WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Konjunktur Deutsches BIP steigt im 3. Quartal um 0,3 Prozent

Das Wachstum der deutschen Wirtschaft hat sich im dritten Quartal mehr als halbiert. Während die Importe weiter zulegten, zeigten die Exporte wenig Dynamik. Auch die Wirtschaft in den weiteren Euroländern verlor an Schwung.

Die deutsche Konjunktur hat nach dem starken Frühjahr wie erwartet das Wachstumstempo gedrosselt. Quelle: dpa

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im dritten Quartal 2013 preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent höher als im Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Im Frühjahr legte die deutsche Wirtschaftsleistung noch um 0,7 Prozent zu, nachdem sie zu Jahresbeginn stagniert hatte. Für das kräftige Plus im zweiten Quartal hatten allerdings auch Nachholeffekte am Bau nach dem langen Winter gesorgt.

Positive Impulse kamen im dritten Quartal ausschließlich aus dem Inland: Die Konsumausgaben der privaten Haushalten und des Staates waren etwas höher als im Vorquartal. Zudem wurde erneut mehr investiert, sowohl in Ausrüstungen als auch in Bauten.

Dagegen bremste der Außenbeitrag - Exporte minus Importe - das BIP-Wachstum: Während die Importe weiter zulegten, zeigten die Exporte im Vorquartalsvergleich wenig Dynamik. Allerdings ist der deutsche Exportüberschuss im September auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Erst am Mittwoch hatte die EU-Kommission eine vertiefte Untersuchung wegen der deutschen Exportüberschüsse beschlossen.

Was der deutschen Wirtschaft Mut und Angst macht
Konsum Quelle: dpa
Investitionen Quelle: dpa
Angstmacher: EurokriseSie hat sich dank dem Einschreiten der Europäischen Zentralbank (EZB) merklich beruhigt. Seit ihr Chef Mario Draghi Ende 2012 den unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder angekündigt hat, hat nach Ansicht der Finanzmärkte die Gefahr einer Staatspleite in Spanien und Italien deutlich abgenommen. Doch die Ruhe könnte sich als trügerisch erweisen. So reagieren die Börsianer zunehmend nervös auf die Umfrageerfolge von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der bei der Parlamentswahl kommende Woche in Italien wieder kandidiert. Berlusconi will viele Reformen seines Nachfolgers Mario Monti wieder zurücknehmen und beispielsweise die Immobiliensteuer wieder abschaffen. Quelle: REUTERS
Angstmacher: Euro-StärkeDie Gemeinschaftswährung steht unter Aufwertungsdruck. Seitdem die japanische Notenbank ihre Geldschleusen geöffnet hat, ist der Euro um 20 Prozent im Verglich zum Yen gestiegen. Dort sitzen einige der größten Konkurrenten der deutschen Exporteure, darunter Autokonzerne wie Toyota und viele Maschinenbauer. Sie können ihre Produkte dank der Yen-Abwertung billiger anbieten. Quelle: dpa
Auch im Vergleich zu anderen Währungen ist der Euro teurer geworden. Experten warnen bereits vor einem Abwertungswettlauf. Noch können die deutschen Exporteure mit dem Wechselkurs gut leben. Die größere Sorge ist, dass weniger konkurrenzfähige Euro-Länder wie Frankreich oder Italien darunter leiden. Das würde am Ende auch Deutschland treffen, das fast 40 Prozent seiner Waren in die Währungsunion verkauft. Quelle: dpa

Experten gehen davon aus, dass die deutsche Konjunktur zum Jahresende wieder anziehen wird. „Das dritte Quartal ist nur ein Schlagloch auf dem Wachstumspfad“, sagt Unicredit Deutschland-Chefvolkswirt Andreas Rees.

Die Wirtschaft in den Euroländern erholt sich nur langsam und wächst nur noch minimal. Im dritten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den Staaten mit der gemeinsamen Währung um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Das war deutlich weniger als noch im Frühjahr mit plus 0,3 Prozent, wie das Europäische Statistikamt Eurostat am Donnerstag in Luxemburg in einer ersten Schätzung mitteilte. Damals hatten die Euroländer die längste Rezession ihrer noch jungen Geschichte überwunden. In allen 28 EU-Ländern betrug der Zuwachs im Sommer insgesamt 0,2 Prozent. Wachstumslokomotive war nach wie vor die größte europäische Volkswirtschaft Deutschland mit einem Plus von 0,3 Prozent. Ohne den Beitrag der Bundesrepublik hätte die Wirtschaft im Euroraum stagniert. Frankreich sowie die drittgrößte Volkswirtschaft Italien blieben dahinter deutlich zurück und meldeten je ein Minus von 0,1 Prozent.

In Spanien überwand die Wirtschaft die Rezession und wuchs erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder leicht um 0,1 Prozent. Das Wachstum dürfte jedoch kaum ausreichen, um viele neue Jobs zu schaffen. „Damit hat sich die im Frühjahr begonnene Erholung zwar fortgesetzt, aber das Tempo ist viel zu langsam, um die hohe Arbeitslosigkeit im Euroraum zu verringern“, schrieb die Commerzbank. Daran werde sich auch in den kommenden Quartalen nichts Grundlegendes ändern. Gute Nachrichten gibt es hingegen aus Portugal. Die dortige Wirtschaft verzeichnete das zweite Plus in Folge und schaffte 0,2 Prozent Wachstum. Zyperns Wirtschaft schrumpfte dagegen um 0,8 Prozent. Für Irland und Griechenland lagen noch keine Zahlen vor. Die Niederlande als fünftgrößte Volkswirtschaft des Euroraums beendeten im Sommer ihre einjährige Rezession mit einem Plus von 0,1 Prozent. Damit legte die Wirtschaft erstmals seit dem Frühjahr 2012 wieder zu.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%