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Konjunktur Der freie Fall ist gestoppt

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Rasanter Lagerabbau

Sinkende Preise: Billigere Nahrungsmittel und rückläufige Preise für Energie haben die Inflationsrate in den vergangenen Monaten gedrückt. Im April lagen die Kosten der Lebenshaltung in Deutschland nur 0,7 Prozent höher als vor einem Jahr. Für die nächsten Monate rechnen Experten damit, dass die Inflation unter die Marke von null Prozent fällt. Das wird zwar nur eine kurze Episode sein. Für die Bürger ist das jedoch eine willkommene Entlastung. „Die rückläufige Teuerung wird den privaten Konsum stützen“, sagt Morgan-Stanley-Ökonomin Bartsch. Tatsächlich ist das Konsumklima – trotz Krise und schlechter Lage auf dem Arbeitsmarkt – in den vergangenen Monaten stabil geblieben.

Rückkehr des Vertrauens: Ein wichtiger zusätzlicher Treiber für den Aufschwung dürfte die Psychologie sein. „Die Lehman-Pleite war ein negativer Schock für Märkte, Unternehmen und Bürger, der anschließende freie Fall der Wirtschaft hat gezeigt, wie wichtig Vertrauen ist“, sagt Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Das scheint nun dank der Rettungsprogramme der Regierungen und Notenbanken allmählich wieder zurückzukehren. „Der Wendepunkt ist da, weil der Pessimismus so groß war, dass schon mäßig gute Nachrichten reichten, um das Verhältnis von Optimisten zu Pessimisten zu verbessern“, analysiert Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

Das könnte die Basis für eine psychologische Aufwärtsspirale sein: Das wachsende Vertrauen lässt die Kurse an den Finanzmärkten steigen, dann springt der Funke auf die Realwirtschaft über und regt die Unternehmen zu mehr Investitionen an. Mayer schätzt den psychologischen Impuls sogar so stark ein, „dass er die Wachstumsraten in Europa und den USA Ende des Jahres deutlich über die derzeit pessimistischen Prognosen steigen lässt“.

Doch ist ein solcher Wachstumsschub auch nachhaltig?

Immobilienpreise sinken weiter

Zweifel sind angebracht. „Die aktuelle Rezession ist keine normale Rezession, sie ist mit dem Platzen von Blasen am Immobilien- und Kreditmarkt sowie einer schweren Banken- und Finanzkrise verbunden“, warnt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, vor allzu großem Optimismus. Auf solche Rezessionen folgten meist zähe und anämische Aufschwünge. Der Grund: Die durch das Platzen der Blasen ausgelösten Korrekturen setzen sich auch nach dem Ende der Rezession fort und bremsen die Erholung.

Tatsächlich spricht vieles dafür, dass die Häuserpreise in den USA, Großbritannien, Spanien und anderen Ländern noch bis Mitte nächsten Jahres sinken. „Das Preis-Miete-Verhältnis für Häuser in den USA liegt noch immer über dem langjährigen Schnitt, da ist noch Korrekturbedarf vorhanden“, sagt Krämer.

Sinken aber die Immobilienpreise, schrumpft auch das Vermögen der Bürger. Zurückhaltung beim Shoppen ist die Folge. Da kann es nicht verwundern, dass die Einzelhandelsumsätze in Amerika nach den überraschenden Zuwächsen zu Jahresbeginn im März und April wieder gesunken sind. Gegen eine rasche Erholung des privaten Verbrauchs spricht auch die hohe Verschuldung der Konsumenten. Lagen ihre Außenstände im Jahr 2000 erst bei 103 Prozent ihres verfügbaren Einkommens, so sind es mittlerweile über 140 Prozent. Noch tiefer stecken die Briten im Schuldensumpf. Ihre Schuldenquote kletterte im gleichen Zeitraum von 117 auf 186 Prozent.

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