Konjunktur

Wir müssen raus aus der Hängematte

Deutschlands Wachstum liegt im europäischen Vergleich auf hohem Niveau, die Arbeitslosigkeit ist niedrig, der Einfluss groß. Aber das Ende ist absehbar. Wenn wir nicht schnell handeln, drohen heftige Konjunkturgewitter.

Ein Mann schaukelt in einer Hängematte Quelle: dpa

Die aktuell noch gute Lage Deutschlands fußt in erheblichem Maße auf Errungenschaften der Vergangenheit. Sie ist zurückzuführen auf die Hartz-Reformen und die damit verbundenen Initiativen von Arbeitergebern und Gewerkschaften. Im Nachgang der Krise von 2008 hat die Bundesregierung mit mutigen Schritten - wie beim Kurzarbeitergeld, aber auch bei den Entscheidungen im Zusammenhang mit der Bankenkrise - dazu beigetragen, dass sich die deutsche Wirtschaft rasch erholt hat.

Aber das alles sind Folgen von bereits vergangenen Entscheidungen und Entwicklungen. Darüber hinaus wird die aktuelle Situation von Faktoren positiv beeinflusst, die außerhalb von Deutschlands Einfluss liegen. Wie etwa der Ölpreis, die Geldpolitik der EZB und damit verbunden der schwache Euro.

Das spricht für eine anziehende Konjunktur

Doch nicht alle Nachrichten sind positiv. Im Gegenteil: Wenn man sich die aktuelle Nachrichtenlage betrachtet bekommt man immer öfter ein ungutes Gefühl bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands in den nächsten Jahren.

Eine Nachricht der letzten Tage war, dass die Zahl der Geburten in Deutschland weiter gesunken ist. Nach einer Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitute (HWWI) werden in Deutschland im Vergleich zu allen anderen Ländern in der Welt die wenigsten Kinder geboren.

Das könnte die Konjunkturerholung bremsen

Demnach wurde in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt 8,3 Kinder je 1000 Einwohner in Deutschland geboren. Das liegt selbst unter dem Niveau von Japan, wo in diesem Zeitraum 8,4 Kinder pro 1000 Einwohner geboren wurden. In den anderen großen EU-Ländern liegt die Zahl der Geburten dagegen zum Teil deutlich höher.

Diese ungünstige Entwicklung in Deutschland könnte sich langfristig zu einem spürbaren Standortnachteil entwickeln, denn die Zahl der Erwerbsfähigen von 20 bis 65 Jahren dürfte sich bis 2030 von aktuell 61 Prozent auf dann 54 Prozent reduzieren. Ohne eine aktive Einwanderungspolitik steuert die deutsche Wirtschaft diesen Schätzungen nach auf einen erheblichen Arbeitskräftemangel zu.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%