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Konjunktur Was die Welt mit unserer Wirtschaft macht

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Lena Meyer-Landrut Quelle: dpa

Der nach wie vor nicht sanierte GM-Konzern und seine deutsche Tochter Opel stehen nicht nur wegen absatzpolitischer Maßnahmen unter Beobachtung, sondern auch aufgrund der Versorgungsunterbrechung aus Japan. Wie auch andere Hersteller steht Opel vor direkten und indirekten Zulieferproblemen aus Japan, da man seit den Lopezjahren die Zulieferwege stark minimiert hat und sich zu prominent dem Just-in-time-Produktionsmanagement verschrieben hat.Dies belastetet die zukünftigen Finanzergebnisse aufgrund relativ geringer Margen bemerkbar, die dem Primärziel einer Marktanteilsgewinnung geschuldet sind. Zudem spielt speziell bei Opel auch noch ein kritisches Konsumentenverhalten eine belastende Rolle (Opelaner werden mit mutmaßlich mit besonderer Euphorie dem 2011er Gesangswettstreit ESC mit deren Werbeikone Lena verfolgen). Bereits geringfügige Abweichungen von Planvorgaben können hier erhebliche Auswirkungen zeigen.

Schließlich spielen auch die allgemeinen Technologierisiken eine prekäre Rolle. Insbesondere der stark forcierte Markteintritt beim Elektroantrieb kann zu erheblichen Garantie- und Schadenersatzleistungen sowie einem dramatischen Imageverlust führen, wenn die diesbezüglichen Erwartungen untererfüllt bleiben sollten. Da man mit eiligen Innovationen in die Serie drängt, deren Serienmarktreife und Ausdauer noch nicht als belastbar erwiesen ist, kann dies zu einem negativen Bumerang werden.Sollte als Konsequenz Opel vor einer ähnlichen Situation wie vor zwei Jahren stehen, wird die Politik kaum eingreifen können, da die finanziellen Spielräume des Staates bereits durch die Rettungsschirme überbelastet und ausgeschöpft sind. Individuallösungen, wie etwa bei Quelle, sind, nach den Erfahrungen, nicht mehr durchsetzbar. Hinzu kommt, dass kein Automobilhersteller "systemrelevant" ist. Ob am Ende nötigenfalls die US-Mutter GM als Retter einspringen kann – selbst erst durch Staatsmittel der USA aus der Insolvenz herausgerettet – ist zudem fraglich.

Geht Opel in die Knie, zieht er andere mit

Welche Konsequenzen folgen aus diesem beispielhaften Szenario für die Zulieferkette? Sollte Opel fallen, so werden wahrscheinlich auch einige zentrale Modulhersteller ihrerseits Insolvenz anmelden müssen, auch solche, die momentan noch als bonitätsmäßig unproblematisch gut beurteilt werden. Für die Lieferanten dieser Modulhersteller werden dadurch unerwartete Zahlungsausfälle zu verkraften sein. Diese Teufelkette dringt also weit in die Wertschöpfungskette vor. Das Phänomen ist als "Folgeinsolvenz" bekannt. Verschärft wird die Gefahr des Delkredere durch diese Verkettung für etliche Zulieferbetriebe dadurch, dass viele mittelständische Unternehmen mutmaßlich systemrelevante, bzw. „to big to fail"-Kunden nur mangelhaft oder gar nicht besichert haben. Bereits ein einziger großer Forderungsausfall kann dann das sofortige Aus bedeuten, da die Eigenkapitaldecke dies nicht auffangen kann.

Als Brandbeschleuniger wirken in dieser Phase sich ausdehnende Inanspruchnahmen von Zahlungszielen: Das Volumen von Lieferantenkrediten steigt an, da die originären Geldgeber (zum Beispiel Banken, Leasinggeber, Private Equity) schnell mit Kreditrestriktionen reagieren, wodurch die Kreditnehmer -gleichsam als Warenkäufer- mit expliziter oder stillschweigend in Anspruch genommenen Ausdehnungen von Zahlungszielen bei ihren Lieferanten reagieren müssen, um die Liquidität aufrecht zu erhalten. Das heißt, der Lieferant sieht sich sowohl einem erhöhten Ausfallrisiko als auch mit einem steigenden Ausfallpotential konfrontiert und potenziert damit bewusst oder gezwungenermaßen seine Risikosituation.

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