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Leitzinsen EZB enttäuscht die Märkte

Die Europäische Zentralbank (EZB) schaltet im Kampf gegen Finanzkrise und Rezession überraschend einen Gang zurück. Sie senkte am Donnerstag ihren Leitzins nur um 0,25 auf 1,25 Prozent. Auch sonst bleibt sie maßvoll.

Jean-Claude Trichet, Quelle: AP

Am Finanzmarkt sorgte der moderate Zinsschritt der Frankfurter Währungshüter für Verunsicherung. An den Finanzmärkten war mit einer Zinsssenkung um 0,5 Prozentpunkte gerechnet worden, nachdem sich die Konjunktur in der Euro-Zone zuletzt weiter eingetrübt hatte. Der Dax grenzte nach bekannt werden der Entscheidung seine Gewinne etwas ein, am Rentenmarkt rauschten die Kurse in den Keller. Am Devisenmarkt kletterte der Euro über die Marke von 1,34 Dollar. Am Geldmarkt war damit gerechnet worden, dass die EZB die Fristen ihrer Refinanzierungsgeschäfte mit den Banken auf bis zu zwölf Monaten verlängern könnte. Auch hier enttäuschte die Notenbank die Erwartungen.

Raum für weitere Zinsschritte

Volkswirte zeigten sich überrascht von dem Beschluss der Notenbanker, da sie mit Blick auf andere wichtige Zentralbanken eine schärfere Gangart erwartet hatten: „Die Marktreaktion ist verständlich, der Markt hat mehr verlangt“, sagte Ulrich Wortberg von der Helaba. HSBC-Trinkaus-Volkswirt Lothar Hessler ergänzte: „Das unterstreicht, dass die EZB sich schwer tut mit unkonventionellen Maßnahmen und nicht so aggressiv wie andere Notenbanken reagiert. Sie hält sich damit die Tür für einen weiteren Zinsschritt offen.“ Seit Oktober 2008 ist das Zinsniveau um insgesamt 3,00 Punkte reduziert worden. Zuletzt hatte die EZB im März den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte reduziert.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält mit der maßvollen Zinsentscheidung trotz scharfer Rezession ihr Pulver trocken und wird deshalb zur Zielscheibe massiver Kritik. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet signalisierte bei der Pressekonferenz, dass die Währungshüter beim Leitzins nochmals nachlegen könnten. „Sind wir schon an der unteren Grenze angelangt? Was das Hauptrefinanzierungsgeschäft anbelangt, sage ich ganz offen, dass es nicht die Untergrenze ist. Ich schließe nicht aus, dass wir in sehr maßvoller Weise vom aktuellen Niveau nach unten gehen könnten.“

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