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Ist der Roboter Ihr Feind? Wer von der Digitalisierung profitiert – und wer verliert

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Überragende Bedeutung der Bildung

Ähnlich gestrickt ist die jüngst vorgestellte Studie „Job creation and local economic development“ der OECD. Danach variiert der Anteil der Jobs mit hoher Roboterkonkurrenz innerhalb der 21 OECD-Mitgliedstaaten um mehr als das Neunfache. Auch innerhalb der Staaten gibt es – wie in Deutschland – große Schwankungen, in Spanien etwa um bis zu zwölf Prozentpunkte. Insgesamt reicht die Spanne von fast 40 Prozent in der Westslowakei bis gerade mal vier Prozent ersetzbare Jobs im Raum Oslo.

Hauptursache der regionalen Unterschiede ist die Wirtschaftsstruktur. Wo das Dienstleistungsgewerbe schwach und das verarbeitende Gewerbe stark ist, rückt tendenziell die Armee der Roboter vor – vor allem, wenn vor Ort reine Fertigungsstätten dominieren (wie etwa im Saarland) und weniger die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Unternehmen.

Das bedeutet zwar nicht, dass Industrieregionen per se mit massiven Jobverlusten rechnen müssen. Der Trend geht weg von der Massenproduktion hin zu Fertigungsmethoden, die Unikate herstellen können. „In solchen individualisierten Märkten brauchen die Unternehmen qualifizierte Mitarbeiter mit Gespür für Kundenbedürfnisse. Das können Roboter auf absehbare Zeit nicht leisten“, sagt Hilmar Schneider, Chef des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA). „Kreativität und soziale Kompetenz lassen sich auf lange Sicht nicht automatisieren.“ Beschäftigungsprobleme entstehen jedoch dort, wo Arbeit nicht komplex und kreativ ist, sondern aus Routinearbeiten besteht. Gegenüber dem Roboter dürften daher jene den Kürzeren ziehen, die „nach Schema F arbeiten, die einfache Tätigkeiten ohne Verantwortung erledigen, bei denen es keinen Ermessensspielraum gibt“, so Schneider.

Große SpanneAnteil der Jobs, die stark oder sehr stark durch Automatisierung bedroht sind (Länderauswahl, in Prozent) Quelle: OECD

Dies führt zu einem weiteren wichtigen Punkt – der überragenden Bedeutung der Bildung im digitalen Zeitalter. Charakteristisch für Regionen mit geringerem Automatisierungsrisiko seien neben einem höheren Anteil an Dienstleistungsjobs und einem hohen Urbanisierungsgrad auch „ein höherer Anteil von Arbeitnehmern mit Hochschulabschluss“, heißt es in der OECD-Studie. Auch die Weltbank betont in ihrem neuen „Weltentwicklungsbericht“ die Bedeutung des Humankapitals für die Abfederung des Strukturwandels. Demnach seien in den vergangenen 20 Jahren besonders viele Arbeitnehmer in den angelsächsischen Staaten USA, Großbritannien und Australien durch Maschinen ersetzt worden – auch weil es dort an sozialer Absicherung fehle und das Bildungswesen Mängel aufweise. Fehlten Schutzmechanismen und solide Ausbildung, sei es deutlich schwieriger, Industriebeschäftigte umzuschulen und auf technisch anspruchsvollere Stellen zu hieven, warnt die Weltbank.

Zugleich wird ein gutes Bildungswesen zu einem immer bedeutenderen Faktor im Standortwettbewerb. „Länder mit guter Bildungsinfrastruktur werden künftig eine höhere Digitalisierungsdividende einfahren“, sagt Arbeitsmarktökonom Enzo Weber, Professor an der Uni Regensburg und Chef der IAB-Prognoseabteilung. Für Deutschland fordert er „ein Weiterbildungssystem, das sich bei Umfang, Qualität und Finanzierung mit der Erstausbildung messen kann“.

Die Revolution der Roboter trifft aber nicht nur unterschiedliche Regionen unterschiedlich intensiv, sondern verändert die gesamte internationale Arbeitsteilung. „Die Digitalisierung führt dazu, dass manche Unternehmen ihre Offshoring-Aktivitäten zurückfahren und Produktion teilweise aus dem Ausland zurückholen“, beobachtet Ökonom Weber. Für die Schwellenländer habe die Digitalisierung daher „bisher überwiegend negative Effekte“.

Viele Produktionsprozesse werden durch die Digitalisierung weniger arbeitsintensiv, dadurch fällt der Standortfaktor Arbeitskosten für ausländische Investoren nicht mehr so stark ins Gewicht. Durch den rapiden technologischen Wandel, der die Produkt- und Innovationszyklen rasant verkürzt, entstehen zudem neue Geschäftsmodelle, die im Heimatland besser funktionieren – etwa weil sie ein bestimmtes technologisches Know-how und eine bestimmte Infrastruktur benötigen, die in Schwellenländern bisweilen fehlt. Nach einer aktuellen Studie des IAB zusammen mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ist die Beschäftigung zwischen 2005 und 2014 in den Schwellenländern um gut fünf Prozent gesunken, weil Investoren aus Industrieländern Teile ihrer Produktion zurückverlagert oder weniger ausgelagert haben. Beispiele sind unter anderem die US-Konzerne Ford und General Electric. Weitere 14 Prozent der Jobs in den Schwellenländern sind laut Studie durch höhere Automatisierung vor Ort weggefallen. Webers Fazit: „Entwicklungs- und Schwellenländer müssen ihr Geschäftsmodell ändern, das oft stark auf niedrigen Löhnen beruht.“

Experten warnen gleichwohl davor, die Zukunft allzu schwarz zu malen und die produktive Kraft der Digitalisierung zu vernachlässigen; schließlich kann Automatisierung auch helfen, den demografischen Wandel abzufedern. „Die Digitalisierung vernichtet Jobs, schafft aber zugleich neue Stellen, da neue Bedürfnisse und Märkte entstehen“, sagt Ökonom Schneider, dessen Institut derzeit an einem Modell tüftelt, die Nettoeffekte für den Arbeitsmarkt detaillierter abzuschätzen.

Wo sich Roboter wohlfühlenAnteil der Beschäftigten mit hoher Substitutionsgefahr innerhalb einer Branche in Deutschland (in Prozent)* * Zahlen gerundet; Quelle: IAB, 2018

Dies wäre dann ein neuer Impuls für eine ziemlich alte Debatte: Als Google-Chefvolkswirt Hal Varian vor einigen Wochen in Freiburg auf der Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik über die Digitalisierung referierte, projizierte er einen Zeitungsartikel an die Wand, der vor Jobrisiken durch „denkende Maschinen“ warnte – im Jahr 1935.

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