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Lohn-Preis-Spirale Bei Inflation droht Gefahr von psychologischer Seite

Die Fahrt zur Tankstelle wird für Millionen Autofahrer von Woche zu Woche schmerzhafter. Quelle: dpa

Viele Menschen sorgen sich, dass die Teuerung in hohem Tempo weiter zulegen könnte. Doch gerade die Erwartung steigender Preise könnte eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen, warnt das DIW.

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Die Angst vor steigenden Preisen könnte Ökonomen zufolge die Inflation noch zusätzlich anheizen. Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, werden die Verbraucherpreise derzeit vor allem von vorübergehenden Effekten angetrieben, die im kommenden Jahr auslaufen dürften. „Gefahr droht eher von den Erwartungen“, warnte DIW-Ökonomin Kerstin Bernoth.

Gehen Verbraucher und Unternehmen davon aus, dass die Preise weiter steigen, „werden die Menschen Käufe vorziehen und höhere Löhne fordern. Die Unternehmen wiederum werden auf ihre Preise aufschlagen, wenn sie damit rechnen, höhere Löhne und höhere Erzeugerpreise zahlen zu müssen“, erläuterte Bernoth. Dies könnte eine klassische Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen, die weniger auf tatsächlichen strukturellen Faktoren als auf einer psychologischen Dynamik basiere. „Höhere Inflationserwartungen könnten dann zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden und die tatsächliche Inflation ankurbeln“, warnte Bernoth.

Studien-Autorin Bernoth und Autor Gökhan Ider gehen davon aus, dass der aktuelle sprunghafte Inflationsanstieg im Euroraum vor allem auf einmalige Maßnahmen und Ereignisse zurückzuführen ist, wie die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkungen in Deutschland oder der Anstieg der Energiepreise nach dem Einbruch während Coronakrise 2020. Hinzu kommen Lieferengpässe, die derzeit die Kosten in der Produktion in die Höhe treiben. Die Forscher gehen davon aus, dass die Inflation noch mehrere Monate erhöht bleibt, sich aber abschwächt, wenn die temporären Effekte nachlassen.



Sie weisen darauf hin, dass die Inflation bei Dienstleistungen, die zwei Drittel der Kerninflationsrate (ohne Preise für Lebensmittel und Energie) ausmache, im gemeinsamen Währungsraum weiter bei unter einem Prozent liege. Zudem entwickelten sich die klassischen Inflationstreiber Lohndruck und Konsum bisher moderat. Zwar sei die Sparquote nach dem Rekordhoch im Sommer 2020 etwas gesunken. Mehrere Faktoren deuten der Studie zufolge aber darauf hin, dass Haushalte ihre Ersparnisse nicht vollständig in zusätzlichen Konsum stecken werden. Die milliardenschweren Konjunkturpakete der Euro-Länder tragen demnach moderat zur Inflation bei, wirken aber auch nur temporär.

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