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Konjunktur Die Achillesferse der Industriemacht China

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Platzhirsche aus dem Reich der Mitte

Arbeiterinnen nähen in einer Spielzeugfabrik in Jiangsu: Längst haben sich die chinesischen Unternehmen auf ihrem Gebiet zu wichtigen Playern gewandelt. Nun setzen sie zur weltweiten Expansion an. Quelle: REUTERS

Noch sehen die PwC-Autoexperten Luft für weiteres Wachstum. Chinas Fahrzeugmarkt – ohnehin schon der größte der Welt – wird sich laut ihrer Studie bis 2017 verdoppeln. In ländlichen Gegenden außerhalb der Großstädte und abseits der reichen Küstenprovinzen warten noch viele potenzielle Kunden auf ein eigenes Auto. Der Absatz in den wirtschaftlich weniger entwickelten Regionen des Landes wird jedoch nicht mehr allein die Kassen westlicher Hersteller füllen.

Der Grund: Nationale Konkurrenten gehen in die Offensive. Sie haben sich von ihren ausländischen Kooperationspartnern Technik abgeschaut und machen den Platzhirschen aus den entwickelten Industriestaaten Marktanteile streitig. In den kommenden sieben Jahren werden chinesische Hersteller ihre Produktion verdoppeln. Und wenn irgendwann die Elektroautos kommen, will Chinas Industrie ohnehin die Nase vorn haben.

Auch in anderen Schlüsselbranchen setzen die Chinesen zum großen Sprung an. Der Telekommunikationsausrüster Huawei, dessen Name lange nur Brancheninsidern bekannt war, bietet seit kurzem eigene Billig-Smartphones an – zum Beispiel bei der deutschen Discounterkette Lidl. Und der chinesische Computerhersteller Lenovo mischt seit der Übernahme der Laptopsparte vom amerikanischen Großkonkurrenten IBM im Jahr 2005 auf dem Weltmarkt mit. Durch den Einstieg beim Elektrohändler Medion im Sommer dieses Jahres sichert sich Lenovo jetzt auch direkten Zugang zum deutschen Verbraucher. Medion beliefert die Aldi-Märkte mit preiswerten Flachbildfernsehern, Digitalkameras, Navigationsgeräten oder PCs.

Beinahe-Industriemacht mit Konfliktpotenzial

Selbst die ureigenste Kernkompetenz der deutschen Wirtschaft greifen die Chinesen an: Den Maschinenbau. Das Unternehmen Sany aus Zentralchina hat sich zu den größten Baumaschinenherstellern weltweit gemausert und seine Europazentrale in Köln aufgebaut. Mit rund 300 Milliarden Euro Umsatz ist Chinas Maschinenbaubranche zur größten der Welt herangewachsen und liegt deutlich vor der deutschen Konkurrenz. Die belegt mit 175 Milliarden Euro Umsatz weltweit den zweiten Rang und muss sich mit entsprechend geringeren Anteilen am weltweiten Maschinenmarkt zufrieden geben.

Chinas Aufstieg zur Industriemacht drohen allerdings Gefahren. Das Riesenreich kämpft mit internen Spannungen, die schlimmstenfalls zu flächendeckenden Unruhen führen könnten. Tibet und Nordwestchina streben nach Unabhängigkeit und die Insel Taiwan vor der chinesischen Küste funktioniert wie ein autonomer Staat, den Peking allerdings als eine Provinz der Volksrepublik betrachtet. Zudem hat das immense Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahrzehnte die Einkommensschere zwischen Stadt- und Landbewohnern geöffnet. Letztere wollen auch ein Stück vom Kuchen und strömen in die Metropolen, wo die Häuserpreise ins Unermessliche steigen.

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