Konjunkturprognose Deutschland Binnennachfrage treibt 2015 die Wirtschaft an

Die NordLB blickt optimistisch in das kommende Jahr und rechnet mit Wachstum dank der starken Binnennachfrage. Das IMK-Institut fordert mehr Investitionen für den Kampf gegen eine Deflation.

Arbeiter im BMW-Werk in München. Quelle: dapd

Deutschlands Wirtschaft wird nach einer Konjunkturprognose der NordLB 2015 von einer starken Binnennachfrage profitieren. Unter dem Strich erwartet die Landesbank nach Angaben vom Mittwoch ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent. Den Optimismus für die deutsche Konjunktur begründet die Bank mit dem hohen Beschäftigungsniveau und den erwarteten guten Tarifabschlüssen.

Innerhalb der Euro-Zone mit ihren weiter niedrigen Zinsen sehen die Analysten neben dem Risiko einer Deflation - also einer gefährlichen Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und schrumpfender Wirtschaft - ein Anhalten der Krise in den Südländern. Eine erste Zinsanhebung der Europäischen Zentralbank (EZB) erwartet NordLB-Vorstand Thomas Bürkle erst 2016. "In den USA dagegen scheint die Zinswende schon ausgemachte Sache zu sein." Beim Ölpreis rechnet Bürkle nach dem rasanten Preisrutsch der vergangenen Monate mit einer Kehrtwende.

Zehn Tipps gegen die Deflation
Die Deflationsangst in der Euro-Zone ist weiterhin groß, in den vergangenen Monaten fiel die Inflationsrate eher mager aus. Doch für eine Panik gibt es keinen Grund. Wer die niedrige Teuerung ausschließlich verteufelt, tut ihr Unrecht. Quelle: AP
Deflation herrscht dann, wenn die Preise über einen längeren Zeitraum sinken. Eine wirtschaftliche Situation also, in der das Angebot an Waren und Dienstleistungen größer ist als die Nachfrage - das drückt die Preise. Verbraucher könnten dann eigentlich kaufen. Aber sie tun es nicht, weil sie annehmen, dass die Preise weiter sinken. Ein Einnahmeausfall ist die Folge. Was dagegen gemacht werden kann... Quelle: dpa
... der Staat sollte versuchen, durch eigene Investitionen die Nachfrage zu stimulieren. Das Sanieren von öffentlichen Gebäuden oder Investitionen in andere große Bauprojekte können ein erster Schritt sein. Quelle: dpa
Möglich wäre auch der Ausbau von neuen Bahnstrecken oder Autobahnen. Durch staatliche Investitionen sinkt zusätzlich die Arbeitslosigkeit, während der Konsum weiter steigt. Quelle: dpa
Ein weiteres Maßnahmenbündel wären Steuersenkungen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Im Detail bedeutet das: Die Senkung der Unternehmenssteuern schafft Anreize, um in die Produktion zu investieren; eine Senkung der Einkommenssteuer entlastet die Arbeitnehmer. Quelle: dpa
Die Senkung des Leitzinses könnte einer Deflation entgegen wirken, weil so günstigere Kredite vergeben werden können... Quelle: dpa
... aber es kann eben auch sein, dass das mal nicht klappt - wie in Japan. Der Staat kämpft bereits seit 1990 mit einer deflationären Entwicklung seiner Wirtschaft. Zinssenkungen sollten das eigentlich eindämmen, aber die Nachfrage hat sich dadurch trotzdem nicht verbessert. Der Leitzins liegt mittlerweile bei um die null Prozent. Quelle: REUTERS
Gold kann, vor allem in Krisenzeiten, eine sinnvolle Anlage sein. Die Wetten von spekulativen Anlegern auf einen steigenden Goldpreis lagen etwa im Dezember so niedrig wie seit über sechs Jahren nicht mehr. Damals nahm die Goldrally Fahrt auf: Im ersten Quartal 2008 übersprang der Preis je Feinunze erstmals die Marke von 1000 Dollar. Nach einer knappen Verdopplung notiert der Unzenpreis derzeit nur ein Viertel höher als zu Beginn des Jahres 2008. Quelle: AP
Devisenkontrollen können ebenfalls eine gute Möglichkeit sein, um auf Deflation zu reagieren. Das tun insbesondere Schwellenländer. Quelle: dpa/dpaweb
Durch die Inanspruchnahme der Kredite steigt auch die Geldmenge, die im Umlauf ist. Kurzum: Die Verbraucher haben mehr Geld in der Hand und könnten sich - zumindest theoretisch - mehr leisten. Quelle: dpa

Auch das gewerkschaftsnahe IMK-Institut warnt vor einer Deflation und rät zu kräftigen Investitionen durch die Euro-Länder, um der EZB im Kampf gegen fallende Preise beizuspringen. Trotz der erwarteten Konjunkturerholung bleibe 2015 die "Gefahr einer Deflation sehr real", teilten die IMK-Forscher am Mittwoch mit.

Mit ihrer lockeren Geldpolitik habe die Europäische Zentralbank (EZB) in den vergangenen zwei Jahren zwar verhindert, dass die akute Krise im Euro-Raum wieder aufflackere. "Doch alleine kann die Zentralbank keine Deflation verhindern und den wirtschaftlichen Trend auch nicht zum Positiven drehen", sagte IMK-Direktor Gustav Horn. Sie brauche Unterstützung durch eine "investitionsorientierte Finanzpolitik" der Euro-Länder mit finanziellen Spielräumen. "Da passiert noch viel zu wenig, insbesondere in Deutschland."

Im Dezember fielen die Preise in der Euro-Zone erstmals seit mehr als fünf Jahren und nähren damit die Furcht vor einem Verfall auf breiter Front, der sogenannten Deflation. Vor allem wegen des gesunkenen Ölpreises lag die Inflationsrate bei minus 0,2 Prozent. Eine Deflation könnte zu sinkenden Löhnen und weniger Investitionen führen und somit die Wirtschaft lähmen. Die EZB stemmt sich dagegen, denn sie sieht stabile Preise nur bei einer Jahresteuerung von knapp zwei Prozent gewährleistet.

"Die Investitionsschwäche zu überwinden, muss für Europa in diesem Jahr Ziel Nummer eins sein", betonten die IMK-Ökonomen. Dies sei wichtiger als etwa die Entwicklung in Griechenland, wo wegen der Neuwahl das Sparprogramm infrage steht. Für eine erfolgversprechende Investitionsoffensive müssten im Euro-Raum in den kommenden drei Jahren jährlich mindestens 100 Milliarden Euro aus öffentlichen Mitteln ausgegeben werden.

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"Allerdings ist es sehr unwahrscheinlich, dass der 'Juncker-Plan' mit dem überschaubaren Impuls von 21 Milliarden Euro - die zum Teil lediglich umgeschichtete Mittel sind - Investitionen von insgesamt 315 Milliarden Euro anstoßen kann."

In Deutschland könnte man mit einem nennenswerten Investitionsprogramm zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, sagte Horn. "Erstens könnte gerade Deutschland endlich ernsthaft beginnen, den wachstumsschädlichen Investitionsstau in seiner Infrastruktur aufzulösen." Zweitens zöge das Wachstum in Europa kurzfristig spürbar an - "das beste Mittel, um die Deflationsgefahr zu reduzieren."

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