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Konjunktur IWF-Chefin warnt vor Depression

IWF-Chefin Christine Lagarde ruft die internationale Gemeinschaft beim Kampf gegen die Schuldenkrise zu mehr Geschlossenheit auf - und fordert mehr Geduld von den Finanzmärkten.

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Die Direktorin des IWF, Christine Lagarde, warnt vor einer Lage wie in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Quelle: dpa

Die IWF-Chefin Christine Lagarde hat die Lage der derzeitigen Weltkonjunktur mit den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts verglichen. Lagarde verwies dabei auf die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, in der die Beziehung unter den Staaten zunehmend durch Protektionismus und Isolation gekennzeichnet war.

Dagegen sei es nur richtig, die Wirtschaftsprobleme jetzt gemeinsam in die Hand zu nehmen. „Die Zusammenarbeit muss im derzeitigen Kern der Krise beginnen, der offensichtlich in den europäischen Staaten liegt und besonders in den Ländern der Eurozone“, sagte Lagarde. Die Eurozone sei eine „Währungsunion, die nicht richtig in einer ökonomischen und haushaltspolitischen Union vollendet wurde, woran derzeit gearbeitet wird“, sagte die IWF-Chefin mit Blick auf die Beschlüsse des Euro-Gipfels zur Errichtung einer Fiskalunion.

Lagarde forderte von den Finanzmärkten mehr Geduld ein. Die europäischen Regierungschefs stehen vor „gewaltigen“ Herausforderungen; in Demokratien fielen wichtige Entscheidungen nicht über Nacht, „die Dinge brauchen Zeit“, sagte Lagarde.

Frankreich rutscht in die Rezession

Lagarde spielt auf die erfolglosen Bemühungen bei der Welthandelsorganisation WTO zu einer Liberalisierung des Welthandels an. Derzeit tagt die achte Ministerkonferenz der WTO in Genf. WTO-Chef Pascal Lamy hat betont, dass der Welthandel wegen des Stillstands bei den Doha-Verhandlungen zum Abbau von Handelsschranken am Scheideweg stehe. Quelle: dpa

Lagarde hat daher die Weltgemeinschaft zum Schulterschluss gegen eine drohende globale Wirtschaftskrise aufgerufen. Keine Volkswirtschaft, egal ob arm oder reich, sei momentan immun gegen einen Niedergang, wenn sie sich isoliere, sagte die Direktorin des Internationalen Währungsfonds am Donnerstag in Washington. Die Aussichten für die Weltkonjunktur bezeichnete sie als „ziemlich düster“. Es bestehe fast überall die Gefahr, dass sich das Wachstum verlangsame und die öffentlichen Haushalte ins Schwanken gerieten.

Mit diesen Äußerungen dürfte Lagarde auch auf die erfolglosen Bemühungen bei der Welthandelsorganisation WTO zu einer Liberalisierung des Welthandels anspielen. Erst am Vortag hatte WTO-Chef Pascal Lamy betont, der Welthandel stehe wegen des Stillstands bei den Doha-Verhandlungen zum Abbau von Handelsschranken am Scheideweg. Angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise seien Fortschritte bei der Liberalisierung dringender denn je. Protektionismus in vielen Ländern verhindere Wachstum und koste die Weltwirtschaft dadurch jedes Jahr rund 800 Milliarden Dollar (615 Mrd Euro). 

Laut der Statistikbehörde Insee befindet sich die französische Wirtschaft in einer Rezession. In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone wird das Bruttoinlandsprodukt in diesem Quartal und dem ersten Quartal 2012 zurückgehen. Hintergrund der wirtschaftlichen Flaute ist eine Stagnation bei Investitionen und Konsumausgaben. Im ersten Quartal 2012 werde das BIP dann um weitere 0,1 Prozent abnehmen. Im zweiten Quartal rechnen die Insee-Volkswirte dann mit einer Erholung des BIP um 0,1 Prozent.

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