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Konjunktur Die Achillesferse der Industriemacht China

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Rigide Geldpolitik gegen die Inflation

Die Chinesische Zentralbank (hier im Bild) bekommt trotz rigider Geldpolitik die Inflation nicht in den Griff. Quelle: dapd

Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Immobilienblase platzt, warnen einige Experten. Andere verweisen auf die anhaltende Landflucht und halten hohe Investitionen in Büro- und Apartmentkomplexe nach wie vor für gerechtfertigt – immerhin soll die urbane Bevölkerung Chinas laut Prognose der Vereinten Nationen bis 2045 auf die schwindelerregende Zahl von einer Milliarde Menschen steigen.

Mit rigider Geldpolitik steuert Chinas Notenbank schon längst der Überhitzung entgegen. Die Inflation konnte sie damit allerdings auch noch nicht nachhaltig in die Schranken weisen. Soziale Spannungen will die Regierung mit Arbeitsschutzgesetzen und Sozialleistungen mildern, zudem sollen steigende Löhne das ausufernde Wachstum bremsen. Für das kommende Jahr rechnet die Deutsche Bank aber immer noch mit einem Plus des Bruttoinlandsprodukts von acht Prozent.

Potenzieller Retter Europas

Trotz zahlreicher interner Probleme wird China in Europa neuerdings als potenzieller Retter aus der öffentlichen Haushaltsmisere gehandelt. Mit den gewaltigen Devisenreserven, die Chinas Exportindustrie in ihrer Ära als Werkbank der Welt angehäuft hat, könnten klamme Euro-Länder herausgekauft werden. Doch zuhause steuern die Chinesen auf eine eigene Banken- und Schuldenkrise zu. Gerade erst warnte der Internationale Währungsfonds (IWF) vor dem drohenden Kollaps des chinesischen Bankensystems und fordert China zu zügigen Schritten zur Stabilisierung des Finanzsystems auf. Zwar drohe keine unmittelbare Krise, aber in seiner ersten umfassenden Studie zu Chinas Finanzsektor warnt der IWF vor der Gefahr von Vermögensblasen insbesondere im Immobilienmarkt. Demnach sind die größten chinesischen Geschäftsbanken im Extremfall systemischen Risiken ausgesetzt. Gegen Schocks auf den Kredit-, Immobilien- und Devisenmärkten seien sie zwar für sich genommen gewappnet, nicht aber für den Fall eines Zusammentreffens dieser Faktoren. Der Vorschlag des Währungsfonds: Liberalisierung der Finanzmärkte.

Zwar liegt der offizielle Schuldenstand der Zentralregierung mit rund 17 Prozent Anteil an der Wirtschaftsleistung weit unter dem Wert südeuropäischer Defizitsünder und auch niedriger als die deutsche Quote. In den Bilanzen von Staatsunternehmen und in den Etats der Provinzen und Lokalbehörden verstecken sich aber weitere Verbindlichkeiten, die den tatsächlichen Schuldenstand laut Schätzungen auf bis zu 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts klettern lassen. So haben allein die staatlichen Hochschulen Schulden in Höhe von umgerechnet fast 30 Milliarden Euro angehäuft. Die Elite-Universität SISU aus der Finanzmetropole Shanghai ächzt nach dem Bau riesiger Hörsäle und Bibliotheken unter einer Zinslast von 3,7 Millionen Euro im Jahr. Schon munkelt das Personal von einer Pleite.
Die Sorge um die Pension hat Hochschullehrer Wang jedoch nicht davon abgeschreckt, das erste Auto seines Lebens zu kaufen. Natürlich ein deutsches.

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