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Konjunktur Die Weltwirtschaft verliert an Schwung

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Keine gute Nachricht für die Exportwirtschaft

Steigen die Zinsen in den USA spätestens 2016, dürfte der Dollar weiter aufwerten. Dann wird es für die Schuldner in den Schwellenländern eng. Um ihre Dollar-Kredite zu bedienen, müssen sie mehr Geld in eigener Währung auf den Tisch legen und für neue Kredite höhere Zinsen zahlen. Beides schwächt ihre Investitionskraft und dämpft die Konjunktur.

Für die deutsche Exportwirtschaft ist das keine gute Nachricht. Denn mehr als 40 Prozent ihrer Ausfuhren gehen in die Schwellenländern. Als Absatzmarkt sind diese wichtiger als die Euro-Zone. „Das nachlassende Wachstum in den Schwellenländern spricht gegen ordentlich steigende Unternehmensgewinne, denn die im Dax notierten Unternehmen erwirtschaften allein in den asiatischen Emerging Markets fast ein Fünftel ihrer Gewinne“, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.

Die Geschichte der freien Marktwirtschaft
Metamorphose IIn der Frühphase des Kapitalismus werden aus Landarbeitern Handwerker: Webstuhl im 19. Jahrhundert in England. Quelle: imago / united archives international
Metamorphose IIMit der Industrialisierung werden aus Handwerkern Arbeiter: Produktion bei Krupp in Essen, 1914. Quelle: dpa
Metamorphose IIIIm Wissenskapitalismus werden Arbeiter zu Angestellten und Proletarier zu Konsumenten: Produktion von Solarzellen in Sachsen. Quelle: dpa
Ort der VerteilungsgerechtigkeitDen reibungslosen Tausch und die Abwesenheit von Betrug – das alles musste der Staat am Markt anfangs durchsetzen. Quelle: Gemeinfrei
Ort der KapitalkonzentrationDer Börsenticker rattert, die Märkte schnurren, solange der Staat ein wachsames Auge auf sie wirft Quelle: Library of Congress/ Thomas J. O'Halloran
Ort der WachstumsillusionWenn Staaten Banken kapitalisieren, sind das Banken, die Staaten kapitalisieren, um Banken zu kapitalisieren... Quelle: AP
Karl MarxFür ihn war der Unternehmer ein roher Kapitalist, ein Ausbeuter, der Arbeiter ihrer Freiheit beraubt. Quelle: dpa

Dass Europas Wirtschaft das maue Wachstum in den Schwellenländern ausgleichen kann, ist unwahrscheinlich. Zwar könnte die Euro-Zone in diesem Jahr um etwa 1,5 Prozent wachsen. Doch gemessen an dem geldpoliltischen Stimulus, den Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), der Wirtschaft mit Nullzinsen und Wertpapierkäufen verabreicht, ist das jämmerlich wenig. Ursache des schwachen Wachstums sind auch hier die hohen Schulden. Zwischen 2000 und 2007 nahm die Schuldenlast des privaten Sektors in der Euro-Zone von 130 auf 170 Prozent des BIPs zu. Seither ist die Quote nur geringfügig auf etwa 162 Prozent geschrumpft. „Solange die Korrektur anhält, kann die expansive Geldpolitik der EZB nicht richtig auf die Konjunktur durchschlagen“, sagt Krämer.

Niedrigzinsen und Inflation

Kommt die Wirtschaft nicht in Schwung, ist die Hoffnung vergebens, man könne wie nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Schulden herauswachsen. „Damals musste der Kapitalstock neu aufgebaut werden, das gab dem Wachstum kräftige Impulse, heute ist die Situation völlig anders“, analysiert Stefan Kooths, Konjunkturchef am Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. Heute stehen die großen Industrieländer und China vor dem Problem, dass ihre Bevölkerungen schrumpfen und altern. Das verlangsamt das Wachstum.

Konjunktur



Um die Schulden abzubauen, bleiben daher nur Schuldenschnitte, Sparprogramme, höhere Inflation und Niedrigzinsen. Da Schuldenschnitte politisch tabu und Sparprogramme schwer durchsetzbar sind, läuft alles auf die Kombination von Niedrigzinsen und höherer Inflation hinaus. Ob dieses Rezept zum Erfolg führt, ist jedoch fraglich. „Die Gefahr ist groß, dass dadurch das Vertrauen in das Geld schwindet“, fürchtet Mayer. So droht aus der Schuldenkrise eine Geldkrise zu werden. n

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