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Joachim Fels "Das Modell der BRIC-Länder funktioniert nicht mehr"

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Alterung, Bürokratie, Rohstoffabhängigkeit

Dem steht die rasche Alterung der Bevölkerung entgegen.

Die Alterung als Folge der Ein-Kind-Politik ist noch kein großes Problem. Derzeit strömen genug junge Menschen aus den wenig produktiven ländlichen Regionen in die Industriezentren. Ab dem Jahr 2020 dürfte sich das ändern, dann wird der Mangel an jungen Arbeitskräften das Wachstum bremsen.

Und Indien blockiert sich selbst mit seiner überbordenden Bürokratie?

Die Regierung in Neu-Delhi hat in jüngster Zeit wichtige Reformen eingeleitet, um die privaten Investitionen anzukurbeln. Dazu gehört die Reform des Steuersystems sowie die Öffnung wichtiger Industriezweige für ausländische Investoren, darunter Telekommunikation, Versicherungen und Einzelhandel. Ein großes Problem bleibt die marode Infrastruktur. Das gilt übrigens auch für Brasilien.

Wie können Brasilien und Russland ihre Rohstoffabhängigkeit verringern?

Beide Länder müssen ihre Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen. Dazu müssen die Löhne relativ zu anderen Ländern sinken, und die Produktivität muss steigen. Das erfordert mehr private und öffentliche Investitionen in die Infrastruktur. Dann können Sektoren außerhalb des Rohstoffsektors gedeihen.

Welche Folgen hat das lahmende Wachstum der BRIC-Länder für die Weltwirtschaft?

Ich bin recht zuversichtlich, dass die Wirtschaft in den Industrieländern stark genug ist, um den Wachstumseinbruch der Schwellenländer auszugleichen. In den USA haben Haushalte und Unternehmen Schulden abgebaut. Nun können sie wieder mehr konsumieren und investieren. Dazu kommen die niedrigen Energiepreise. In Japan scheint sich die Konjunktur ebenfalls zu erholen. In Europa haben die Peripherieländer harte Reformen umgesetzt. Das dürfte bald Früchte tragen.

Konjunktur



Die Aussicht auf eine weniger expansive Geldpolitik in den USA hat dazu geführt, dass Investoren ihr Geld aus den Schwellenländern abziehen, um es in Dollar anzulegen.

In den vergangenen Jahren haben die Schwellenländer vom Kapitalexodus aus den Industrieländern profitiert. Nun ändert sich die Fließrichtung der Kapitalströme. Die Zeiten ultraniedriger Realzinsen in den Schwellenländern dürften vorbei sein. Wenn sich die Märkte an die Aussicht auf eine weniger expansive Geldpolitik der USA gewöhnt haben, dürfte allerdings ein Teil des Kapitals wieder in die Schwellenländer zurückfließen, zumal die jüngste Abwertung der Währungen diese Länder wieder attraktiver gemacht hat.

Was bedeutet die Wachstumsschwäche der BRIC-Staaten für Deutschland?

Die deutschen Exporteure sind sehr anpassungsfähig, das betrifft auch die Zielmärkte ihrer Ausfuhren. In den nächsten Jahren dürften die USA an Attraktivität gewinnen. Wenn China seine Binnennachfrage stärkt, dann entstehen auch dort für deutsche Unternehmen neue Absatzchancen. Deutschland wird dann nicht mehr so viele Investitionsgüter, sondern mehr Konsumgüter nach China liefern.

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