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Konjunktur Stimmung in der Wirtschaft immer schlechter

Die Wirtschaft der Euro-Zone ist im Oktober so stark geschrumpft wie seit über drei Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft fiel auf den tiefsten Stand seit Juni 2009. Auch der ifo-Index kennt nur eine Richtung: nach unten.

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Wie viele Arbeitsstunden ein Kotelett kostet
Das Institut für Wirtschaft Köln kam in seiner Studie zu dem Ergebnis, dass Löhne und Preise proportional gestiegen seien. 2011 bekam ein Arbeitnehmer für die geleistete Arbeitsstunde netto 45 Prozent mehr Lohn als vor 20 Jahren. Die Warenpreise seien im selben Zeitraum um 43 Prozent geklettert. Arbeitnehmer müssen dementsprechend für einen identischen Warenkorb heute genauso lange arbeiten wie zu Beginn der 1990er Jahre. Quelle: dpa/dpaweb
Anders verhält es sich für ostdeutsche Arbeitnehmer. Bei ihnen sei die Kaufkraft in den vergangenen zwei Jahrzehnten um 21 Prozent gestiegen, sagte ein Institutssprecher. Seit der Wiedervereinigung hätten sich die Entgelte in Ostdeutschland fast verdoppelt, die Preise für Waren und Dienste seien um knapp 70 Prozent gestiegen - und damit weniger stark. Die Löhne und Gehälter seien im Osten aber immer noch deutlich niedriger als im Westen. Quelle: dpa/dpaweb
Lebensmittel hat der teils als „Teuro“ verschriene Euro laut der Studie nicht teurer gemacht. Eine Flasche Kölsch erfordere damals wie heute den Gegenwert von drei Arbeitsminuten an der Werkbank oder im Büro. Quelle: dpa/dpaweb
Je nach Konsumverhalten seien Produkte auch günstiger geworden: Für ein Schweinekotelett reichten pro Kilo Fleisch statt 36 Minuten bereits 30 Minuten Arbeit. Quelle: dpa/dpaweb
Auch Alltagsgüter wie Kleidung seien durch einen vergleichsweise geringeren Preisanstieg schneller verdient als im Jahr 1991. "Für einen Herrenanzug beträgt die Arbeitszeitersparnis immerhin mehr als fünf Stunden, für Damenpumps eindreiviertel Stunden", betonte das IW. Quelle: dpa/dpaweb
Auch viele Elektronikprodukte sind erschwinglicher geworden. "Der Arbeitszeiteinsatz für einen Fernseher ist von über 76 auf nur noch 30 Stunden gesunken - obwohl man für den selben Preis heute ein Flachbildgerät mit Full-HD-Auflösung bekommt." Quelle: dpa/dpaweb
Allein mit dem Benzinpreis konnten die Löhne und Gehälter nicht mithalten, wie das IW einräumt: Für eine Tankfüllung musste 2011 fast zwei Stunden länger gearbeitet werden als zwanzig Jahre zuvor. Quelle: dapd

Die Wirtschaft der Euro-Zone ist im Oktober so stark geschrumpft wie seit über drei Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft fiel überraschend um 0,3 auf 45,8 Punkte, teilte das Markit-Institut am Mittwoch zu seiner Umfrage unter 5000 Industrie- und Dienstleistungsunternehmen mit. Ökonomen hatten einen Anstieg auf 46,4 Punkte erwartet. Durch den dritten Rückgang in Folge fiel das Barometer auf den tiefsten Stand seit Juni 2009. Es entfernte sich damit weiter von der Marke von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird.

"Die Euro-Zone ist zum Start des vierten Quartals wieder tiefer in die Rezession abgerutscht", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Das Bruttoinlandsprodukt werde um etwa 0,5 Prozent schrumpfen und damit stärker als im Sommer. Die Chancen für eine rasche Besserung stehen schlecht: Die Aufträge fielen erneut, wenn auch nicht mehr ganz so stark wie im September, als sie so deutlich zurückgingen wie seit über drei Jahren nicht mehr. Die Unternehmen bauten deshalb Stellen ab, um ihre Kapazitäten der sinkenden Nachfrage anzupassen. "Während in Deutschland nur ganz vereinzelt Arbeitsplätze wegfielen, vermeldete Frankreich einen nahezu genauso signifikanten Jobabbau wie die Peripherieländer", schrieben die Markit-Ökonomen.

