WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Löhne XXL-Aufschwung geht an Bürgern vorbei

Seite 3/5

Lohnquote stürzt ab

Allerdings hat die schwarz-gelbe Bundesregierung inzwischen ihre Mehrheit im Bundesrat verloren. Der muss aber einer Änderung des Einkommensteuertarifs zustimmen, weil ein Teil der Einnahmen den Ländern zufließt. Ein Problem für die Koalition? Nein, meint der FDP-Finanzexperte Daniel Volk. SPD und Grüne seien ja im Wahlkampf ebenfalls gegen den berüchtigten Mittelstandsbauch im Einkommensteuertarif angetreten. Volk: „Da werden wir die Opposition beim Wort nehmen.“

Sollten sich Rote und Grüne verweigern – wie weiland Oskar Lafontaine zwischen 1996 und 1998 in der Spätphase der Regierung Kohl –, verbliebe für die Merkel-Truppe als einzige Option ein Abbau des Solidaritätszuschlages, der allein in die Kasse des Bundes fließt. Seit 1998 beträgt dieser 5,5 Prozent der Lohn- und Einkommensteuer. Aktuelles Jahresaufkommen: zwölf Milliarden Euro. So viel Entlastung wäre angesichts sprudelnder Steuereinnahmen nach Ansicht von Experten durchaus möglich. Das Problem, weshalb auch bürgerliche Politiker mit dem Soli nur verschwiemelt umgehen, ist jedoch: Höherverdienende würden stärker entlastet als Geringverdiener.

Mission unter Druck

Die Zeit, um das Versprechen „Mehr Netto vom Brutto“ zu erfüllen, verrinnt derweil. Noch gibt es keine Gespräche zwischen den Finanzpolitikern der Koalition, allenfalls ein kleines Signal von Schäuble, der neben der Haushaltssanierung, seiner eigentlichen Mission, nun doch Entlastungsspielräume sieht. Bis Ende dieses Jahres müsste ein Konzept jedoch stehen. Denn Anfang 2012 stellt Schäuble schon die Haushaltsvorgaben für 2013 auf, dann müssen auch eventuelle Mindereinnahmen durch Steuerentlastungen eingepreist sein.

Bei diesem Schneckentempo können viele Arbeitnehmer froh sein, dass ihre Chefs schneller auf den Aufschwung reagieren. Allen voran der Automobilsektor: 2009 nur knapp dem Kollaps entronnen, gab die Branche 2010 wieder kräftig Gas. Und 2011 verspricht ein neues Rekordjahr zu werden. Das bekommen auch die Beschäftigten ordentlich zu spüren, zumindest brutto.

Audi zahlt seinen 42.500 Beschäftigten in Deutschland für das Geschäftsjahr 2010 durchschnittlich 6513 Euro Prämie. Volkswagen gibt seinen rund 90.000 Beschäftigten je 4000 Euro. Daimler honoriert die Mitarbeiter für ihre „Spitzenleistung“ (Konzernchef Dieter Zetsche) mit 3150 Euro plus 1000 Euro Jubiläumsprämie zum 125. Geburtstag des Automobilherstellers. Nicht lumpen lässt sich auch BMW. Durchschnittlich 5840 Euro zahlen die Münchner im Juli an die tarifgebundenen Mitarbeiter.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%