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Konjunktur Der freie Fall ist gestoppt

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Deutsche Exporte steigen wieder

Dass der Aufschwung auch diesmal rascher kommt und kräftiger ausfällt, könnte an mehreren Faktoren liegen: 

Konjunkturprogramme: Rund um den Globus haben die Regierungen zwei Billionen Dollar in Programme zur Belebung der Konjunktur gesteckt. Allein das Paket der US-Regierung von knapp 800 Milliarden Dollar und das Chinas von umgerechnet knapp 600 Milliarden Dollar werden nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in diesem Jahr einen Nachfrageschub von jeweils 2,0 Prozent des nationalen Bruttoinlandsprodukts auslösen. In China zeigen sich bereits erste Wirkungen. Anlageinvestitionen und Kredite expandieren mit Raten von 30 Prozent.

Nach einigen Verzögerungen werden in den nächsten Wochen auch die Programme der USA Wirkung zeigen. Im April haben die ersten Steuersenkungen eingesetzt. Anfang Mai startete US-Präsident Barack Obama mit dem Versand von 250-Dollar-Schecks an mehr als 50 Millionen Haushalte. Das Volumen der Aktion beläuft sich auf mehr als 13 Milliarden Dollar.

Auch in Europa kurbelt der Staat die Nachfrage kräftig an. In Deutschland schoss die Autoproduktion im März dank der Abwrackprämie um 15 Prozent nach oben – sie ist mittlerweile ein Exportschlager. Ab Juli werden zudem die Beiträge zum Gesundheitsfonds gekappt, dann haben die Arbeitnehmer mehr Geld für den Konsum übrig, und in der zweiten Jahreshälfte dürften die staatlichen Bauaktivitäten den Output der Wirtschaft ankurbeln.

Spürbare Impulse für die Konjunktur

Niedrigere Zinsen: In den vergangenen Monaten haben die Zentralbanken rund um den Globus die Leitzinsen auf nahe null Prozent gesenkt und mit dem Ankauf von Staats-, Hypotheken- und Unternehmensanleihen Milliardensummen in die Wirtschaft gepumpt. In den USA sind die Hypothekenzinsen daraufhin kräftig gesunken, derzeit liegen sie mit knapp unter fünf Prozent für 30-jährige Laufzeiten auf dem niedrigsten Niveau seit Anfang der Siebzigerjahre.

Anfang des Monats hat auch die Europäische Zentralbank ihren Leitzins auf nunmehr 1,0 Prozent gesenkt. In den nächsten Wochen will sie Pfandbriefe im Volumen von 60 Milliarden Euro ankaufen. Im Gefolge der geldpolitischen Lockerungen ist der Zinssatz für Dreimonatsgeld (Euribor) von 5,4 Prozent im Herbst vergangenen Jahres auf knapp 1,3 Prozent gesunken. Das verbilligt kurzfristige Unternehmens- und Hypothekenkredite, deren Zins sich am Euribor orientiert.

Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz, glaubt daher, „dass die Notmaßnahmen der Geld- und Finanzpolitik Früchte tragen und die systemische Phase der Finanzkrise, in der es darum ging, den Kollaps des Gesamtsystems zu verhindern, hinter uns liegt“.

Konsum: Laune noch stabil

Abbau der Lagerbestände : Der abrupte Nachfrageeinbruch nach der Lehman-Pleite zwang die Unternehmen dazu, ihre Produktion zum großen Teil auf Vorrat zu halten. In den Folgemonaten setzten sie alles daran, die übervollen Lager zu räumen und schränkten dazu die laufende Produktion ein. In den USA trug der Lagerabbau im ersten Quartal nach Berechnungen von Goldman Sachs 2,8 Prozentpunkte zum Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von insgesamt 6,1 Prozent bei. Auch in Deutschland hat die Industrie ihre Warenbestände in den vergangenen Wochen massiv reduziert, wie Umfragen unter Einkaufsmanagern zeigen.

Sind die Lager leer, müssen die Unternehmen demnächst wieder ihre Maschinen anwerfen, um die Nachfrage zu bedienen. Das dürfte zumindest vorübergehend spürbare Impulse für die Konjunktur liefern und den Output deutlich nach oben schnellen lassen.

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