Konjunkturindikatoren

Auch wenn die Arbeitsmarktdaten in Deutschland stabil sind: Die Talfahrt der deutschen Wirtschaft hält an. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, der wichtigste Gradmesser für die deutsche Konjunktur, ging von 101,4 Punkten im September auf nun 100,0 Punkte zurück, wie das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch mitteilte. Das ist der sechste Rückgang in Folge. Experten hatten mit einem leichten Anstieg gerechnet. Der Ifo-Index steht damit auf dem niedrigsten Stand seit Anfang 2010. Für die Erhebung befragt das Ifo-Institut monatlich etwa 7.000 Firmen.

DIHK senkt Wachstumsprognose

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt der "Deutsche Industrie- und Handelskammertag" (DIHK) nach der Auswertung seiner jüngsten Konjunkturumfrage. Sie signalisiert eine abnehmende Zuversicht über die Geschäftsentwicklung. Folglich hat der DIHK seine Wachstumsprognose für Deutschland gesenkt. Der Verband rechnet nun nur noch mit einem Wachstum in diesem Jahr von 1,0 Prozent nach noch 1,3 Prozent vor einem halben Jahr. Für das kommende Jahr sieht der DIHK nur noch einen Mini-Zuwachs von 0,7 Prozent. Dabei dürfte nicht nur der private Konsum etwas weniger expandieren als bislang erwartet. Die Bruttoanlageinvestitionen sieht der DIHK für dieses Jahr mit 1,2 Prozent und das nächste Jahr mit 0,6 Prozent sogar im Minus. Beim Export erwartet der DIHK Zuwächse von 4,2 Prozent im Jahr 2012 und vier Prozent 2013. Die Arbeitslosenzahl werde unter der Drei-Millionen-Marke bleiben.

Nur noch ein Bruchteil der Firmen plant Neueinstellungen

Die zehn schlechtesten Volkswirtschaften
Platz 10: Spanien und SlowenienDie meisten der 34 OECD-Länder zählen zum entwickelten Teil der Welt mit demokratischen und marktwirtschaftlichen Grundwerten. Das Pro-Kopf-Einkommen ist relativ hoch. Entscheidend für unser Ranking ist das Abschneiden in fünf Vergleichskategorien. Neben dem BIP-Wachstum und der Arbeitsproduktivität sind der Bildungsstand der Bevölkerung, die Anzahl der Patentanmeldungen und der Anteil der erneuerbaren Energien wichtige Indikatoren einer erfolgreichen Volkswirtschaft. Platz zehn teilen sich Spanien und Slowenien. Der schwächste Wert beider Länder ist das BIP-Wachstum. Spanien konnte 2011 zwar noch ein mageres Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr vorweisen, aber inzwischen steckt das Land gar in einer Rezession. Sloweniens BIP schrumpft 2011 bereits um 0,2 Prozent. Dafür ist Slowenien bei der Arbeitsproduktivität ganz vorne mit dabei und wird nur von den arbeitswütigen Koreanern übertroffen.   Quelle: REUTERS
Platz 9: Mexiko Die schwache Innovationskraft Mexikos in Form von Patenten drückt die Wertung des mittelamerikanischen Landes, sowie der zweitniedrigste Bildungsstand innerhalb der OECD.  Dagegen punktet das mittelamerikanische Land mit einer recht hohen BIP-Wachstumsrate von 3,9 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt eines Landes spiegelt das Maß an Wohlstand und Beschäftigung wider, die Veränderungsrate dient als wichtigste volkswirtschaftliche Messgröße für das Wachstum eines Landes. Quelle: dpa
Platz 8: Portugal Die Wirtschaft des Euro-Sorgenkindes wächst schon lange nicht mehr, 2011 schrumpfte sie um 1,6 Prozent. Auch im Bildungsbereich liegt vieles im Argen, nur wenige Portugiesen erreichen einen Hochschulabschluss. Damit bildet Portugal fast das Schlusslicht der OECD, nur Griechenland schneidet noch schlechter ab. Allerdings deckt das südeuropäische Land 24 Prozent seines Gesamtenergiebedarfes über Erneuerbare Energien und spielt im OECD-Ranking ganz vorne mit. Die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung gilt als wichtiges Kriterium. Denn bei einem tendenziell wachsenden Energieverbrauch schont der Rückgriff auf erneuerbare Energien die Ressourcen und die Umwelt des Landes – und damit auf lange Sicht auch den volkswirtschaftlichen Geldbeutel. Auch die Unabhängigkeit von Energieimporten wird zukünftig eine immer größere wirtschaftliche Rolle spielen. Quelle: dpa
Platz 7: ItalienDer schleichende Niedergang der drittgrößten Volkswirtschaft Europas spiegelt sich auch im OECD-Ranking wider. Die größte Schmach für das kulturell reiche Land ist der Bildungsstand der Italiener. Nur 15,25 Prozent der Bevölkerung haben einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss erreicht. Dabei ist eine gut ausgebildete Bevölkerung eine essentielle Voraussetzung für das Wohlergehen eines Landes. Denn nur gebildete Menschen können die Wirtschaft durch Qualifikation bereichern und durch Innovation voranbringen. Quelle: REUTERS
Platz 5: UngarnDen fünften Rang der schwächsten Volkswirtschaften der OECD teilen sich Ungarn und die Slowakische Republik. Ungarns Werte befinden sich gleichmäßig im unteren Mittelfeld, nur die Bildungsrate ragt negativ heraus. Mit nur 20,7 Prozent der Ungarn, die eine höhere Bildung erreicht haben, sticht das Land zwar Italien aus, befindet sich aber immer noch unter den am schlechtesten ausgebildeten OECD-Ländern. Quelle: gms
Platz 5: SlowakeiDie Slowakische Republik kennzeichnet zwar ein dynamisches Wachstum mit einer Rate von 3,3 Prozent, das schlechte Ranking erklärt sich aber vor allem durch die schwache Innovationskraft des Landes – die Slowaken bilden mit drei Patenten pro einer Million Einwohner das absolute Schlusslicht der OECD-Länder. Gemessen wird dabei die sogenannte Triaden-Patentfamilie, also ein Komplex von Patenten, die von den weltweit drei bedeutenden Patentämtern – dem Europäischen Patentamt (EPA), dem Japanischen Patentamt (JPO) und dem Patent- und Markenamt der Vereinigten Staaten (USPTO) – anerkannt wurden und damit als ausreichend richtungsweisende Neuerfindungen erscheinen. Die Anzahl der Patente ist ein wichtiger Faktor der Innovationskraft einer Gesellschaft, die eng mit den Bildungsstand und dem Wachstum des Landes verzahnt ist. Quelle: dpa
Platz 4: TschechienDas schlechte Ranking der Tschechischen Republik erklärt sich durch schwache Werte in allen Bereichen. Besonders mäßig fällt bei den Tschechen die Bildung mit einer Akademiker-Quote von 15,5 Prozent aus. Ausgesprochen gut ausgebildet sind die Kanadier, mit dem Spitzenwert von 48,4 Prozent, gefolgt von den Israelis (43,95 Prozent) und Japanern (41,55 Prozent). Quelle: dapd

