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Konjunktur Ist die Konjunkturwende da?

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Auch in den USA scheint sich die wirtschaftliche Talfahrt zu verlangsamen. So wurden im  April nicht mehr ganz so viel Jobs abgebaut wie im Vormonat, auch die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung haben ihren Höhepunkt überschritten. In der Vergangenheit war das ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich die Rezession ihrem Ende nähert.

Zweitens: Die Konjunkturprogramme der Regierungen und massiven Zinssenkungen der Notenbanken schieben die Weltwirtschaft an. In China scheinen die Infrastrukturmaßnahmen der Regierung schon Wirkung zu entfalten. In den USA und Europa dürften sie in den nächsten Wochen ebenfalls zu spüren sein. Hinzu kommt, dass die Zinssenkungen der Notenbanken rund um den Globus die Finanzierungskosten der Unternehmen und Verbraucher deutlich gesenkt haben. In den USA sind Hypothekenkredite so billig zu haben wie schon lange nicht mehr. Und in Europa ist der Zinssatz für  Dreimonats-Geld von über 5 Prozent im vergangenen Oktober auf nunmehr rund 1,3 Prozent gesunken. Viele kurzfristige Kredite für Unternehmen und Bauherren orientieren sich an diesem Zins und haben sich dadurch ebenfalls  verbilligt.

Unfreiwilliger Lageraufbau

Drittens: Viele Unternehmen wurden durch den massiven Nachfrageinbruch im Herbst 2008 überrascht und konnten ihre Produktion nicht rechzeitig stoppen. Es kam zu einem unfreiwilligen Lageraufbau. In den vergangenen Monaten haben die Firmen die Nachfrage dann durch den Abbau der Lagerprodukte befriedigt, was die Neuproduktion dämpfte. Mittlerweile haben die Unternehmen Fortschritte beim Räumen ihrer Lager gemacht. Steigt die Nachfrage wieder, müssen sie ihre Produktion rasch hoch fahren.

Das alles deutete darauf hin, dass wir das Schlimmste hinter uns haben und die Wirtschaft bald auf den Pfad der Erholung einschwenkt. Wie stark die ausfällt, ist jedoch unsicher. Vieles spricht dafür, dass wir nach einem unerwartet kräftigen Rückprall auf die vorangegangene Talfahrt in eine eher  blutleere Erholung einmünden. Der noch bis ins nächste Jahr anhaltende Rückgang der Immobilienpreise in den USA, dem UK und einigen europäischen Ländern drückt nicht nur auf die Vermögensposition und damit auf die Konsumlaune der Verbraucher. Er belastet auch die Banken, weil mit sinkenden Häuserpreise die Sicherheiten für ihre Hypothekenkredite flöten gehen. Zusammen mit den zunehmenden Zahlungsausfällen  wegen steigender Arbeitslosigkeit dürfte das den Abschreibungsbedarf bei den Banken erhöhen. 

Vor allem aber ist  noch nicht zu erkennen, wer die Rolle des weltweiten Konjunkturmotors übernehmen soll, nachdem der US-Konsument wegen seiner Überschuldung  für diese Rolle in der nächsten Zeit ausfällt. 

Damit bleibt als Fazit: Die Rezession scheint schneller  zu enden und die Rückpralldynamik zunächst kräftiger auszufallen als erwartet. Doch die mittelfristige Erholung, die sich daran anschließt, wird mühselig verlaufen.   

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