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Konjunkturausblick 2011 Die globale Krisenbewältigung

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Euro-Land: Europa driftet auseinander

Grafik: BIP, Inflation, Arbeitslosenquote & Haushaltssaldo Euro-Land 2009 - 2011

EU-Wirtschaftskommissar Ollie Rehn spricht von „einem gewissen Dualismus in Europa“. Das ist reichlich untertrieben. Starke und schwache Volkswirtschaften driften immer weiter auseinander – ein Trend, der sich 2011 noch verstärken wird. Prognostizierte Durchschnittswerte für die Euro-Zone verlieren folglich an Aussagekraft. Denn hinter einem Wachstum von insgesamt 1,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Euro-Land im kommenden Jahr verbergen sich höchst unterschiedliche Wirtschaftsaussichten. Während einige Länder wachsen – Neu-Mitglied Estland (4,4 Prozent), die Slowakei (3,0 Prozent), Finnland (2,9 Prozent) und Luxemburg (2,8 Prozent) –, ist in anderen Ländern kein Ende der wirtschaftlichen Misere abzusehen. In Portugal (–1,0 Prozent) und Griechenland (–3,0 Prozent) wird die Wirtschaftsleistung zurückgehen. Irland und Spanien lassen die Rezession zwar hinter sich, von einem Aufschwung kann aber angesichts von Wachstumsraten von 0,9 Prozent und 0,7 Prozent keine Rede sein. Auch Italien, ein weiteres Sorgenkind im Euro-Raum, steht mit einer Wachstumsrate von prognostizierten 1,1 Prozent nicht glänzend da.

Auch wenn die Wirtschaft in der Euro-Zone insgesamt wächst, die Haushaltsdefizite und Staatsschulden einiger Mitglieder werden von Ökonomen weiterhin mit Sorge gesehen. Denn die Zahlen, die aktuell vorhergesagt werden, zeigen, wie langsam der Prozess der Konsolidierung vorangeht. Im Durchschnitt wird die Euro-Zone auch im kommenden Jahr mit einem Haushaltsdefizit von 4,6 Prozent deutlich unter der Maastricht-Marke von drei Prozent liegen. In Spanien prognostiziert die EU-Kommission sogar ein Haushaltsloch von 6,4 Prozent vom BIP, in Irland von 10,3 Prozent. Die gigantischen Schuldenberge werden so nicht kleiner. Sowohl Irland (107,0 Prozent) als auch Belgien (100,5 Prozent) bleiben 2011 wahrscheinlich über der Marke von 100 Prozent vom BIP. Auch in Italien wird sich der Schuldenstand weiter erhöhen (120,2 Prozent). Spitzenreiter bleibt Griechenland, wo die Staatsverschuldung auf 150,2 Prozent vom BIP anschwillt.

Fazit Die Euro-Zone wächst, aber viele Mitgliedsländer fallen zurück. So nimmt die Kluft zwischen Arm und Reich zu. Und es sind die Armen, die – weil hoch verschuldet – den Gürtel enger schnallen müssen.

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