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Konjunktur Deutschland Aufschwung auf Abruf

Die Krisensymptome in der Weltwirtschaft häufen sich. Trotzdem ist die Stimmung in der deutschen Wirtschaft prächtig. Wie kann das sein?

Container am Hamburger Hafen: Der Export war im zweiten Quartal 2015 einmal mehr Deutschlands Wachstumstreiber. Quelle: dpa

Damit hatten selbst unverbesserliche Konjunkturoptimisten nicht gerechnet: Trotz der zunehmenden Probleme der Schwellenländer, trotz China-Krise und Finanzmarktturbulenzen hat der ifo-Geschäftsklimaindex, das wichtigste Konjunkturbarometer der deutschen Wirtschaft, im August leicht zugelegt. Es war der zweite Anstieg in Folge. "Die deutsche Wirtschaft bleibt ein Fels in der weltwirtschaftlichen Brandung", kommentierte ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

Fast zeitgleich mit den ifo-Zahlen veröffentlichte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag detaillierte Wachstumszahlen für das zweite Quartal. Danach ist die deutsche Wirtschaft um immerhin 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen - zwischen Januar und März hatte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur um 0,3 Prozent zugelegt.

Dazu passt: Die staatliche Förderbank KfW hat am Dienstag ihre Wachstumsprognose für das laufende und kommende Jahr erhöht. 2015 werde das BIP um 1,8 Prozent steigen, zuvor waren die KfW-Volkswirte von 1,5 Prozent ausgegangen.

Trotzdem besteht zu konjunktureller Euphorie kein Anlass. Wenn man sich das Kleingedruckte der aktuellen Konjunkturdaten ansieht, wird schnell klar: Wir erleben einen Aufschwung auf Abruf. Der ifo-Geschäftsklimaindex ist nur deshalb gestiegen, weil die 7000 befragten Unternehmen ihre aktuelle Lage besser bewerteten als im Vormonat.

Ihre Zukunftserwartungen haben sich hingegen eingetrübt. Der aktuelle Absturz an den Börsen spiegelt sich in der Umfrage zudem nur unzureichend wider, da ein Großteil der Antworten bereits bis Mitte August bei ifo einging.

Die höhere Wachstumsdynamik im zweiten Quartal schließlich verdanken wir vor allem dem Export. Vorläufigen Berechnungen zufolge exportierten die deutschen Unternehmen zwischen April und Juni 2,2 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen ins Ausland, während die Importe nur um 0,8 Prozent stiegen. Die Differenz, der so genannte Außenbeitrag, kurbelte das Wachstum an. Doch wie lange noch? Fakt ist: Der Export ist das volkswirtschaftliche Segment, das unter der Krise in wichtigen Handelspartnerländern wie China und Brasilien überproportional leiden könnte.

Der Konsum, den viele in diesem Jahr als neue Konjunkturlokomotive sahen, legte auf Quartalsbasis nur um 0,2 Prozent zu. Das vom Nürnberger Forschungsinstitut GfK für den September ermittelte Konsumklima sank erstmals seit vielen Monaten und erreichte den schlechtesten Wert seit einem halben Jahr. Die Investitionen - ohnehin seit einiger Zeit die Schwachstelle der deutschen Wirtschaft - gingen im zweiten Quartal sogar um 0,4 Prozent zurück.

Boom klingt anders.

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