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Konjunktur Die Weltwirtschaft verliert an Schwung

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Zuwachs von unter einem Prozent

Nachhaltiges Wachstum lässt sich so nicht erzeugen. In den vergangenen drei Jahren lag der Zuwachs bei der Produktivität – der zentralen Größe für die Leistungskraft der Wirtschaft – im Schnitt unter einem Prozent. Das ist nicht zuletzt die Folge des veralteten Maschinenparks, der in US-Fabriken steht. Hoffnungen auf einen Schub für die Konjunktur hatte der Fracking-Boom geweckt. Nun aber zeigt sich, wie fragil dieser mit Krediten aufgeblasene Sektor ist. Der drastische Rückgang der Ölpreise hat den Unternehmen die Bilanzen verhagelt. In den ersten drei Monaten 2015 haben sie mehr als 25 Prozent der aktiven Bohrlöcher geschlossen. Das hat die US-Wirtschaft nach Berechnungen der Commerzbank im ersten Quartal ein halbes Prozent Wachstum gekostet.

Zehn Tipps gegen die Deflation
Die Deflationsangst in der Euro-Zone ist weiterhin groß, in den vergangenen Monaten fiel die Inflationsrate eher mager aus. Doch für eine Panik gibt es keinen Grund. Wer die niedrige Teuerung ausschließlich verteufelt, tut ihr Unrecht. Quelle: AP
Deflation herrscht dann, wenn die Preise über einen längeren Zeitraum sinken. Eine wirtschaftliche Situation also, in der das Angebot an Waren und Dienstleistungen größer ist als die Nachfrage - das drückt die Preise. Verbraucher könnten dann eigentlich kaufen. Aber sie tun es nicht, weil sie annehmen, dass die Preise weiter sinken. Ein Einnahmeausfall ist die Folge. Was dagegen gemacht werden kann... Quelle: dpa
... der Staat sollte versuchen, durch eigene Investitionen die Nachfrage zu stimulieren. Das Sanieren von öffentlichen Gebäuden oder Investitionen in andere große Bauprojekte können ein erster Schritt sein. Quelle: dpa
Möglich wäre auch der Ausbau von neuen Bahnstrecken oder Autobahnen. Durch staatliche Investitionen sinkt zusätzlich die Arbeitslosigkeit, während der Konsum weiter steigt. Quelle: dpa
Ein weiteres Maßnahmenbündel wären Steuersenkungen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Im Detail bedeutet das: Die Senkung der Unternehmenssteuern schafft Anreize, um in die Produktion zu investieren; eine Senkung der Einkommenssteuer entlastet die Arbeitnehmer. Quelle: dpa
Die Senkung des Leitzinses könnte einer Deflation entgegen wirken, weil so günstigere Kredite vergeben werden können... Quelle: dpa
... aber es kann eben auch sein, dass das mal nicht klappt - wie in Japan. Der Staat kämpft bereits seit 1990 mit einer deflationären Entwicklung seiner Wirtschaft. Zinssenkungen sollten das eigentlich eindämmen, aber die Nachfrage hat sich dadurch trotzdem nicht verbessert. Der Leitzins liegt mittlerweile bei um die null Prozent. Quelle: REUTERS

Viele Analysten haben ihre Wachstumserwartungen für die USA zurückgeschraubt. Statt um drei Prozent werde die US-Wirtschaft dieses Jahr nur um 2,5 Prozent wachsen, heißt es nun. Flossbach-von-Storch-Direktor Mayer ist weitaus skeptischer. „Die hohe Schuldenlast trübt die Wachstumsaussichten der US-Wirtschaft noch für lange Zeit“, sagt er. Im langfristigen Trend werde die US-Wirtschaft daher kaum um mehr als zwei Prozent wachsen.

Schwellenländer unter Druck

Dazu kommt: Auch in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde, in China, läuft es nicht rund. Im ersten Quartal 2015 wuchs die Wirtschaft nur um 7,0 Prozent. Für ein Industrieland wäre dies ein traumhafter Wert, für China ist das mager. In den nächsten Jahren dürften die Raten noch geringer ausfallen. Denn das Reich der Mitte leidet ebenso wie der Westen unter den Folgen einer Kredit-Bonanza. Diese hat die Häuerpreise auf aberwitzige Niveaus getrieben. Die gesamte Schuldenlast Chinas liegt bei 282 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Nun entweicht die Luft aus der Immobilienblase, die Preise für Wohnungen und Häuser sinken. Das bremst die Bauinvestitionen und lässt die Einnahmen in den kommunalen Haushalten, die zu einem Drittel aus Landverkäufen stammen, einbrechen. Viele Kommunen fahren daher ihre Infrastrukturinvestitionen zurück, was die Konjunktur zusätzlich dämpft.

Auch Chinas Unternehmen stecken bis über beide Ohren im Schuldensumpf. Ihre Außenstände belaufen sich auf 125 Prozent des BIPs. Um dem Bankrott zu entgehen, stecken sie einen großen Teil ihrer Einnahmen in die Tilgung. Das Geld fehlt dann aber für Investitionen. Die Zentralbank dürfte die geldpolitischen Zügel bald weiter lockern. Sogar Käufe von Staatsanleihen nach Vorbild westlicher Zentralbanken sind drin. Stabiles Wachstum aber wird China damit ebenso wenig kaufen können wie der Westen.

Dass die Geldschwemme der Notenbanken eher Fluch statt Segen ist, erfahren derzeit die Schwellenländer. In den vergangenen Jahren nutzten die Unternehmen dort den Kapitalzufluss aus dem Westen, um sich in ausländischer Währung billig zu verschulden. Fast die Hälfte des globalen Schuldenwachstums seit 2007 geht auf das Konto der Schwellenländer. Ihre Fremdwährungsschulden belaufen sich im Schnitt auf 25 Prozent des Volkseinkommens.

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