Konjunktur lahmt S&P stuft Japan herab

Standard & Poor's hat Japans Kreditwürdigkeit auf A+ herabgestuft. Die Bonitätswächter glauben nicht daran, dass das Land schnell aus der Deflation kommt.

Standard & Poor's hat Japan herabgestuft. Quelle: dpa

Angesichts durchwachsener Konjunkturaussichten hat die Ratingagentur S&P Japans Bonität herabgestuft. Sie senkte die Note am Mittwoch auf A+ von zuvor AA-. Damit werden die Anleihen des Landes zwar weiter als sichere Anlage bewertet, doch rangiert die Bonität nur noch im Bereich von "gut bis befriedigend". Den Ausblick erhöhte S&P zugleich auf stabil von negativ.

Der Regierung in Tokio wird es nach Ansicht der Agentur binnen zwei bis drei Jahren wahrscheinlich nicht gelingen, das Wachstum entscheidend anzukurbeln und die Deflation zu beenden. Japan litt jahrelang auf breiter Front unter fallenden Preisen, was Umsätze und Löhne drückte. Um diese deflationäre Abwärtsspirale zu beenden, pumpt die Zentralbank billiges Geld in den Markt.

Die größten Pleitestaaten der Welt
Norwegische Insel Quelle: dpa
Reichstag Quelle: dpa
Gracht in Amsterdam Quelle: AP
Akropolis Quelle: AP
Brunnen am österreichischen Parlamentsgebäude Quelle: dpa
Schweizer Flagge Quelle: dpa
Big Ben und Westminster Abbey Quelle: REUTERS
Eiffelturm und Feuerwerk Quelle: dpa
Vancouver Lake Quelle: AP
Platz 6: ItalienItaliens Schulden sind mit 2,75 Billionen Euro immens hoch. Schließlich ist das mehr, als die italienische Volkswirtschaft in einem Jahr erwirtschaftet. Die Schulden im Verhältnis zum BIP liegen bei 139,5 Prozent. Die 60,8 Millionen Italiener sind im Durchschnitt pro Kopf mit 46,757 US-Dollar (rund 45.000 Euro) verschuldet. Quelle: dpa
Platz 5: BelgienNoch höher sind die Schulden pro Einwohner allerdings in Belgien. Hier beträgt die Pro Kopf-Verschuldung 47.749 US-Dollar (44,338 Euro). Die absoluten Staatsschulden belaufen sich auf 375 Milliarden Euro. Das entspricht ziemlich genau der Wirtschaftsleistung des Landes. Quelle: dpa
Platz 4: SingapurDas asiatische Land gilt als wirtschaftlicher Vorreiter in der Region. Allerdings ist die Schuldenlast des 5,5-Millionen-Einwohner-Staates hoch: Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt bei 56.980 US-Dollar (52,910 Euro). Insgesamt liegen die Staatsschulden bei 106,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Quelle: dpa
Platz 3: USAMehr als eine Billion Dollar Defizit stand in den Haushaltsbüchern der USA, als Obama Präsident wurde. Noch im letzten Jahr schoben die Vereinigten Staaten von Amerika einen gigantischen Schuldenberg in Höhe von 18,195 Billionen US-Dollar vor sich her - das waren 58,604 US-Dollar (54,418 Euro) pro Kopf. Mittlerweile hat sich das Haushaltsloch verringert. Wegen höherer Einnahmen und geringerer Ausgaben werde nun nur noch mit einem Defizit von 455 Milliarden Dollar (413 Milliarden Euro) gerechnet. Im kommenden Haushaltsjahr soll das Loch dann bei 429 Milliarden Dollar und damit bei 2,3 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen. Quelle: dpa
Platz 2: IrlandGetoppt wird die Pro-Kopf-Verschuldung nur noch von Irland und einem weiteren Land. Das Euro-Land hat infolge der Finanzkrise eine Pro-Kopf-Verschuldung von über 60,000 US-Dollar aufgebaut. Die Gesamtschulden betragen 121 Prozent des irischen BIP. Zahlen, über die der Spitzenreiten nur lachen kann... Quelle: dapd
Platz 1: JapanJapans Verschuldung beträgt inzwischen über zehn Billionen US-Dollar. Das sind 199 Prozent des BIP - oder 79,525 US-Dollar (73,844 Euro) pro Einwohner. Quelle: dpa

Das Bruttoinlandsprodukt sank im zweiten Quartal dennoch mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 1,6 Prozent. Zu Jahresbeginn war die nach den USA und China drittgrößte Volkswirtschaft der Welt noch kräftig gewachsen. Der Schwächeanfall ist auch ein Rückschlag für Ministerpräsident Shinzo Abe, der das schnell alternde Land auch mit Konjunkturprogrammen aus der Flaute steuern will.

Gemessen am BIP hat Japan zudem einen riesigen staatlichen Schuldenberg angehäuft: 2014 betrug er 226 Prozent der Wirtschaftsleistung. Ökonom Stefan Große von der NordLB verweist darauf, dass die Agentur die Herabstufung zwar mit verschlechterten konjunkturellen Aussichten begründet. "Sie legt aber auch nochmal den Finger in die Wunde der ungelösten Probleme - Staatsverschuldung, Demografie, Deflation."

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