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Konjunktur Die deutsche Wirtschaft im Sog der Euro-Krise

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Druck auf die EZB

Hohe Schulden lassen den Druck auf die Europäische Zentralbank wachsen. Grundsätzlich hängt die Schuldendynamik eines Landes von vier Faktoren ab: dem Zinssatz für die Staatsschulden, dem nominalen Wirtschaftswachstum, dem Haushaltssaldo (ohne Zinsausgaben) und dem vorhandenen Schuldenstand in Relation zum BIP. Berechnungen der Ökonomen der Hamburger Privatbank MM Warburg zeigen, wie groß der Druck auf die Euro-Hüter wird, die Zinsen weiter künstlich nach unten zu drücken, wenn die Regierungen das Sparen ad acta legen.

Rezession

So muss Italien für seine Staatsschulden im Schnitt 4,2 Prozent Zinsen zahlen. Bei einem nominalen Wirtschaftswachstum von null Prozent ergibt sich eine Zins-Wachstums-Differenz von 4,2 Prozentpunkten. Angesichts der italienischen Staatsschuldenquote von 127 Prozent müsste das Land einen Einnahmeüberschuss (ohne Zinsausgaben) im Staatshaushalt von 5,3 Prozent des BIPs erwirtschaften, damit die Schuldenquote nicht weiter steigt. Ein schier auswegloses Unterfangen.

Stimmung deutscher Unternehmen

So geht der Internationale Währungsfonds (IWF) davon aus, dass Italien dieses Jahr einen Primärüberschuss von lediglich zwei Prozent erreicht. Die Schuldenquote dürfte daher bis Ende des Jahres auf 130 Prozent klettern. „Die Schuldenquoten werden weiter ansteigen – nicht nur in Italien, sondern wegen der Wachstumsschwäche auch in fast allen anderen Ländern der Euro-Zone“, prophezeit Carsten Klude, Chefökonom von MM Warburg.

Investitionen

Zinsen nach unten

Die einzige Chance, die Schuldenquoten unter Kontrolle zu bringen, bestehe darin, dass die EZB die Zinsen weiter nach unten peitscht. Je weniger die Südländer also sparen, desto wahrscheinlicher wird es, dass die EZB in großem Stil deren Staatsanleihen kauft und dafür frisches Geld in das Bankensystem pumpt. Geld, das die Vermögenspreise weiter aufbläht und mittelfristig höhere Inflation erzeugt. Die wiederum wird das Vermögen der Sparer auffressen. Die Bundesbürger zahlen so letztlich die Zeche für den mangelnden Reformwillen in den Südländern.

Die Zinssenkung vom Donnerstag dürfte daher erst der Beginn einer neuen Geldflut sein. Dass diese der Konjunktur hilft, ist unwahrscheinlich. In Deutschland wird das billige Geld allenfalls den Bauboom weiter anfachen. Das Risiko gefährlicher Preisblasen und ungesunder Kreditexzesse nimmt zu. In den Krisenländern der Euro-Zone dürfte die Zinssenkung gänzlich verpuffen. „Deren Hauptproblem ist das mangelnde Vertrauen“, sagt Marcel Fratzscher, neuer Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, der vorher lange bei der EZB gearbeitet hat. „Die Geldpolitik kann nur Liquiditätsprobleme lösen, nicht Solvenzprobleme“, betont Fratzscher.

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