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Konjunktur Deutschlands Wirtschaft prescht voran

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Exporte Wachstum Arbeitslosigkeit

Hatte die Finanzkrise die deutschen Unternehmen wegen der starken Exportorientierung besonders hart erwischt, so treibt jetzt die weltweite Konjunkturerholung die Ausfuhren umso schneller nach oben. Die Ökonomen des Finanzdienstleisters IHS Global Insight rechnen für 2010 mit einem Exportplus von zehn Prozent. Frankreich, Italien und Spanien dürften mit Raten von sechs bis sieben Prozent deutlich dahinter zurückbleiben (siehe Grafik).

„Deutschland hat mit seiner Konzentration auf Investitionsgüter ein besonders zyklisches Exportsortiment und ist stärker als andere Euro-Länder in den wachstumsstarken Schwellenländern vertreten“, erklärt Holger Schmieding, Europa-Chefvolkswirt der Bank of America Merrill Lynch, die deutschen Exporterfolge.

Dazu kommt: In den Reformjahren unter der rot-grünen Bundesregierung von 2003 bis 2005 haben sich die deutschen Unternehmen fit gemacht und im anschließenden Boom von 2006 und 2007 die Kosten unter Kontrolle gehalten. „Deutsche Unternehmen sind ihren Konkurrenten in anderen Ländern jetzt deutlich voraus“, sagt Schmieding.

Das schlägt sich in den Bilanzen nieder. Obwohl die Wirtschaft 2009 so stark einbrach wie seit Jahrzehnten nicht mehr, gingen die Vorsteuergewinne der Unternehmen außerhalb des Finanzsektors nur auf das Niveau von Anfang 2004 zurück. Mittlerweile liegen sie wieder so hoch wie zu Beginn des Aufschwungs Mitte 2005.

Reizthema deutsche Wettbewerbsfähigkeit

Wer so viel Erfolg hat, dem sind die Neider sicher. „Wir haben nicht genug auf die Wettbewerbsunterschiede aufgepasst, die zwischen Deutschland auf der einen und Griechenland, Portugal und Irland auf der anderen Seite entstanden sind“, sagt Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde. Damit setzte sie vor einigen Monaten das Reizthema der stark gestiegenen deutschen Wettbewerbsfähigkeit in die Welt. Lagarde hat hinterher zwar betont, sie sei falsch verstanden worden und habe Deutschland zu seiner Wettbewerbsfähigkeit nur gratulieren wollen. Dennoch bleibt sie dabei: „Jeder muss sich anstrengen.“ Mit Blick auf Deutschland heißt das: Die Inlandsnachfrage solle angekurbelt werden – etwa durch Steuersenkungen oder höhere Löhne.

Comeback der Inlandsnachfrage

Das könnte schneller kommen als gedacht. Die Auslastung der Maschinen und Anlagen hat sich seit dem Tiefpunkt der Konjunktur im Winterhalbjahr 2008/09 kräftig erhöht. Mit knapp 80 Prozent liegt der Auslastungsgrad der Industrie nur noch knapp unter dem langjährigen Durchschnitt von 83 Prozent. Immer mehr Unternehmen erweitern daher ihren Maschinen- und Anlagenpark. In einer aktuellen Umfrage des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) gaben 56 Prozent der Unternehmen an, ihre Investitionen dienten der Erweiterung der Kapazitäten.

Nur 32 Prozent nannten Rationalisierungen als Hauptmotiv für Investitionen, bei zwölf Prozent stand der Ersatz alter Anlagen im Vordergrund. „Die Investitionen kommen in Gang, der Aufschwung trägt sich selbst“, urteilt Dirk Schumacher, Deutschland-Chefökonom der US-Investmentbank Goldman Sachs.

Auch die von vielen Experten befürchtete Kreditklemme ist ausgeblieben. In Umfragen des ifo Instituts gaben im Juni nur 34 Prozent der Unternehmen an, die Banken seien bei der Kreditvergabe restriktiv. Vor einem Jahr waren noch 45 Prozent dieser Ansicht.

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