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Konjunkturprognose DIW verbreitet gedämpften Optimismus

ARCHIV - Die Sonne leuchtet am 08.02.2015 über dem Hafen von Hamburg hinter Kränen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) veröffentlicht am 27.07.2017 sein Konjunkturbarometer zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Foto: Bodo Marks/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Das DIW korrigiert seine Prognose nur leicht nach unten. Insgesamt stehe die deutsche Wirtschaft weiter gut da. Der Optimismus steht allerdings unter entscheidenden Vorbehalten.

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Schocken wird die Diagnose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) niemanden mehr: Der erste Satz der Pressemitteilung – „Die Zeiten der Hochkonjunktur in Deutschland sind vorbei“ – dürfte längst ökonomisches Allgemeingut sein. Die Konjunkturforscher des ältesten deutschen Wirtschaftsforschungsinstituts sprechen in ihrem Ausblick bis 2020 aber nicht von heraufziehenden Krisen, sondern davon, dass sich die „Wachstumsdynamik“ nun „normalisiert“.

Die deutsche Wirtschaft werde „in diesem und in den kommenden beiden Jahren … weiter spürbar wachsen“, allerdings in diesem Jahr um ganze 0,3 Prozentpunkte weniger als noch im Herbst prognostiziert, nämlich um 1,5 Prozent, und im kommenden Jahr um 1,6 Prozent (0,1 Prozentpunkte weniger als im Herbst prognostiziert).

„Obwohl das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal dieses Jahres sogar erstmals seit langer Zeit gesunken war, ist die Gefahr einer Rezession gering“, sagt DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. „Denn der Rückschlag im Sommer hatte seine Ursache vor allem in der Automobilindustrie.“ Wegen Problemen bei der Zertifizierung nach den neuen Abgas- und Verbrauchsnormen der EU konnten die Hersteller nicht so viele Autos wie gedacht absetzen und drosselten daraufhin ihre Produktion. Das setzte auch die Investitionen unter Druck. Die Produktionsausfälle dürften jedoch im Winter zumindest teilweise nachgeholt werden.

Quelle: DIW

Die deutsche Wirtschaft stehe „unter dem Strich … aber nach wie vor vergleichsweise gut da“. Dazu gehöre auch eine „brummende Bauwirtschaft“ und die „stabile Arbeitsmarktlage“: Die Löhne steigen auch nach Abzug der Inflation, die in den kommenden Jahren bei etwa zwei Prozent liegen dürfte, um voraussichtlich mehr als ein Prozent pro Jahr. Davon profitiert der private Konsum“, sagt Simon Junker, DIW-Experte für die deutsche Konjunktur. Einen merklichen Einkommensschub beschert den privaten Haushalten, dass der Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung ab Jahresbeginn 2019 wieder hälftig von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite zu tragen ist. Zudem zeigt sich der Staat großzügig – so sinkt der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung, Grund- und Kinderfreibeträge werden angehoben und die Mütterrente steigt.

Ein unübersehbarer Wille zum Optimismus dominiert die Vorhersage der DIW-Ökonomen. Für 2020 prophezeien sie sogar wieder ein kräftigeres Wachstum von 1,8 Prozent. „Die Konjunktur in den USA profitiert bis Mitte des kommenden Jahres von der Senkung der Unternehmenssteuern, Chinas Wirtschaft zeigt sich bislang weitgehend unbeeindruckt von den handelspolitischen Verwerfungen mit den USA und auch das Wachstum im Euroraum ist trotz einiger politischer Turbulenzen – nicht zuletzt in Italien – recht stabil.“

Und die DIW-Autoren sind der Ansicht, dass das so bleiben, beziehungsweise der Exportanteil am BIP-Wachstum 2019 und 2020 sogar noch deutlich zulegen wird. Obwohl, wie auch das DIW einräumt, die Weltkonjunktur ihren Höhepunkt überschritten hat. Der entscheidende Einwand allerdings kommt in einem einzigen Satz: „Sofern die schwelenden Handelskonflikte, etwa zwischen den USA und China, die Brexit-Situation und der Haushaltsstreit zwischen der EU und Italien nicht eskalieren“. Letztlich, so machen damit auch die Auguren des DIW deutlich, beruht ihre Prognose also vor allem auf Hoffnungen. Oder in deren eigenen Worten: „Derzeit ist das konjunkturelle Bild jedoch außergewöhnlich unscharf“.

Sollte es doch noch zu einem „harten“ Brexit kommen, also einem Austritt ohne Vereinbarungen mit Blick auf die künftigen Handelsbeziehungen, würde die äußerst exportorientierte deutsche Wirtschaft hart getroffen werden. Allerdings verbreitet das DIW auch bei diesem Thema lieber Optimismus: Es dürfe „nach wie vor das Interesse sowohl Großbritanniens als auch der EU sein, ein solches Szenario zu vermeiden“. Man hält eine Verschiebung des eigentlich für Ende März nächsten Jahres geplanten Brexit oder ein erneutes Referendum für wahrscheinlicher als einen ungeordneten Austritt – insbesondere, wenn es im Zuge der politischen Turbulenzen zu Neuwahlen im Vereinigten Königreich kommen sollte.

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