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Konjunktur Kritik an Exportüberschüssen ist verfehlt

Deutschland steht aufgrund seiner Exportpolitik in der Kritik. Die EU fordert Berlin zum Handeln auf. Höhere Löhne müssten her. Die aber würden auch die Krisenländer im Süden negativ treffen.

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Deutschlands wichtigste Handelspartner
Russische Föderation Quelle: dpa-tmn
Belgien Quelle: REUTERS
Die Schweizer Landesfahne weht am Großen Aletschgletscher Quelle: ZB
Die Österreichische Flagge Quelle: dpa
assanten und Fahrzeuge passieren in Rom das Kolosseum Quelle: dapd
Lichtereines vorbei fahrenden Busses strahlen vor dem Big Ben in London Quelle: Reuters
Eine US-Flagge weht vor der Freiheitsstatue Quelle: REUTERS

Deutschlands Unternehmen sind erfolgreich – und für manche offenbar zu erfolgreich. Anders lässt sich das Germany-Bashing kaum erklären, das wegen der anhaltend hohen deutschen Exportüberschüsse eingesetzt hat. Das US-Finanzministerium wirft Deutschland vor, seine schwache Binnennachfrage und hohe „Exportabhängigkeit“ behinderten den Abbau der Ungleichgewichte in der Euro-Zone. Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman geißelt die „unangemessen hohen Exportüberschüsse“, weil sie „das Wachstum und die Beschäftigung der gesamten Welt bremsen“. Die EU-Kommission erwägt, gegen die Bundesrepublik ein sanktionsbewehrtes Verfahren wegen „makroökonomischer Ungleichgewichte“ einzuleiten, und der Internationale Währungsfonds fordert die Bundesregierung auf, sie solle verbindliche Obergrenzen für den Leistungsbilanzüberschuss festlegen. Als Rezept empfehlen die Mahner deutliche Lohnsteigerungen. Diese sollen die Inlandsnachfrage und die Importe Deutschlands ankurbeln.

Wie berechtigt ist die Kritik an unseren Überschüssen? Tatsache ist, dass kaum ein Land so hohe Positivsalden in seiner Leistungsbilanz ansammelt wie Deutschland. Zur Leistungsbilanz zählen die Handelsbilanz, die Dienstleistungsbilanz, die Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen sowie die Bilanz der Transferzahlungen. In diesem Jahr dürfte sich der Saldo auf knapp 200 Milliarden Euro belaufen, das entspricht mehr als sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Historisch gesehen sind hohe Exportüberschüsse nicht ungewöhnlich für Deutschland. Im System fester Wechselkurse nach dem Zweiten Weltkrieg war die D-Mark lange Zeit unterbewertet. Das erleichterte es den Unternehmen, Märkte im Ausland zu erobern. Die hohen Gewinne lockten Unternehmen, Arbeitskräfte und Investitionen in den Exportsektor. So entstanden Abhängigkeiten, die sich auch fortsetzten, als das Festkurssystem Anfang der Siebzigerjahre zusammenbrach und die D-Mark kräftig aufwertete. Heute befindet sich Deutschland als Mitglied der Währungsunion wieder in einem Festkurssystem. Gemessen an der wirtschaftlichen Stärke Deutschlands, ist der Wechselkurs des Euro zu niedrig. Das verleiht den deutschen Exporteuren Rückenwind.

Dennoch ist die Kritik an den Exportüberschüssen verfehlt.

Leistungsbilanz wird schon bald ins Minus drehen

Denn erstens beruht der Außenhandel auf freiwilligen Verträgen. Die Bürger im Ausland kaufen Waren made in Germany, weil diese ihren Bedürfnissen besser entsprechen als andere Produkte. Freier Handel kommt zustande, weil die beteiligten Parteien den Tausch Ware gegen Geld als vorteilhaft für sich empfinden. Er steigert den Wohlstand auf beiden Seiten. Wer Exportüberschüsse reduzieren will, reduziert somit den Wohlstand der Nationen.

Zweitens spiegelt der Aktivsaldo im Handel einen Überschuss der Ersparnis gegenüber den Investitionen wider. Weil die Deutschen altern, legen sie zur Finanzierung ihres Lebensabends mehr Geld auf die hohe Kante und verzichten auf Konsum. Dies ist ein durch und durch rationales Verhalten.

Wirtschaftsausblick Deutschland

Bereits in wenigen Jahren werden die Deutschen ihre Ersparnisse, von denen ein erheblicher Teil in ausländischen Anleihen, Aktien und Immobilien steckt, auflösen, um Güter aus dem Ausland zu beziehen, die wegen der fehlenden Arbeitskräfte hierzulande nicht mehr hergestellt werden. Dann dreht die Kapitalbilanz ins Plus und die Leistungsbilanz ins Minus. Spätestens Ende des nächsten Jahrzehnts werden die deutschen Exportüberschüsse verschwunden sein, schätzt das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

Konjunktur



Drittens schaden kräftige Lohnerhöhungen zum Abbau der Überschüsse mehr, als sie nutzen. Schnellen die Löhne in die Höhe, mindert dies die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exporteure. Insbesondere die Hersteller von Investitionsgütern, deren wichtigste Konkurrenten nicht in Europa, sondern in China, den USA, Japan und Korea sitzen, büßen dann Marktanteile ein. Das träfe auch die Krisenländer Europas. Denn die deutschen Exporte bestehen zu rund 40 Prozent aus importierten Vorprodukten – und viele davon stammen aus Europa.

Sollte Deutschland also weitermachen wie bisher? Keineswegs. Zwar sind die Deutschen spitze beim Export, bei der Anlage der Überschüsse haben sie in den vergangenen Jahren jedoch kein gutes Händchen bewiesen. Die Einkommen aus dem Exportgeschäft haben sie zu einem großen Teil in griechische Staatsanleihen, irische Bankanleihen und spanische Schrottimmobilien gesteckt – und damit Schiffbruch erlitten. Um ein ähnliches Desaster in Zukunft zu verhindern, müssen die Gelder besser gestreut werden. Dazu gehört auch, mehr Geld in Deutschland zu investieren. Das kurbelt die Konjunktur an, steigert die Importe – und baut die hohen Exportüberschüsse ab.

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