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Konjunktur Wie lange hält der Aufschwung?

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Daimler-Chef Dieter Zetsche Quelle: dpa

In vielen Betrieben sind die Produktionskapazitäten schon jetzt bis zum Anschlag ausgelastet. Beim Automobilbauer Daimler müssen Kunden teilweise mehrere Monate auf ein C-Klasse-Modell warten. "Ein Vierteljahr kann’s schon dauern", sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche, "überall stoßen wir an Kapazitätsgrenzen." Die deutsche Autobranche sei "wieder eine Wachstumsindustrie".

Das spürt man auch bei der Indus Holding in Bergisch Gladbach. Die Gesellschaft ist an 41 mittelständischen Produktionsunternehmen aus unterschiedlichen Branchen, darunter Fahrzeugkomponentenherstellern, beteiligt. "In unserem Automobilbereich sind die Kapazitäten zum Teil schon zu 100 Prozent ausgelastet", sagt Helmut Ruwisch, Vorstandsvorsitzender von Indus. Der Bestand an Aufträgen reiche bis weit in das Jahr 2011 hinein.

Ruwisch hat daher das Investitionsbudget für 2011 um 50 Prozent gegenüber 2010 nach oben gefahren. "In unseren Plänen sind viele Erweiterungsinvestitionen enthalten", sagt der Indus-Chef.

Bau mal wieder

Investiert die Industrie in neue Maschinen und Anlagen, ist das auch für die Bauwirtschaft ein gutes Signal. Denn mehr Kapazitäten für die Produktion bedeuten meist auch mehr Werkshallen, Lagerräume und Bürogebäude. Nachdem die Umsätze im Wirtschaftsbau zwei Jahre in Folge gesunken sind, hofft die Bauindustrie für 2011 auf den Turn-around.

Im Wohnungsbau hat die Wende schon eingesetzt. Die staatlichen Fördermaßnahmen für energetisches Sanieren haben vor allem dem Ausbaugewerbe gute Geschäfte beschert. Dank der niedrigen Hypothekenzinsen können sich mehr Bürger als zuvor den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen. Hinzu kommt, dass die Deutschen aus Angst vor Inflation und Währungskrisen die Immobilie als Investitionsobjekt wieder entdecken.

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) erwartet, dass sich der Aufwärtstrend im Wohnungsbau 2011 fortsetzt. "Steigende Haushaltszahlen, anhaltend niedrige Zinsen, bessere Einkommensperspektiven sowie eine steigende Beschäftigung dürften den Wohnungsbau 2011 um drei bis vier Prozent wachsen lassen", prognostiziert Heiko Stiepelmann, Chefvolkswirt des HDB. Der Wohnungsbau werde daher von allen Bausparten in den nächsten Jahren am besten laufen, vermutet Stiepelmann.

Unternehmen stellen ein

Dagegen sieht er für den öffentlichen Bau "ganz schwarz". Zwar wirkten die von der Bundesregierung aufgelegten Konjunkturprogramme bis ins nächste Jahr hinein. Allerdings hätten viele Kommunen die Mittel aus den Programmen nur genutzt, um ohnehin geplante Investitionen zu finanzieren, zusätzliche Impulse seien kaum entstanden, moniert Stiepelmann. Außerdem sei damit zu rechnen, dass angesichts der angespannten Haushaltslage in den Städten und Gemeinden die Sparkommissare wieder das Ruder übernehmen. Die Ökonomen des ifo Instituts rechnen daher damit, dass sich die Zuwachsrate der gesamten Bauinvestitionen von 4,2 Prozent in diesem auf 2,1 Prozent im nächsten Jahr halbieren wird.

Damit die Erholung der Konjunktur in einen nachhaltigen Aufschwung mündet, müssen nach den Exporten und den Investitionen die Konsumausgaben anziehen. Die Aussichten dafür sind so gut wie lange nicht mehr. Die Arbeitslosigkeit ist seit Monaten auf dem Rückzug, die Zahl der Erwerbstätigen steigt. In einigen Branchen und Regionen sind Arbeitskräfte schon knapp.

Nur acht Prozent der vom ifo Institut befragten Firmen wollen daher im nächsten Jahr Arbeitsplätze abbauen. 21 Prozent dagegen planen, ihren Personalbestand zu erhöhen. Zu Beginn des Aufschwungs konzentrierte sich das Interesse der Betriebe auf die Zeitarbeiter, jetzt stehen unbefristete Beschäftigungsverhältnisse im Vordergrund der Einstellungsoffensiven. Die Firmen versuchen, Mitarbeiter an sich zu binden, bevor die demografische Zeitenwende zuschlägt und Arbeitskräfte nur noch schwer zu bekommen sind.

Der Wolfsburger Automobilbauer VW hat von den 6000 in Deutschland beschäftigten Leiharbeitern 400 fest eingestellt. Bis 2015 will VW in Deutschland weitere 5000 bis 6000 neue Arbeitsplätze schaffen. Beim Konkurrenten BMW in München sollen dieses und nächstes Jahr mindestens 2600 neue Arbeitsplätze entstehen, die Hälfte davon in Deutschland.

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