Konjunktur Deutschland, Frankreich und Österreich sacken ab

Europas Volkswirtschaften verlieren an Wettbewerbsfähigkeit: Während die Euro-Krisenländer weiter im Mittelfeld rumdümpeln, schwächeln nun auch die bisherigen Stützpfeiler. Woran das liegt - und was nun zu tun ist.

Deutschland, Frankreich und Österreich konjunktgeschwächt Quelle: dpa/Montage

Deutschlands Wirtschaft ist robust. Produkte „Made in Germany“ sind weltweit gefragt, der schwache Euro lässt die Gewinne der Unternehmen sprudeln und aus den Krisenländern Südeuropas strömen junge, gut ausgebildete Arbeitskräfte nach Berlin, Stuttgart, Hamburg und Leipzig. Die Bundesregierung freut sich über steigende Steuereinnahmen, verteilt Wahlgeschenke an die eigene Klientel – und setzt so den positiven Trend aufs Spiel.

Deutschlands Wirtschaft ist robust, ja. Unverwundbar ist sie aber nicht. Der beste Beweis: In dem renommierten internationalen Ranking zur Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften ist die Bundesrepublik abgesackt. Im Vergleich zum Vorjahr ging es gleich vier Plätze nach unten, von Rang sechs auf Platz zehn. Zwei skandinavische Länder sind an Deutschland vorbeizogen, Kanada und Luxemburg ebenfalls.

Das sind die wettbewerbsfähigsten Länder der Welt

Es ist eine Entwicklung, die sich abzeichnete. Im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online warnte das IMD („International Institute for Management Development“, eine private Wirtschaftshochschule im Schweizer Lausanne) vor einem Jahr, Deutschland könne schon bald aus den Top 10 herausrutschen. „Der Mindestlohn gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Das gilt auch für die Frühverrentung der Arbeitskräfte und die rasant steigenden Energiekosten. In den nächsten 10 bis 20 Jahren werden die Preise für Energie in Deutschland vier Mal so hoch sein wie in den USA.  Das hält kein Industrieland aus“, sagte Arturo Bris, Direktor des Zentrums für Wettbewerbsfähigkeit, im Mai 2014. Er prognostizierte: „Im nächsten Jahr dürften sich die wirtschaftspolitischen Entscheidungen der Regierung in Berlin negativ auf die Platzierung Deutschlands im Länderranking auswirken.“ Er sollte Recht behalten.

Neben den bereits angedeuteten Problemen – hohe Kosten durch die Energiewende, Frühverrentung, Mindestlohn – bleibt die Steuerpolitik ein echter Wettbewerbskiller. Deutschland kommt im Vergleich der 61 untersuchten Volkswirtschaften auf einen desaströsen 55. Platz.

Die Schwächen Deutschlands

"Steuern sind schlecht für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen – und in Deutschland zahlen die Unternehmen zu viel Steuern", erklärt Bris auf Nachfrage. "Diese mögen dem Staatshaushalt nutzen, die Wertschöpfung der Unternehmen aber belasten sie. Mit einer effektiven Steuerlast von weit über 30 Prozent zählt Deutschland international zu den Standorten mit der höchsten Steuerbelastung. Auch die Besteuerung des Konsums weist in Deutschland  eine steigende Tendenz auf."

Punkten kann Deutschland mit der hohen Qualität der Mitarbeiter. Vier von fünf Unternehmern sind mit ihren Angestellten hochzufrieden. Auch gilt die Bundesrepublik als verlässlich und äußerst stabil: Investoren müssen sich keine Sorgen um ihr Kapital machen.

Die Stärken Deutschlands

Dennoch werden die Pluspunkte nicht ausreichen, um langfristig das „Wirtschaftswunder“ aufrecht zu erhalten. Und auch nicht, um als Vorbild in Europa voranzugehen und die schwächeren Euro-Länder zu Reformen und Wettbewerbsfähigkeit anzutreiben.

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