Konjunktur Frühjahrsaufschwung belebt Arbeitsmarkt

Im Frühjahr erwacht auch der Arbeitsmarkt aus seiner Winterstarre. Allerdings rechnen Experten für den April mit einem vergleichsweise schwachen Rückgang - denn die Konjunktur schwächelt.

Was der deutschen Wirtschaft Mut und Angst macht
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Angstmacher: EurokriseSie hat sich dank dem Einschreiten der Europäischen Zentralbank (EZB) merklich beruhigt. Seit ihr Chef Mario Draghi Ende 2012 den unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder angekündigt hat, hat nach Ansicht der Finanzmärkte die Gefahr einer Staatspleite in Spanien und Italien deutlich abgenommen. Doch die Ruhe könnte sich als trügerisch erweisen. So reagieren die Börsianer zunehmend nervös auf die Umfrageerfolge von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der bei der Parlamentswahl kommende Woche in Italien wieder kandidiert. Berlusconi will viele Reformen seines Nachfolgers Mario Monti wieder zurücknehmen und beispielsweise die Immobiliensteuer wieder abschaffen. Quelle: REUTERS
Angstmacher: Euro-StärkeDie Gemeinschaftswährung steht unter Aufwertungsdruck. Seitdem die japanische Notenbank ihre Geldschleusen geöffnet hat, ist der Euro um 20 Prozent im Verglich zum Yen gestiegen. Dort sitzen einige der größten Konkurrenten der deutschen Exporteure, darunter Autokonzerne wie Toyota und viele Maschinenbauer. Sie können ihre Produkte dank der Yen-Abwertung billiger anbieten. Quelle: dpa
Auch im Vergleich zu anderen Währungen ist der Euro teurer geworden. Experten warnen bereits vor einem Abwertungswettlauf. Noch können die deutschen Exporteure mit dem Wechselkurs gut leben. Die größere Sorge ist, dass weniger konkurrenzfähige Euro-Länder wie Frankreich oder Italien darunter leiden. Das würde am Ende auch Deutschland treffen, das fast 40 Prozent seiner Waren in die Währungsunion verkauft. Quelle: dpa

Nach dem ungewöhnlich langen Winter belebt der Frühjahrsaufschwung den Arbeitsmarkt inzwischen spürbar. Dennoch erwarten Volkswirte, dass die Zahl der Erwerbslosen im April vergleichsweise wenig um rund 75.000 auf 3,02 Millionen zurückgegangen ist. Der Abbau sei zudem ausschließlich darauf zurückzuführen, dass in den sogenannten Außenberufen auf dem Bau, in der Landwirtschaft und in Gärtnereien jetzt wieder gearbeitet werden könne. Denn bereinigt um saisonale Faktoren nahm die Arbeitslosigkeit erneut leicht zu, wie die Umfrage der Nachrichtenagentur dpa unter Volkswirten großer Banken ergab. Die offiziellen Zahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) an diesem Dienstag bekanntgeben.
„Die Konjunktur schiebt immer weniger“, kommentierte Commerzbank-Analyst Eckart Tuchtfeld die seit Monaten andauernde Seitwärtsbewegung auf dem Arbeitsmarkt. Rolf Schneider von der Allianz ergänzte mit Blick auf die erneute Eintrübung des Ifo-Index sowie anderer Frühindikatoren: „Wir haben zuletzt leider Informationen von der Konjunkturseite, die nicht ganz so erfreulich sind.“ Nach dem rückläufigen vierten Quartal des vergangenen Jahres sei „der große konjunkturelle Durchbruch“ bislang offensichtlich noch nicht erfolgt, weshalb sich die Unternehmen mit Einstellungen weiter zurückhielten.

Das sieht auch die Bundesagentur so. Der von der Nürnberger Behörde monatlich ermittelte Stellenindex BA-X ging im April um 6 auf 147 Punkte zurück. „Diese schwindende Dynamik dürfte vor allem damit zusammenhängen, dass sich die Unternehmen angesichts fortdauernder Konjunkturrisiken bei zusätzlichen Neueinstellungen zurückhaltender zeigen als beispielsweise noch 2010 oder 2011“, kommentierte die BA. Im Vergleich zum Vorjahresmonat verlor der Indikator 23 Punkte.
Seit gut einem Jahr lässt die Nachfrage nach Arbeitskräften nun bereits nach - im langjährigen Vergleich ist das Niveau aber immer noch hoch. Vor allem die Zeitarbeit hat weiter einen großen Bedarf an Mitarbeitern. Auch im Groß- und Einzelhandel, in der Bauinstallation, im Gesundheits- und Sozialwesen, im öffentlichen Dienst sowie in der Gastronomie werden neue Kollegen gesucht, berichtete die BA.

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In einigen Monaten könnte der gesamte Arbeitsmarkt wieder anziehen. So erwartet Alexander Koch von der HypoVereinsbank, dass im Laufe des Jahres eine breite konjunkturelle Erholung eintritt. Entsprechend rechnet er ebenso wie seine Kollegen der anderen Banken mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit in der zweiten Jahreshälfte. Bis dahin werde die Stagnation auf dem Arbeitsmarkt anhalten - wohlgemerkt noch immer auf einem historisch niedrigen Niveau.

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