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Konjunktur Mehr Aufschwung wagen

Die Aufholjagd geht weiter. Auch im vierten Quartal erwartet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Wachstum. Um voraussichtlich 0,8 Prozent wird das Bruttoinlandsprodukt im letzten Vierteljahr 2009 zulegen, signalisiert das DIW-Konjunkturbarometer.

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Weitere aktuelle Wirtschaftsdaten stützen den Optimismus. Das vom ifo Institut für Wirtschaftsforschung gemessene Geschäftsklima stieg stärker als erwartet um 1,9 auf 93,9 Punkte. Die von den ifo-Ökonomen befragten 7000 Unternehmer melden sowohl eine bessere Geschäftslage als auch bessere Aussichten für das kommende halbe Jahr. Darüber hinaus rechnet ein Drittel der deutschen Unternehmen damit, 2010 mehr zu produzieren als im laufenden Jahr. Das ergab eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Köln.

Natürlich warnen trotz optimistischer Signale alle Wirtschaftsforscher davor, dass die weitere Entwicklung labil bleibt und die Erholung ausgehend von einer nach wie vor schwachen Basis erfolgt. Die Warnungen sind angebracht, denn niemand weiß sicher, wie stark Deutschland im nächsten Jahr tatsächlich aufholen kann, um irgendwann wieder ein Niveau wie vor der Krise zu erreichen.

Mit Optimismus gegen die zweite Rezession

Doch der sich fortsetzende Aufschwung stellt eins klar: Sollten die wichtigen Konjunkturindikatoren demnächst tatsächlich alle wieder deutlich nach unten drehen, dann wäre das keine Verlängerung der Finanz- und Wirtschaftskrise, sondern der gefürchtete Double-dip, die zweite Rezession, die ganz andere Ursachen hätte als der globale Einbruch, aus dem sich Deutschland und die Welt gerade mühsam herauskämpfen.

Den aktuellen Optimismus sollte die Wirtschaft also begrüßen und mehr Aufschwung wagen. Auch in normalen Zeiten lauern Gefahren für die Konjunktur, die erst später zu erkennen sind. Das ist kein Grund, schon jetzt vorsorglich auf die Stimmungsbremse zu treten.

Zwar erwartet Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) weitere Krisenjahre, in denen weitere Wirtschaftshilfen notwendig seien. Doch die Tatsache, dass Rezessionsfolgen möglicherweise noch bis ins Jahr 2011 hinein bekämpft werden müssen, ändert nichts daran, dass sich die Konjunktur parallel schon auf dem Wege der Besserung befindet.

Konsumklima fällt erneut

Die schlechte Konjunkturnachricht der Woche kam von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Für Dezember prognostizieren die Nürnberger Marktforscher einen Rückgang der Konsumentenstimmung von 4,0 auf 3,7 Punkte. Damit sinkt die Verbraucherlaune zum zweiten Mal in Folge. Die erstaunlichen Höhenflüge des GfK-Index vom Spätsommer und Herbst gehören der Vergangenheit an.

Zu schön war die Hoffnung, Deutschlands Konsumenten könnten wie die einst nimmersatten amerikanischen Verbraucher für eine gesamte Volkswirtschaft in die Bresche springen. Manche Konjunkturbeobachter glaubten in der Hochstimmung der Sommermonate gar einen beginnenden Paradigmenwechsel im deutschen Wirtschaftsmodell zu erkennen.

Binnennachfrage verdrängt Ausfuhr, ein Konsumwunder tritt an die Stelle des traditionellen „German export mystique“ – von diesen Thesen dürften sich spätestens jetzt die meisten verabschieden.

Das statistische Bundesamt hat es am Monat offiziell klargestellt: Der Konsum bremst mit dem Ende der Abwrackprämie die Konjunktur. Die 0,7 Prozent Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im dritten Quartal verdanken wir stattdessen staatlichen Konjunkturhilfen und den sich erholenden Exporten.

Der Aufschwung kommt also nicht aus den Taschen der deutschen Verbraucher, sondern aus dem Ausland – dafür wird wohl weniger das hochverschuldete Emirat Dubai herhalten als Schwellenländer wie China, die ein hohes Wachstumstempo gehen.

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