Konsumklima Die Kauflaune steigt trotz Krise

Unruhige Börsen, Hiobsbotschaften aus den Schuldenstaaten - doch die deutschen Konsumenten lassen sich ihre Kauflaune nicht verderben. Überraschend stieg der GfK-Konsumklima-Index auf den höchsten Stand seit März.

Kauflaune Einkaufen Quelle: dapd

Trotz wachsender Konjunkturskepsis steigt die Kauflaune der Deutschen. Sie fürchten zwar, dass die Wirtschaft wegen der Schuldenkrise immer stärker unter die Räder kommt. Dank steigender Einkommen wollen die Verbraucher aber mehr Geld für Großeinkäufe ausgeben. Das für August berechnete GfK-Konsumklima-Barometer kletterte deshalb überraschend um 0,1 auf 5,9 Punkte und erreichte den höchsten Stand seit März, wie die Nürnberger Marktforscher der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Donnerstag mitteilten.

Experten hatten im Schnitt ein unverändertes Niveau von 5,8 Zählern erwartet. „Die Verbraucher befürchten zusehend, dass nun auch die deutsche Wirtschaft in den Krisenstrudel gezogen wird“, erklärte die GfK. Denn die anhaltende Banken- und Schuldenkrise lasse den Konjunkturoptimismus schwinden. Zuletzt hatte sich das Ifo-Geschäftsklima zum dritten Mal in Folge eingetrübt und gezeigt, dass die Unternehmen zunehmend mit Gegenwind zu kämpfen haben. Die Konjunkturerwartungen der Verbraucher sanken im Juli um 8,6 Punkte auf minus 5,6 Zähler. Der GfK-Teilindex sackte damit erstmals seit Dezember unter die Nulllinie, die den langjährigen Durchschnitt markiert.

Ihre eigene Finanzlage schätzen die Konsumenten aber deutlich besser ein. Dieses Barometer verlor zwar um fast vier auf 36,3 Punkte, hielt laut GfK aber sein „überaus hohes Niveau“. „Die Einkommensaussichten trotzen damit weiterhin den zunehmenden Risiken aus dem Ausland.“ Grund sei die steigende Beschäftigung sowie die Aussicht auf mehr Lohn und Gehalt wegen höherer Tarifabschlüsse. Hinzu komme, dass die Inflation zuletzt unter die psychologisch wichtige Marke von zwei Prozent gefallen sei. „Dies stärkt die Kaufkraft der Einkommen“, schrieben die GfK-Experten.

Wo die Deutschen ihr Vermögen anhäufen
Immer reicherDas Vermögen der Deutschen wächst und wächst. Seit Jahrzehnten steigert sich das Geldvermögen der Privathaushalte fast stetig - zuletzt gab es zu Beginn der Finanzkrise 2008 eine Delle in der Kurve. Nach der Wiedervereinigung lag das Geldvermögen noch bei 1,751 Billionen Euro, fünf Jahre später hatte es schon einen Wert von vier Billionen Euro. 2011 stieg das Vermögen um rund 57 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr an. Die positive Konjunktur und die stabile Lage am Arbeitsmarkt hätten das verfügbare Einkommen gesteigert und damit die Vermögensbildung begünstigt, erklärten die Währungshüter. Gebremst wurde die Entwicklung durch Kursverluste an den Kapitalmärkten Quelle: ap
Bargeld und SichteinlagenDen größte Teil des Vermögens der deutschen Privathaushalte liegt noch immer auf dem Konto und in Bargeld vor. Fast zwei Billionen Euro in Geldnoten und Sichteinlagen befindet sich im Besitz der Deutschen. Rund 608 Milliarden Euro davon waren im vergangenen Jahr in Spareinlagen angelegt, berichtet die deutsche Bundesbank. Quelle: gms
TermingelderZugelegt im Bereich der Sichteinlagen haben erstmals seit Beginn der Finanzkrise im Herbst 2008 das Volumen bei Termineinlagen. Mit 280,5 Milliarden Euro haben Deutsche in diesem Jahr 18 Milliarden Euro mehr in den kurz- und mittelfristigen Anlagen bei Banken und Geldinstituten angelegt. Hintergründe sind laut Bundesbank die wieder größere Zinsspanne im Vergleich zu den täglich fälligen Einlagen und die schwindende Rendite bei festverzinslichen Wertpapieren. Quelle: ap
VersicherungenAuch die Versicherer vom wachsenden Vermögen. Neben den Banken sind sie die größten Verwalter: Mit fast 1,4 Billionen Euro Ansprüchen der Versicherten ist ein Großteil des Geldes bei ihnen angelegt. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs 2011 das Vermögen, das insbesondere in langfristigen Produkten wie Lebensversicherungen angelegt ist um 45 Milliarden Euro. Quelle: dpa
AktienAn der Börse hingegen sind die Deutschen vorsichtiger geworden. 2010 lagen noch 243,5 Milliarden Euro des Vermögen der deutschen Privathaushalte in Aktien, ein Jahr später sind es nur noch 221,4 Milliarden Euro - rund 22 Milliarden Euro weniger. Quelle: dapd
ZertifikateZertifikate locken auch wegen des höheren Risikos mit mehr Erträgen im Vergleich zu Aktien. Bei den Deutschen siegte jedoch die Vorsicht: Auch das Vermögen in Zertifikaten ging deutlich zurück. Während 2010 noch rund 435 Milliarden Euro des Vermögens der deutschen Privathaushalte in Investmentzertifikate angelegt war, sind es 2011 nur noch knapp 395 Milliarden Euro (minus 40 Milliarden). Das lässt sich zum Teil auch durch die teils hohen Kursverluste erklären. Quelle: dpa
Festverzinsliche Wertpapiere247 Milliarden Euro befinden sich in festverzinslichen Wertpapieren wie Schuldbriefe oder Anleihen. Ein Jahr zuvor waren das mit 259,6 Milliarden Euro noch ein wenig mehr. Quelle: dpa
Ansprüche aus PensionsrückstellungenWenig verändert hat sich hingegen das Vermögen der Deutschen in Form von Pensionsrückstellungen, also die Ansprüche auf die betriebliche Altersvorsorge. 2010 lagen 281,2 Milliarden Euro in Pensionsrückstellungen, 2011 waren es acht Milliarden mehr. Quelle: dpa

Dies dürfte dazu beitragen haben, dass die Verbraucher wieder mehr größere Einkäufe wagen wollen. Das Barometer für ihre sogenannte Anschaffungsneigung kletterte um 3,1 auf 35,8 Punkte. „Eine stabile Beschäftigungssituation mit sinkender Arbeitslosigkeit sowie die damit einhergehenden Einkommenszuwächse erhöhen die Planungssicherheit.“

Wie seit längerem treibt just die Schuldenkrise die Verbraucher zu mehr Konsum. Denn wegen der niedrigen Zinsen für Geldanlagen geben viele Bürger ihr Erspartes lieber für Möbel aus oder investieren in Immobilien. Da überrascht es kaum, dass die Einzelhändler für den einzigen Lichtblick bei der jüngsten Ifo-Umfrage unter 7000 Firmenchefs sorgten. Die Branche schätzte im Juli sowohl ihre Lage als auch ihre Geschäftsaussichten günstiger ein.

Das Konsumklima in Deutschland setzt nach GfK-Einschätzung seine stabile Entwicklung fort. Die wachsenden Konjunkturrisiken hätten sich noch nicht auf das Barometer ausgewirkt. Der private Konsum schiebe die Wirtschaft entscheidend an und dürfte im laufenden Jahr um ein Prozent steigen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%