Konjunktur Frankreich Wirtschaft vor leichtem Aufschwung

Der niedrige Ölpreis und der schwache Euro beleben Frankreichs Konjunktur. Frankreichs Probleme löst das aber nicht. Trotz der verbesserten Wachstumsaussichten steigt die Arbeitslosigkeit weiter.

Eine französische Ein-Euro-Münze. Quelle: dpa

Frankreichs Wirtschaft steuert dank des niedrigeren Ölpreises und des schwächeren Euro auf eine leichte Konjunkturbelebung im ersten Halbjahr 2015 zu. Das Bruttoinlandsprodukt der zweitgrößten Volkswirtschaft in der Euro-Zone werde im ersten und zweiten Quartal um jeweils 0,3 Prozent wachsen, teilte das Statistikamt Insee am späten Donnerstagabend in Paris mit. Dies wäre ein Anstieg im Vergleich zum laufenden vierten Quartal, für das ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent vorhergesagt wird. Für das Gesamtjahr 2014 bekräftigte das Statistikamt seine bisherige Wachstumsprognose von 0,4 Prozent.

Der fallende Ölpreis führe zu einer niedrigen Inflation, was einen zunehmend positiven Effekt auf den Konsum der privaten Haushalte habe, begründete die Behörde ihre Wachstumsprognose. Die Abwertung des Euro helfe zudem französischen Exporteuren. Präsident Francois Hollande hatte zuvor in Brüssel erklärt, Frankreich könne vorerst auf einen weiteren Kursrückgang beim Euro hoffen.

Was deutsche Unternehmen an Frankreich nervt
Die Deutsch-Französische Industrie- und Handelskammer und EY haben 181 deutschen Unternehmen in Frankreich nach ihrer Zufriedenheit befragt. Das Ergebnis ist gar nicht rosig: 2014 beurteilen 73 Prozent der befragten Unternehmen die wirtschaftliche Situation auf dem französischen Markt als schlecht, neun Prozent sogar als sehr schlecht. Vor zwei Jahren sahen 57 und sechs Prozent die Aussichten ähnlich finster. Für das kommende Jahr rechnen 33 Prozent der Befragten mit einer weiterhin schlechten Wirtschaftslage. Heißt: Die Mehrheit sieht ein Licht am Ende des Tunnels. "Zwei Drittel der befragten Unternehmen bekräftigen, dass ihre Muttergesellschaft wieder in Frankreich investieren würde", sagt Nicola Lohrey, Executive Director bei der Rechtsanwaltsgesellschaft EY. Quelle: dpa
58 Prozent der befragten Unternehmen stören sich daran, dass der Arbeitsmarkt nicht flexibel genug ist (2012: 50 Prozent). Quelle: dpa
Auf die Frage, welche Faktoren am meisten Einfluss auf ihre Geschäftslage ausüben, nannten 43 Prozent die Lohnkosten und 35 Prozent Steuern und Abgaben. Letztere halten 56 Prozent der befragten Unternehmen für zu hoch. 2012 waren es noch 60 Prozent. Quelle: dpa
Auch das Arbeitsrecht wird als zu rigide empfunden. 47 Prozent halten die arbeitsrechtlichen Normen für zu kompliziert (2012: 50 Prozent). Die Unternehmen würden sich folglich mehr Flexibilität in diesem Bereich wünschen. Dasselbe gilt für die Komplexität und andauernde Zunahme gesetzlicher Reglementierungen. Quelle: dpa
Die Steuern auf das Arbeitseinkommen in Frankreich halten 37 Prozent der befragten Unternehmer für zu hoch. Quelle: dapd
23 Prozent empfinden die französischen Steuerregelungen allgemein als zu kompliziert. Im Jahr 2012 sagten das noch 35 Prozent. Quelle: dpa
Im Bereich der Politik wünschen sich die befragten deutschen Unternehmer Strukturreformen, die zwar häufig angekündigt, aber nicht immer umgesetzt werden. Sie wünschen sich langfristige Berechenbarkeit und eine klare Linie, an der sie sich orientieren können. "Die Unternehmen brauchen eine Vision auf lange Sicht, die ihnen die französische Politik derzeit nur unzureichend vermittelt", sagt Damien Schirrer, Geschäftsführer von Orbis, der in der Studie zitiert wird. Quelle: AP
Immerhin: es läuft nicht alles schlecht in Frankreich. Die Unternehmer haben zwölf Erfolgsfaktoren für den französischen Markt bewertet, die Kundenbeziehungen standen dabei ganz oben. An zweiter Stelle kommen wettbewerbsfähige Preise, gefolgt von Produktqualität, Einhaltung der Lieferfristen, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sowie Verständnis für die Kundenmentalität. Zu den Standortvorteilen Frankreichs zählen für die befragten Unternehmen in erster Linie die Infrastruktureinrichtungen und die hohe Lebensqualität. Quelle: obs

Trotz der leicht verbesserten Wachstumsaussichten dürfte die Arbeitslosigkeit in Frankreich aber weiter steigen. So erwartet das Statistikamt, dass sich die Arbeitslosenquote von 10,4 Prozent in diesem Jahr auf 10,6 Prozent im nächsten Jahr erhöhen wird. Dies könnte den innenpolitischen Handlungsspielraum des ohnehin unpopulären Präsidenten Hollande weiter verringern.

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