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Konjunktur Ist die Konjunkturwende da?

Kündigt sich damit also die lang ersehnte Wende an? Waren all die Sorgen vor einer Großen Depression übertriebene Panikmache? WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer geht diesen Fragen in seinem Kommentar nach.

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer Quelle: Frank Schemmann für WirtschaftsWoche

Gerade mal eine Woche ist es her, dass die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für 2009 drastisch auf minus sechs Prozent nach unten geschraubt hat. Doch jetzt, nur wenige Tage später, drehen wichtige Konjunkturindikatoren nach oben als wollten sie die Doomsday-Vorhersagen der Politiker und vieler Analysten Lügen strafen. Gestern meldete das Statistische Bundesamt, dass die Bestellungen in der deutschen Industrie im März um 3,3 Prozent gestiegen sind. Besonders die Aufträge aus dem Ausland legten kräftig zu (plus 5,6 Prozent). Bei den Herstellern von Investitionsgütern kamen sogar 9,1 Prozent mehr Order aus dem Ausland an als im Vormonat.

Passend dazu meldeten die Statistiker heute, dass die Exporte im März um 0,7 Prozent gestiegen seien, das erste Plus seit September vergangenen Jahres. Auch die Daten zur Produktion im Produzierenden Gewerbe bieten eine positive Überraschung. Der Abwärtstrend der Vormonate scheint gestoppt, der Output der Branche hat im März gegenüber Februar stagniert. Das war zwar vor allem der Abwrackprämie zu verdanken, die die Produktion von Autos um 15 Prozent klettern ließ. Und auch das satte Plus in der Bauwirtschaft von 7,6 Prozent haben wir wohl zum Teil den Aufholarbeiten nach dem langen und kalten Winter zu verdanken. Doch selbst bei Berücksichtigung dieser Sonderfaktoren kann nicht geleugnet werden, dass sich die Datenlage zur Konjunktur überraschend gebessert hat.

Wirtschaft

Kündigt sich damit also die lang ersehnte Wende an? Waren all die Sorgen vor einer Großen Depression übertriebene Panikmache?

Tatsache ist: Die Wirtschaft wird in diesem Jahr so stark schrumpfen wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Auch unter Berücksichtigung der guten Märzdaten wird das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2009 wohl um 3 bis 4 Prozent gesunken sein. Zusammen mit dem Minus aus dem Jahresschlussquartal 2008 ist damit ein Absturz der deutschen Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um mindestens 5 Prozent vorgezeichnet.

Doch die Hoffnung, dass sich die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte stabilisiert, wird durch die jüngsten Daten unterfüttert. Ja, es ist sogar  gut  möglich, dass der Aufstieg aus der Talsohle dynamischer wird als die meisten Experten  erwarten. Dafür sprechen mehrere Faktoren.

Erstens: Die Weltkonjunktur scheint sich zu bessern. In China lag der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im April bereits zum zweiten Mal in Folge über der kritischen Marken von 50 Punkten, oberhalb derer er auf Expansion hindeutet. Zwar ist die Wachstumsraten des  Bruttoinlandsprodukts im  Vorjahresvergleich im ersten Quartal 2009 auf 6,1 Prozent gesunken nach 6,8 Prozent im Vorquartal. Doch bereinigt um Saisoneinflüsse hat sich die Wachstumsdynamik gegenüber dem Vorquartal von rund 0,3 auf 1,6 Prozent erhöht.

Auch in den USA scheint sich die wirtschaftliche Talfahrt zu verlangsamen. So wurden im  April nicht mehr ganz so viel Jobs abgebaut wie im Vormonat, auch die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung haben ihren Höhepunkt überschritten. In der Vergangenheit war das ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich die Rezession ihrem Ende nähert.

Zweitens: Die Konjunkturprogramme der Regierungen und massiven Zinssenkungen der Notenbanken schieben die Weltwirtschaft an. In China scheinen die Infrastrukturmaßnahmen der Regierung schon Wirkung zu entfalten. In den USA und Europa dürften sie in den nächsten Wochen ebenfalls zu spüren sein. Hinzu kommt, dass die Zinssenkungen der Notenbanken rund um den Globus die Finanzierungskosten der Unternehmen und Verbraucher deutlich gesenkt haben. In den USA sind Hypothekenkredite so billig zu haben wie schon lange nicht mehr. Und in Europa ist der Zinssatz für  Dreimonats-Geld von über 5 Prozent im vergangenen Oktober auf nunmehr rund 1,3 Prozent gesunken. Viele kurzfristige Kredite für Unternehmen und Bauherren orientieren sich an diesem Zins und haben sich dadurch ebenfalls  verbilligt.

Unfreiwilliger Lageraufbau

Drittens: Viele Unternehmen wurden durch den massiven Nachfrageinbruch im Herbst 2008 überrascht und konnten ihre Produktion nicht rechzeitig stoppen. Es kam zu einem unfreiwilligen Lageraufbau. In den vergangenen Monaten haben die Firmen die Nachfrage dann durch den Abbau der Lagerprodukte befriedigt, was die Neuproduktion dämpfte. Mittlerweile haben die Unternehmen Fortschritte beim Räumen ihrer Lager gemacht. Steigt die Nachfrage wieder, müssen sie ihre Produktion rasch hoch fahren.

Das alles deutete darauf hin, dass wir das Schlimmste hinter uns haben und die Wirtschaft bald auf den Pfad der Erholung einschwenkt. Wie stark die ausfällt, ist jedoch unsicher. Vieles spricht dafür, dass wir nach einem unerwartet kräftigen Rückprall auf die vorangegangene Talfahrt in eine eher  blutleere Erholung einmünden. Der noch bis ins nächste Jahr anhaltende Rückgang der Immobilienpreise in den USA, dem UK und einigen europäischen Ländern drückt nicht nur auf die Vermögensposition und damit auf die Konsumlaune der Verbraucher. Er belastet auch die Banken, weil mit sinkenden Häuserpreise die Sicherheiten für ihre Hypothekenkredite flöten gehen. Zusammen mit den zunehmenden Zahlungsausfällen  wegen steigender Arbeitslosigkeit dürfte das den Abschreibungsbedarf bei den Banken erhöhen. 

Vor allem aber ist  noch nicht zu erkennen, wer die Rolle des weltweiten Konjunkturmotors übernehmen soll, nachdem der US-Konsument wegen seiner Überschuldung  für diese Rolle in der nächsten Zeit ausfällt. 

Damit bleibt als Fazit: Die Rezession scheint schneller  zu enden und die Rückpralldynamik zunächst kräftiger auszufallen als erwartet. Doch die mittelfristige Erholung, die sich daran anschließt, wird mühselig verlaufen.   

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