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Konjunktur in Deutschland Ifo-Institut kappt Prognose für 2021 – und erwartet 2022 über fünf Prozent Wachstum

Kräne im Hamburger Hafen. Das Ifo-Institut hat seine Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft gesenkt. Quelle: dpa

2021 dämpfen Lieferengpässe in der Industrie den Aufschwung laut dem Ifo-Institut. Im kommenden Jahr dürfte das anders aussehen. Der Bankenverband BdB geht vom stärksten Konsumboom seit der Wiedervereinigung aus.

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Die künftige Bundesregierung kann dem Ifo-Institut zufolge in ihrem ersten Jahr mit dem stärksten Wirtschaftswachstum seit der Wiedervereinigung rechnen. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte 2022 um 5,1 Prozent wachsen, sagten die Münchner Forscher am Mittwoch voraus. Bislang waren sie nur von 4,3 Prozent ausgegangen. Zugleich senkten die Ökonomen aber ihre Prognose für das laufende Jahr von 3,3 auf 2,5 Prozent, da Lieferengpässe die Industrie stark behindern. „Die ursprünglich für den Sommer erwartete kräftige Erholung nach Corona verschiebt sich weiter“, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Derzeit schrumpfe die Produktion der Industrie als Folge von Lieferengpässen bei wichtigen Vorprodukten, während sich die Dienstleister zugleich kräftig erholten. „Die Konjunktur ist gespalten“, so der Ökonom.

Die Chefvolkswirte der privaten Banken sagen für das kommende Jahr einen Konsumboom in Deutschland voraus. „Wir rechnen für 2022 mit einem Plus von sieben Prozent beim privaten Verbrauch“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes BdB, Christian Ossig, zur Herbstprognose. „Das wäre mit Abstand der stärkste Anstieg seit der Wiedervereinigung.“ Das Zwangssparen durch Corona - als die Verbraucher während der Lockdowns nicht wie gewohnt shoppen konnten und Kultur- wie Freizeitangebote stark eingeschränkt waren – scheine vorbei zu sein. Die Nachholeffekte dürften bis ins nächste Jahr hinein tragen.

„Inflation bewegt sich Richtung fünf Prozent“



Der Kauffreude soll auch die hohe Inflation keinen Abbruch tun. Die Verbraucherpreise werden dem Ifo-Institut zufolge in diesem Jahr um 3,0 Prozent anziehen, nachdem die Teuerungsrate im August mit 3,9 Prozent den höchsten Stand seit 1993 erreicht hatte. „Wir werden in den nächsten Monaten noch höhere Inflationsraten bekommen“, sagte Wollmershäuser. „Sie wird vielleicht in Richtung fünf Prozent gehen.“ 2022 soll die Rate dann aber im Jahresschnitt auf 2,3 Prozent fallen, 2023 sogar auf 1,6 Prozent. Die aktuell starke Teuerung sei auf temporäre Sondereffekte zurückzuführen, hieß es beim Bankenverband: etwa ein extrem niedriges Ausgangsniveau bei den Rohstoffpreisen, Pandemie- und Lockdown-bedingte Nachholeffekte oder auch die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung im vergangenen Jahr.

Günstigere Einkommens- und Beschäftigungsaussichten werden dem Ifo-Institut zufolge zum Aufschwung beitragen. So hätten zuletzt die Dienstleister deutlich mehr Mitarbeiter eingestellt, während Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit gesunken seien. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte in diesem Jahr bei 2,6 Millionen liegen und soll bis 2023 auf 2,3 Millionen fallen.

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Das Defizit im Staatshaushalt sehen die Ifo-Experten in diesem Jahr bei 157,3 Milliarden Euro, doch soll es 2022 auf 52,1 Milliarden Euro schrumpfen. 2023 dürfte der Staatshaushalt dann erstmals wieder ausgeglichen sein. Diese Prognosen basieren auf der Annahme, dass nur die derzeit beschlossenen wirtschafts- und finanzpolitischen Pakete umgesetzt werden. Ob es dabei bleibt, ist fraglich, da nach der Bundestagswahl am Sonntag eine neue Regierungskoalition als wahrscheinlich gilt.

Mehr zum Thema: Teure Rohstoffe, knappe Chips und zunehmende Preisrisiken drücken den Dax. Große Einzelwerte wie Allianz und BASF geraten ins Wanken; andere, vor allem Siemens, stützen dagegen den Trend.

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