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Konjunktur Die Achillesferse der Industriemacht China

China ist die Lokomotive der globalen Konjunktur. Bald könnten andere von ihr abgehängt werden: Die Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Unternehmen nimmt zu - aber auch die Risiken im Reich der Mitte.

Die Skyline der Millionen-Metropole Shanghai, China. Quelle: dpa

Herr Wang steht kurz vor der Rente, doch das erste Auto seines Lebens hat er sich vor nur wenigen Monaten gekauft. Ein nagelneuer Audi A4. Wie der Hochschullehrer aus Shanghai müssen sich die meisten Chinesen daran gewöhnen, ein eigenes Fahrzeug zu besitzen. Es ist noch nicht so lange her, dass nur Parteifunktionäre oder Chefs staatlicher Unternehmens in einem der seltenen Dienstwagen durch die Gegend kutschiert wurden. Das Volk fuhr Fahrrad, stieg in den Bus oder ging zu Fuß.

Stärken und Schwächen der BRIC-Staaten
Die Skyline der Millionen-Metropole Shanghai, China Quelle: REUTERS
Leute shoppen auf den Straßen von Sao Paulo, Brasilien Quelle: dapd
Der ehemalige brasilianische Präsident Lula da Silva mit ölverschmierten Händen auf einer Ölplattform vor Bacia De Campos Quelle: dpa
Indien befindet sich laut einer Studie der Weltbank zu den Rahmenbedingungen für unternehmerische Tätigkeiten nur auf Platz 132. Genehmigungen, Kredite bekommen, Vertragseinhaltung - alles ist auf dem Subkontinent mit erheblichen Aufwand und Unsicherheiten verbunden. Hinzu kommt Korruption, eines der größten Probleme für das Land. Transparency International listete Indien im Jahr 1999 noch auf Patz 72, elf Jahre später ist das Land auf Platz 87 im Korruptionsindex abgerutscht. Nicht nur für die ausländischen Unternehmen ist Korruption ein Ärgernis, weil sie stets fürchten müssen, dass Verträge nicht eingehalten werden. Korrupte Beamte und Politiker sind auch eine enormes Problem für die mittleren und unteren Schichten, denen schlicht das Geld zur Bestechung fehlt. Um öffentliche Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, die den Bürgern per Gesetz zustehen, müssen laut Transparency International mindestens 50 Prozent ihrer Befragten Bestechungsgelder zahlen. Der volkswirtschaftliche Schaden ist immens. Analysten gehen davon aus, dass die Direktinvestitionen in Indien um ungefähr 31 Prozent zurückgegangen sind und aus dem indischen Aktienmarkt etwa 1,4 Milliarden Euro abgezogen worden sind. Besonders brisant: nach einer Studie der Washingtoner Global Financial Integrity Organisation leitete die Liberalisierung und Markt-Deregulierung im Jahr 1991 die Hochzeit der Korruption und des illegalen Geldtransfers ein. Im Bild: Der Antikorruptions-Aktivist, Anna Hazare, im August 2011 in Neu Delhi. Hazare ging für zwölf Tage in einen Hungerstreik, um gegen die grassierende Korruption seines Landes zu protestieren. Tausende Sympathisanten unterstützen den Aktivisten bis zum Schluss seiner Aktion. Quelle: dapd
Verkehrsstau auf dem Delhi-Gurgaon Expressway, in Neu Delhi, Indien. Quelle: AP
Im Bild: eine Fabrikarbeiterin in einer Textilfabrik aus der Provinz Anhui, China. Quelle: REUTERS
Im Bild: Ein Eierverkaufsstand in Jiaxing, Zhejiang Provinz. Quelle: REUTERS


Chinas Automobilrevolution ist das wohl plakativste Beispiel dafür, wie der Hunger asiatischer Konsumenten auf Qualitätsprodukte traditionellen westlichen Industrien zu einer zweiten Blüte verhilft. Seine geballte Nachfragemacht lässt sogar die ursprünglich prominente Rolle des Landes als billige Werkbank der Welt in den Hintergrund treten. In kürzester Zeit hat die aufstrebende chinesische Mittelschicht ihren immensen Nachholbedarf an hochwertigen Konsumgütern wie privaten Kraftfahrzeugen gedeckt – und damit ganz nebenbei vor allem deutsche Produzenten aus der historischen Finanz- und Wirtschaftskrise gerettet.

Doch die Welt kann sich nicht ewig auf die konjunkturelle Zugkraft aus dem Reich der Mitte verlassen, denn selbst die chinesischen Absatzmärkte sättigen sich nach und nach. Mittlerweile sind die Straßen von Großstädten wie Peking, Shanghai, Chongqing oder Guangzhou so mit Autos verstopft, dass Radfahrer und Fußgänger ihren Kragen riskieren.

Eine Chance für den deutschen Autobauer: In den letzten Jahren hat Audi seinen Absatz in China gesteigert. Quelle: obs

Im Jahr 2001 wurden nur 1,5 Millionen Autos in ganz China verkauft, im vergangenen Jahr waren es 14 Millionen. Das zeigen Zahlen aus einer umfangreichen Studie zum chinesischen Automarkt, die das internationale Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PwC jüngst veröffentlicht hat. Der unvergleichliche Autoboom hat die Lebensverhältnisse im Reich der Mitte auf den Kopf gestellt. In der alten Volksrepublik waren 70 Prozent der insgesamt wenigen Fahrzeugnutzer älter als 45. Mittlerweile jedoch haben junge Konsumenten den Markt an sich gerissen: Seit Beginn des neuen Jahrtausends sind mehr als vierzig Prozent der privaten Autokäufer unter 26.

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