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Konjunktur Die deutsche Wirtschaft im Sog der Euro-Krise

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Kaum Interesse an neuen Krediten

Die Banken im Süden werden aufgrund der höheren Ausfallrisiken die niedrigeren Geldbeschaffungskosten kaum an ihre Kunden weitergeben. Die Unternehmen in den Krisenländern werden daher wohl weiter deutlich höhere Zinsen für Bankkredite zahlen als ihre Konkurrenten in Deutschland. Hinzu kommt, dass die Banken unter Druck stehen, ihre Kapitalquoten – das Verhältnis aus hartem Eigenkapital zu risikobehafteten Forderungen – zu erhöhen. Das wird ihre Bereitschaft zur Kreditvergabe weiter bremsen.

Zudem dürften Unternehmen und private Haushalte in den Krisenländern kaum Interesse an neuen Krediten haben, um damit die Konjunktur anzukurbeln. Zu hoch sind die Altschulden, die auf ihren Schultern lasten. In Spanien sind die Unternehmen mit 186 Prozent des BIPs verschuldet, in Portugal liegt die Quote bei 158 Prozent, in Frankreich bei 134 Prozent. Statt neue Kredite aufzunehmen, geht es ihnen darum, ihren Schuldenstand zu verringern. Kein Wunder, dass die Kreditvergabe in den Krisenländern mit Raten zwischen vier und acht Prozent schrumpft.

Doch die Euro-Hüter scheint das nicht zu scheren. So kündigte EZB-Chef Draghi am Donnerstag an, die EZB erwäge, einen Markt für Wertpapiere zu schaffen, die mit Krediten an mittelständische Unternehmen besichert sind. Zudem könne er sich vorstellen, den Zinssatz für Einlagen der Geschäftsbanken ins negative Territorium zu drücken, um die Kreditvergabe der Banken zu beschleunigen.

Übersicht der Zinsen für Bankkredite an Unternehmen (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Eigene Förderbanken

Auch die Bundesregierung macht sich Gedanken, wie man die Kredite an die Unternehmen in Krisenländer anregen und so letztlich die Exportchancen deutscher Unternehmen verbessern kann. Am liebsten sähe man es im Wirtschaftsministerium und im Kanzleramt, wenn die Krisenländer mit eigenen Förderbanken Firmenkredite garantieren würden. Im Ernstfall würde die Bundesregierung auch keinen Einspruch erheben, wenn die EZB direkt Bürgschaften übernähme, heißt es.

Abgesehen davon, dass die Euro-Hüter damit die Ausfallrisiken der Kredite sozialisierten und in industriepolitischer Manier direkt in die Wirtschaftsstruktur der Mitgliedsländer eingriffen, ginge sie damit am Kern der Krise vorbei. „Mit ihrer lockeren Geldpolitik und ihrer Bereitschaft, noch mehr zu tun, nimmt die EZB Reformdruck von den Krisenländern und erschwert letztlich eine Lösung der Staatsschuldenkrise“, kritisiert Commerzbank-Chefökonom Krämer.

Solange die nicht gelöst ist, ist auch ein durchgreifender Aufschwung in Deutschland nicht in Sicht.

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