Konjunktur Europas Sorgenkinder kommen nicht auf die Beine

Deutschland wächst noch minimal, doch die Impulse aus der Bundesrepublik reichen nicht, um Europa vor der Rezession zu bewahren. Die Wirtschaft in Südeuropa schafft weiter nicht die Wende.

Die deutsche Wirtschaft verliert an Schwung. In vielen Ländern Europa sieht es noch deutlich schlechter aus. Quelle: dpa

Die Wirtschaftsleistung in der Eurozone ist im zweiten Quartal geschrumpft. Nach einer Stagnation in den ersten drei Monaten 2012 sackte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den 17 Ländern mit der Gemeinschaftswährung um 0,2 Prozent ab. In der Europäischen Union als Ganzes mit ihren 27 Mitgliedsstaaten sank das BIP von April bis Juni ebenfalls um 0,2 Prozent. Das teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg in einer ersten Schätzung mit.

Für Experten kommen die Zahlen nicht überraschend. Schließlich gibt es auf dem ganzen Kontinent keine echte Wachstumslokomotive mehr. Deutschland, Europas größte Volkswirtschaft, verzeichnete zwischen Januar und März zwar immerhin noch ein Wachstum. Es ist aber mit 0,3 Prozent zu klein, um Europa vor der Rezession zu bewahren. Frankreichs Wirtschaft hingegen verzeichnete ein Null-Wachstum - zum dritten Mal in Folge. Wirtschaftsminister Pierre Moscovici hielt dennoch an der Wachstumserwartung der Regierung von 0,3 Prozent für das Jahr 2012 fest. Er bezeichnete die Zahlen in einem Gespräch mit dem Sender "Europe 1" zwar als "nicht exzellent". Dennoch äußerte er die Hoffnung, dass das Wachstum im zweiten Halbjahr etwas anziehen werde.

Die größten Risiken für die deutsche Wirtschaft

In Südeuropa zeiht es noch düsterer aus: Im Krisenland Spanien nahm die Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent ab, Italiens BIP verschlechterte sich sogar um 0,7 Prozent. Besserung ist nicht in Sicht: Die Europäische Zentralbank rechnet für dieses Jahr mit einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent im Euro-Raum. Auch das Münchner ifo-Institut sieht große Gefahren für die Konjunktur. Das Wirtschaftsklima in der Euro-Zone hat sich nach zwei Anstiegen in Folge im dritten Quartal 2012 wieder verschlechtert. Der entsprechende Index, der auf der Befragung von 274 Experten im Juli basiert, brach auf 88,9 Punkte ein, nachdem es im zweiten Quartal noch 100,3 Zähler waren. Der Durchschnitt der Jahre 1996 bis 2011 von 109 Punkten wird damit noch deutlicher unterschritten.

"Es wird nicht mehr damit gerechnet, dass sich die Wirtschaft in den kommenden sechs Monaten erholt", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Sowohl die Einschätzung der aktuellen Lage als auch die Erwartungen hätten stark nachgegeben. "Die wieder aufflammende Schuldenkrise setzt der Konjunktur im Euro-Raum zu." Die aktuelle Lage wird in Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und Zypern unverändert auf Rezessionsniveau gesehen. "In Belgien, Frankreich, Irland, den Niederlanden und Slowenien wird die wirtschaftliche Lage nur wenig besser beurteilt", so das Ifo-Institut.

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