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Konjunkturausblick 2011 Die globale Krisenbewältigung

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Russland: Billiges Öl dämpft das Wachstum

Grafik: BIP, Inflation, Arbeitslosenquote & Haushaltssaldo Russland 2009 - 2011

Neuerdings kritteln Ökonomen und Analysten zunehmend am Konzept von Jim O’Neill herum. Der Chefökonom der Investmentbank Goldman Sachs prägte 2001 in einem Aufsatz die Wortschöpfung „BRIC“ für die Länder Brasilien, Russland, Indien und China, die Wachstumslokomotiven des 21. Jahrhunderts. Doch in diesem erlauchten Kreis hat Russland nichts mehr verloren, meint Anders Aslund, Ökonom am Peterson Institute for International Economics. „Russland hinkt den anderen BRICs hinterher“, sagt er, das Land sei geschwächt aus der Krise hervorgegangen.

Auf den ersten Blick hat er Unrecht: Das Bruttoinlandsprodukt wird in diesem Jahr um vier Prozent wachsen. Nächstes Jahr dürften sogar 4,3 Prozent drin sein. Doch wer den Vergleich mit China wagt, sieht den Unterschied sofort: Die Volksrepublik wächst nach der Krise zweistellig, Russland nicht. Finanzminister Alexej Kudrin stellt sich auf ein Haushaltsdefizit bis zum Jahr 2015 ein, der Konsum steigt dieses Jahr um fünf Prozent statt elf Prozent in 2008, die Industrieproduktion erholt sich nur langsam, in der Bauindustrie stehen die Kräne still, und außer Groß- und Staatskonzernen kommt kaum jemand an Kredite.

Russland erlebt eine harte Landung. Eine Baisse am Rohstoffmarkt bringt die Grundfesten der russischen Ökonomie ins Wanken, die auf der Umverteilung von Staatseinnahmen basierte: Unter Ministerpräsident Wladimir Putin sorgte der Staat für Nachfrage, indem er selbst kräftig investierte und den Privatverbraucher mit Steuer- und Rentengeschenken für den Konsum rüstete.

Jetzt fehlt das Geld für die Umverteilung. Russland ist auf Anleiheemissionen und die Privatisierung von Staatsunternehmen angewiesen, um die Defizite im Haushalt zu decken. Vor allem aber ist Russland auf der Suche nach einem neuen Geschäftsmodell: Das Land will künftig nicht mehr nur Rohstoffe, sondern auch Innovatives exportieren. Entsprechend fördert die Regierung seit dem Frühjahr den Aufbau einer wettbewerbsfähigen Nano- und Biotechnologie, investiert in Energieeffizienz und die Pharmaindustrie. Es wird jedoch ein paar Jahre dauern, ehe Erfolge sichtbar werden.

Fazit Gut vier Prozent Wachstum im nächsten Jahr – so die Prognose für Russland. Doch das ist zu wenig, um die Verbraucher bei Laune zu halten und die Wirtschaft modernisieren zu können.

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