Jörg Guido Hülsmann „Das Währungssystem ist Schuld an wachsender Ungleichheit“

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Erweiterung der Geldmenge hat negative Folgen

Die Geschichte der freien Marktwirtschaft
Metamorphose IIn der Frühphase des Kapitalismus werden aus Landarbeitern Handwerker: Webstuhl im 19. Jahrhundert in England. Quelle: imago / united archives international
Metamorphose IIMit der Industrialisierung werden aus Handwerkern Arbeiter: Produktion bei Krupp in Essen, 1914. Quelle: dpa
Metamorphose IIIIm Wissenskapitalismus werden Arbeiter zu Angestellten und Proletarier zu Konsumenten: Produktion von Solarzellen in Sachsen. Quelle: dpa
Ort der VerteilungsgerechtigkeitDen reibungslosen Tausch und die Abwesenheit von Betrug – das alles musste der Staat am Markt anfangs durchsetzen. Quelle: Gemeinfrei
Ort der KapitalkonzentrationDer Börsenticker rattert, die Märkte schnurren, solange der Staat ein wachsames Auge auf sie wirft Quelle: Library of Congress/ Thomas J. O'Halloran
Ort der WachstumsillusionWenn Staaten Banken kapitalisieren, sind das Banken, die Staaten kapitalisieren, um Banken zu kapitalisieren... Quelle: AP
Karl MarxFür ihn war der Unternehmer ein roher Kapitalist, ein Ausbeuter, der Arbeiter ihrer Freiheit beraubt. Quelle: dpa
Milton FriedmanFür ihn war der Geschäftsmann gut, der gute Geschäfte macht. Quelle: AP
Papst FranziskusFür ihn ist die Ökonomie Tyrannei und Kapitalismus an der Wurzel ungerecht. Quelle: dpa

Das müssen Sie erklären.

Ich rede von den Menschen, die große Ziele haben, die weit hinaus wollen. Junge Leute, die gleichzeitig gut gebildet sind – aber deren Eltern nicht zu den reichsten zehn Prozent des Landes gehören. Sie werden den Sprung nach oben nie schaffen, wenn sich der Status quo verfestigt, wenn die Bundesrepublik ihnen also nicht mehr Aufstiegschancen ermöglicht. Sie haben nur noch drei Möglichkeiten ihren Ehrgeiz zu befriedigen. Entweder sie nehmen eine sehr demütige Haltung an und verzichten auf die Realisierung ihrer Träume zu eigenen Lebzeiten. Oder sie schlagen den kriminellen Weg ein. Ich denke nicht unbedingt an Räuberbanden, aber zum Beispiel an Finanzkriminalität, sprich: Betrug, Steuerhinterziehung. Der dritte Weg ist derjenige, der heute doch eine gewisse Popularität genieß: Den Staat um Hilfe bitten und nach Umverteilung rufen bzw. selber eine politische Karriere einschlagen.

Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass gerade die junge, gut ausgebildete Elite, die nach Macht und Reichtum strebt, angeblich zum größten Kapitalismus-Kritiker mutiert.

Das ist richtig. Aber auch verständlich. Es staut sich bei den hoffnungsvollen jungen Leuten ein ungeheurer Frust auf, wenn Sie nicht vorankommen und nicht das Niveau erreichen bzw. toppen können, dass ihre Eltern erreicht haben – mit vermeintlich schlechteren Ausgangschancen. Ihre Elterngeneration hat mit ehrlicher Arbeit einen angenehmen Wohlstand erreicht haben – und das nicht nur vereinzelt, sondern auf breiter Basis. Da stellt sich dann eben die Frage: Warum ist das heute nicht mehr möglich?

Die wichtigsten Begriffe in der Kapitalismus-Debatte

Helfen Sie mir bei der Beantwortung. Warum ist das so?

Ich denke, dass das vor allen Dingen an einem Faktor liegt, der von den meisten Ökonomen leider überhaupt nicht berücksichtigt wird: nämlich dem Währungssystem. Wir haben seit mehr als 140 Jahren Währungssysteme eingeführt, die eine immer größere Erweiterung der Geldmenge erlauben und das Ganze hat sich ab 1971 zugespitzt. Damals kündigte US-Präsident Richard Nixon wie bekannt die Bindung des Dollar an Gold auf. Seit diesem Moment erleben wir, dass das Auseinanderklaffen der durchschnittlichen Einkommen und der durchschnittlichen Vermögen, immer größer wird. Ohne Goldanbindung kann die Geldmenge im Prinzip unbegrenzt ausgeweitet werden. Das dient unter anderem der erleichterten Staatsfinanzierung, aber heute sehen wir auch sehr deutlich die Nebenfolgen, und dazu zählt das Auseinanderklaffen von Einkommen und Vermögen.

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