Die DIHK-Herbstumfrage unter 28.000 Firmen weist aus, dass nur noch 18 (Frühjahr 25) Prozent der befragten Firmen von einer besseren Entwicklung in den nächsten Monaten ausgehen. Mit einer Verschlechterung rechnen 22 (14) Prozent, mit einer stabilen Entwicklung 60 (61) Prozent. Die Geschäftslage wird von 38 (42) Prozent der Firmen als gut beurteilt, von 51 (48) Prozent als befriedigend, aber von elf (zehn) Prozent als schlecht. Die Verunsicherung der Wirtschaft werde durch schwächere Investitionsabsichten besonders belegt. Auch die Beschäftigungspläne würden durch den abnehmenden Schwung berührt. Nur noch 15 (20) Prozent planten Neueinstellungen, dagegen 14 (elf) Prozent einen Stellen-Abbau.

"Vor allem die Investitionsgüterhersteller spüren, dass viele Kunden insbesondere aus der Eurozone nur schwach ausgelastet sind und unter Finanzierungsschwierigkeiten leiden", hieß es in dem DIHK-Bericht. Immerhin kämen aus dem Rest der Welt wegen des relativ schwachen Euros noch immer Impulse.

Wie sich die Welt verändert hat

Wie auf die Erwartungen, so drückt die Schuldenkrise im Euro-Raum auch schon auf die aktuelle Geschäftslage. "An dieser Verunsicherung konnten auch die jüngsten Entscheidungen der EZB und des Bundesverfassungsgerichts nichts ändern", formulierte der Verband. Trotz all dieser Risiken dürften aber "vor allem die Binnenkräfte für einen konjunkturellen Aufwärtstrend sorgen".

Die Arbeitslosenzahlen dürften in diesem Jahr im Durchschnitt mit 2,89 Millionen noch etwas unter dem Stand von 2011 bleiben, lautet die Prognose des DIHK. Sie dürften aber 2013 geringfügig auf 2,93 Millionen steigen.

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