter in die Höhe getrieben, mit mehr als 50 Prozent in Griechenland und Spanien sowie mehr als 22 Prozent im Durchschnitt der Euroländer.

Mit Material von dpa und DAPD

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