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IWF Maurice Obstfeld wird Chefökonom

Maurice Obstfeld übernimmt im September den Posten als Chefvolkswirt des IWF. Dann muss er als Lagardes wichtigster Berater die Reformfortschritte Griechenlands beurteilen. Über Währungspolitik forscht der Ökonom seit Jahrzehnten.

Maurice Obstfeld Quelle: AP

Bisher sind nur VWL-Studenten aus aller Welt an Maurice Obstfeld nicht vorbeigekommen, ab September werden sich auch die Regierungschefs vieler Länder auf seine Analysen berufen. Der aktuelle Wirtschaftsberater von US-Präsident Barack Obama wechselt zum Internationalen Währungsfonds (IWF) und wird dessen Chefökonom.

Wie die Washingtoner Institution mitteilt, übernimmt er am 8. September die Position von Olivier Blanchard. Der Franzose verabschiedet sich nach sieben Jahren in den Ruhestand.

Mit Blanchards Posten als Chefökonom und Direktor der wissenschaftlichen Abteilung übernimmt der 63-jährige Professor Obstfeld auch dessen griechischen Patienten. Ganz oben auf der Agenda steht die regelmäßige Beurteilung der Athener Reformfortschritte.

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Kann Griechenland die Schuldenlast stemmen und verleihen die Reformen der Wirtschaft neuen Schwung? Die Antwort auf die derzeit wichtigste Frage der Eurozone wird stark von der Sicht des Amerikaners abhängen. Im Brüsseler Verhandlungsmarathon der letzten Woche spielte die IWF-Analyse zum Finanzierungsbedarf Athens eine entscheidende Rolle - auch wenn der von Washington geforderte nominelle Schuldenschnitt von der Eurogruppe bisher vehement abgelehnt wurde.

"Einer der einflussreichsten Makroökonomen der Welt“

Obstfeld gilt als ausgewiesener Experte der Währungspolitik und globaler Kapitalströme. Das dürfte für IWF-Chefin Christine Lagarde ausschlaggebend gewesen sein, den Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Berkeley mitten in der Griechenlandkrise zu ihrem Chefberater zu machen. „Er ist einer der einflussreichsten Makroökonomen der Welt“, lobt ihn die IWF-Chefin.

Denn der renommierte Außenwirtschaftler Obstfeld versteckt sich nicht allein hinter mathematisch-theoretischen Modellen, sondern bringt sich immer wieder in die politische Debatte ein. Das macht er zwar leiser als Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman, der in seiner Kolumne für die New York Times fast wöchentlich gegen die deutsche Rettungspolitik poltert – zu unterschätzen ist Obstfeld dennoch nicht.

Ähnlich wie sein Vorgänger Blanchard, ist der neue IWF-Chefökonom dem Neukeynesianismus nicht abgeneigt. So gab Obstfeld 2012 bei einer Umfrage unter führenden Ökonomen an, dass es für die Wirtschaft der Eurozone besser wäre, wenn Deutschland die Schulden der Südeuropäer übernehmen würde – ohne, dass Griechenland und Co. dafür Reformen umsetzen müssten.

Als Lehre aus der Eurokrise sprach sich Obstfeld 2013 in einer EZB-Studie zudem dafür aus, neue Institutionen auf Ebene der Eurozone zu schaffen. Der Balanceakt zwischen europäischer Integration und nationaler Souveränität der Finanz- und Wirtschaftspolitik sei gescheitert. Die sich daraus ergebenden Probleme „standen am Anfang der Eurozonen-Krise von 2009.“ Es sei schlicht nicht möglich die Finanzmärkte zu integrieren, deren Stabilität zu gewährleisten und nationale Haushaltspolitik zu machen, schrieb er.

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Begonnen hat Obstfeld seine berufliche Laufbahn aber freilich nicht als Politikberater, sondern als Wissenschaftler. Seine Dissertation schrieb Obstfeld 1979 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) über „Kapitalmobilität und Geldpolitik unter festen und flexiblen Wechselkursen“. Neben Berkeley und dem MIT forschte der Ökonom in Harvard, Cambridge und an der Columbia University.

Ohnehin kommt man in der akademischen Welt an Obstfeld schon länger nicht vorbei: „Foundation of International Macroeconomics“, zusammen mit Kenneth Rogoff, und „International Economics: Theory & Policy“, gemeinsam mit Paul Krugman und Marc Melitz, gehören als Standardwerke in das Bücherregal eines jeden Wirtschaftsstudenten.

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