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Konjunktur Deutschlands kranker Boom

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Herausforderungen der alternden Gesellschaft

Zumal sich die Regierung im Irrglauben an die ewige Strahlkraft des Gütesiegels Made in Germany zurücklehnt, statt die Wirtschaft fit zu machen für die Herausforderungen der alternden Gesellschaft und den Standortwettbewerb. In den vergangenen Jahren hat die Politik den Unternehmen mit steigenden Abgaben, überflüssigen Regulierungen und hohen Energiekosten das Leben schwer gemacht. Dass sich daran in den nächsten Jahren etwas ändert, ist angesichts der politischen Verhältnisse in Berlin nicht abzusehen.

Doch ohne marktwirtschaftliche Reformen „wird die Politik zum Standortrisiko für Deutschland“, warnt Alexander Krüger, Chefvolkswirt beim Bankhaus Lampe.

Dass Deutschlands Wirtschaft trotz der politischen Bremsklötze boomt, ist in erster Linie das Ergebnis der Geldflut, mit der die EZB die Wirtschaft seit der Finanzkrise überschwemmt. Erst schlug die Niedrigzinstherapie in Deutschland an, jetzt folgen die übrigen Euro-Länder. Sogar Krisenstaaten wie Italien und Griechenland wachsen – und das mit ansehnlichen Raten zwischen 1,5 und 2,0 Prozent. Davon profitieren die deutschen Unternehmen, die 37 Prozent ihrer Exporte in die Euro-Länder liefern.

Auch außerhalb der Euro-Zone läuft die Wirtschaft rund. 79 Prozent aller Länder werden 2018 Wachstumsraten von mehr als zwei Prozent aufweisen, erwartet Stefan Kreuzkamp, Chief Investment Officer der Deutschen Asset Management, der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank. Die Welt befinde sich „in einem synchronen Aufschwung“. Das sind gute Nachrichten für die deutschen Exporteure. Ihre Ausfuhren dürften 2018 um mehr als fünf Prozent steigen, doppelt so schnell wie 2016.

Rückenwind erhält die Konjunktur auch durch eine robuste Binnennachfrage. Die Auftragsbücher der Unternehmen sind voll, qualifiziertes Personal ist knapp. „Unsere Betriebe rennen Schulen und Unis die Bude ein, um an geeignete Arbeitskräfte zu kommen“, sagt INDUS-Manager Abromeit. 73 Prozent der vom ifo Institut befragten Unternehmen sehen im Fachkräftemangel die größte Konjunkturbremse.

Was die Personalmanager sorgt, zaubert Arbeitnehmern ein Lächeln ins Gesicht. Binnen einer Dekade haben sich die Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt gedreht. Mussten Arbeitnehmer vor zehn Jahren noch um ihre Jobs zittern, können sie sich heute gute Arbeitsplätze aussuchen – und gute Bedingungen aushandeln. Für fähiges und passendes Personal zahlen Unternehmen Knappheitszuschläge. Einschließlich Sonderzahlungen werden die Löhne und Gehälter im nächsten Jahr um drei Prozent zulegen, erwarten die Ökonomen des IfW. Und weil die Teuerungsrate nur etwa halb so hoch ausfällt, bleibt den Arbeitnehmern real mehr Geld im Portemonnaie.

Der Konsum dürfte daher weiterhin eine wichtige Stütze der Konjunktur bleiben.

Weil die Unternehmen die wachsende Nachfrage aus dem In- und Ausland mit ihren bestehenden Kapazitäten kaum mehr bedienen können, stecken sie mehr Geld in neue Maschinen und Anlagen. „Wir werden im nächsten Jahr rund 90 Millionen Euro für Investitionen in unseren Tochtergesellschaften ausgeben, zehn Prozent mehr als dieses Jahr“, sagt Abromeit.

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