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Konjunktur Kritik an Exportüberschüssen ist verfehlt

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Leistungsbilanz wird schon bald ins Minus drehen

Denn erstens beruht der Außenhandel auf freiwilligen Verträgen. Die Bürger im Ausland kaufen Waren made in Germany, weil diese ihren Bedürfnissen besser entsprechen als andere Produkte. Freier Handel kommt zustande, weil die beteiligten Parteien den Tausch Ware gegen Geld als vorteilhaft für sich empfinden. Er steigert den Wohlstand auf beiden Seiten. Wer Exportüberschüsse reduzieren will, reduziert somit den Wohlstand der Nationen.

Zweitens spiegelt der Aktivsaldo im Handel einen Überschuss der Ersparnis gegenüber den Investitionen wider. Weil die Deutschen altern, legen sie zur Finanzierung ihres Lebensabends mehr Geld auf die hohe Kante und verzichten auf Konsum. Dies ist ein durch und durch rationales Verhalten.

Wirtschaftsausblick Deutschland

Bereits in wenigen Jahren werden die Deutschen ihre Ersparnisse, von denen ein erheblicher Teil in ausländischen Anleihen, Aktien und Immobilien steckt, auflösen, um Güter aus dem Ausland zu beziehen, die wegen der fehlenden Arbeitskräfte hierzulande nicht mehr hergestellt werden. Dann dreht die Kapitalbilanz ins Plus und die Leistungsbilanz ins Minus. Spätestens Ende des nächsten Jahrzehnts werden die deutschen Exportüberschüsse verschwunden sein, schätzt das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

Konjunktur



Drittens schaden kräftige Lohnerhöhungen zum Abbau der Überschüsse mehr, als sie nutzen. Schnellen die Löhne in die Höhe, mindert dies die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exporteure. Insbesondere die Hersteller von Investitionsgütern, deren wichtigste Konkurrenten nicht in Europa, sondern in China, den USA, Japan und Korea sitzen, büßen dann Marktanteile ein. Das träfe auch die Krisenländer Europas. Denn die deutschen Exporte bestehen zu rund 40 Prozent aus importierten Vorprodukten – und viele davon stammen aus Europa.

Sollte Deutschland also weitermachen wie bisher? Keineswegs. Zwar sind die Deutschen spitze beim Export, bei der Anlage der Überschüsse haben sie in den vergangenen Jahren jedoch kein gutes Händchen bewiesen. Die Einkommen aus dem Exportgeschäft haben sie zu einem großen Teil in griechische Staatsanleihen, irische Bankanleihen und spanische Schrottimmobilien gesteckt – und damit Schiffbruch erlitten. Um ein ähnliches Desaster in Zukunft zu verhindern, müssen die Gelder besser gestreut werden. Dazu gehört auch, mehr Geld in Deutschland zu investieren. Das kurbelt die Konjunktur an, steigert die Importe – und baut die hohen Exportüberschüsse ab.

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