Konjunkturausblick Düstere Prognose für die Euro-Wirtschaft

Das ifo-Institut und die EZB sind sich – beim Konjunkturausblick – ausnahmsweise einmal einig. Beide Institute sehen große Risiken für die Wirtschaft.

Die Wirtschaft im Euro-Raum wird 2012 wohl schrumpfen. Analysten, die für den EZB-Monatsbericht befragt wurden, rechnen mit einem Rückgang des BIPs um 0,3 Prozent. Quelle: dapd

Die Europäische Zentralbank blickt mit immer größere Sorge auf die Euro-Konjunktur. Die Entwicklung des Weltwirtschaftswachstums sei "nach wie vor zögerlich" und von "beträchtlicher Fragilität", heißt es im EZB-Monatsbericht. Die Folge: Die Zentralbank hat ihre Konjunkturprognose für die Eurozone gesenkt. Laut der am Donnerstag veröffentlichten Umfrage der Notenbank unter Analysten rechnen diese 2012 mit einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent.

In der vor drei Monaten veröffentlichten Umfrage hatten sie noch minus 0,2 Prozent veranschlagt. Zugleich blicken sie nun auch skeptischer auf das Jahr 2013: Dann soll sich ein Wachstum um 0,6 Prozent einstellen. Zuletzt hatten sie noch plus ein Prozent veranschlagt. 2014 soll sich das Wachstum dann auf 1,4 Prozentbeschleunigen.

Neben der sich abkühlenden Weltwirtschaft sei auch die Schuldenkrise für den negativen Ausblick verantwortlich. Die Risiken für den Wirtschaftsausblick ergäben sich auch aus den "Spannungen an einigen Finanzmärkten des Euroraums und deren möglichem Übergreifen auf die Realwirtschaft des Euro-Währungsgebiets", so die EZB. Die Erklärung dient den Notenbankern gleichzeitig, um ihre Bereitschaft zu bekräftigen, wieder Staatsanleihen zu kaufen.

Die größten Risiken für die deutsche Wirtschaft

"Die Kurse der Staatsanleihen einiger Länder enthalten außergewöhnlich hohe Risikoprämien, und die Wirksamkeit der Geldpolitik wird durch die Fragmentierung der Finanzmärkte beeinträchtigt", heißt es im Monatsbericht. Risikoprämien, die auf ein Auseinanderbrechen der Eurozone abzielten, seien nicht akzeptabel. Es müsse ihnen "grundlegend begegnet werden".

Ifo-Institut macht Krisenländern kaum Hoffnung

Wie die EZB sieht auch das Münchner ifo-Institut große Gefahren für die Konjunktur. Insbesondere den schuldengeplagten Krisenländern im Süden Europas nehmen die Konjunkturexperten die Hoffnung: Das Wirtschaftsklima in der Euro-Zone hat sich nach zwei Anstiegen in Folge im dritten Quartal 2012 wieder verschlechtert, teilte das Institut am Donnerstag mit. Der entsprechende Index, der auf der Befragung von 274 Experten im Juli basiert, brach auf 88,9 Punkte ein, nachdem es im zweiten Quartal noch 100,3 Zähler waren. Der Durchschnitt der Jahre 1996 bis 2011 von 109 Punkten wird damit noch deutlicher unterschritten.

"Es wird nicht mehr damit gerechnet, dass sich die Wirtschaft in den kommenden sechs Monaten erholt", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Sowohl die Einschätzung der aktuellen Lage als auch die Erwartungen hätten stark nachgegeben. "Die wieder aufflammende Schuldenkrise setzt der Konjunktur im Euro-Raum zu." Die aktuelle Lage wird in Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und Zypern unverändert auf Rezessionsniveau gesehen. "In Belgien, Frankreich, Irland, den Niederlanden und Slowenien wird die wirtschaftliche Lage nur wenig besser beurteilt", so das Ifo-Institut.

In Deutschland, Estland und Finnland werde die Lage insgesamt positiver eingeschätzt, aber schlechter als noch im Frühjahr. Beim Ausblick sieht es ebenfalls mau aus: Nur in Irland und den Niederlanden sind die Erwartungen merklich gestiegen. Ansonsten haben sich die Experten pessimistischer geäußert. (mit Material von Reuters)

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