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Konjunktur Deutschlands Wirtschaft prescht voran

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Frachtcontainer werden für Quelle: AP

Umso wichtiger ist es, dass der Funke von den Ausfuhren auf die Binnennachfrage überspringt. Die Chancen dafür stehen so gut wie lange nicht mehr. Denn der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, wird die Leitzinsen noch lange niedrig halten, um einen Schuldenkollaps der kriselnden Länder im Süden der Euro-Zone zu verhindern. Das gibt der deutschen Konjunktur, die sich schneller erholt als der Rest Europas, einen kräftigen Schub.

Mehr noch: Für Deutschland ergibt sich ein völlig neues Wachstumsmuster. Erstmals seit Beginn der Währungsunion wird der Euro-Einheitszins für Deutschland mittelfristig zu niedrig ausfallen. „Die Krise hat quasi einen Kippschalter umgelegt, der die Wachstumskräfte, die sich unter dem Euro in die Länder der südwestlichen Peripherie Europas verlagert hatten, wieder in Deutschland erstarken lässt“, urteilen die Ökonomen des Münchner ifo Instituts. Deutschland gibt die rote Laterne ab und entwickelt sich zur Konjunkturlokomotive Europas.

Zwar hat das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Berechnungen der Commerzbank erst ein Fünftel des vorangegangenen Einbruchs wettgemacht, die gesamtwirtschaftliche Leistung liegt mithin noch immer um rund vier Prozent unter dem Niveau vor der Rezession. Doch bei dem Tempo, mit dem sich die Wirtschaft derzeit erholt, wird das BIP spätestens 2012 wieder das Niveau vor der Rezession erreichen.

Überflieger Deutschland

Die Stärke der deutschen Wirtschaft hat mehrere Gründe:

„Anders als in Spanien, Irland oder Großbritannien hat es in Deutschland in den vergangenen Jahren keine Übertreibungen am Immobilienmarkt und keine Schuldenexzesse bei den Konsumenten gegeben“, erklärt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Während sich Spanier und Briten beim Konsum nun deutlich einschränken müssen, um ihren Schuldendienst zu finanzieren, können die Deutschen unbeschwert ihren Einkaufsbummel genießen.

Wie ein Musterknabe

Auch in den Kassen der öffentlichen Haushalte sieht es hierzulande besser aus. Zwar wird das gesamtstaatliche Haushaltsdefizit dieses Jahr mit voraussichtlich rund fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts über der Maastrichter Obergrenze von drei Prozent liegen. Doch neben Ländern wie Spanien (Defizitquote: 9,4 Prozent), Griechenland (8,7 Prozent) und Großbritannien (11,5 Prozent) nimmt sich Deutschland wie ein Musterknabe aus.

Das Sparprogramm der Bundesregierung fällt daher vergleichsweise moderat aus und dürfte das Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr nur um 0,2 bis 0,5 Prozentpunkte sinken lassen. In Griechenland (–2,8 Prozentpunkte), Spanien (–2,4 Prozentpunkte) und Frankreich (–1,9 Prozentpunkte) fallen die Bremswirkungen deutlich höher aus.

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