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Maschinenbau Nutznießer China

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Sanktionen

Hans Naumann aus Chemnitz sagt es aus der Sicht eines Deutsch-Amerikaners mit leicht sächselndem Tonfall. „Andere Nationen, die die Methoden des Kalten Krieges nicht beachten, werden sofort in die Startlöcher springen und der russischen Industrie mit Erfolg ihre Produkte anbieten. Damit wird ein von Deutschland langfristig erarbeitetes Maschinen-Verkaufspotenzial auf andere Länder übergehen und die dominierende Marktstellung Deutschlands und die Zuneigung der russischen Kunden für deutsche Qualitätsprodukte eingebüßt.“

Angst vor der Verschärfung von weiteren Sanktionen beherrscht den deutschen Mittelstand. Peter Fenkl, Chef von Ziel-Abegg, Hersteller von Ventilatoren aus dem schwäbischen Künzelsau, sieht für die Zukunft seines Russlandgeschäfts schwarz. „Sollte die Politik den Handel mit Russland quasi ganz verbieten, dann werden sich unsere Kunden gezwungenermaßen neue Lieferanten außerhalb der EU suchen. Und die Hersteller aus Asien werden dankbar einspringen.“ Entwarnung dagegen kommt von Stihl aus Waiblingen: „Russland ist ein bedeutender Absatzmarkt für uns. Für unsere Motorsägen bestehen keine Lieferverbote.“

Wo deutsche Unternehmen in Russland aktiv sind
E.On-Fahnen Quelle: REUTERS
Dimitri Medwedew und Peter Löscher Quelle: dpa
Dem Autobauer bröckelt in Russland die Nachfrage weg. Noch geht es ihm besser als der Konkurrenz. Martin Winterkorn hat einige Klimmzüge machen müssen - aber theoretisch ist das Ziel erreicht: Volkswagen könnte in Russland 300.000 Autos lokal fertigen lassen. Den Großteil stellen die Wolfsburger in ihrem eigenen Werk her, das 170 Kilometer südwestlich von Moskau in Kaluga liegt. Vor gut einem Jahr startete zudem die Lohnfertigung in Nischni Nowgorod östlich Moskau, wo der einstige Wolga-Hersteller GAZ dem deutschen Autoriesen als Lohnfertiger zu Diensten steht. Somit erfüllt Volkswagen alle Forderungen der russischen Regierung: Die zwingt den Autobauer per Dekret dazu, im Inland Kapazitäten aufzubauen und einen Großteil der Zulieferteile aus russischen Werken zu beziehen. Andernfalls könnten die Behörden Zollvorteile auf jene teuren Teile streichen, die weiterhin importiert werden. Der Kreml will damit ausländische Hersteller zur Wertschöpfung vor Ort zwingen und nimmt sich so China zum Vorbild, das mit dieser Politik schon in den Achtzigerjahren begonnen hat. Die Sache hat nur einen Haken: Die Nachfrage in Russland bricht gerade weg - nicht im Traum kann Volkswagen die opulenten Kapazitäten auslasten. 2013 gingen die Verkäufe der Marke VW um etwa fünf Prozent auf 156.000 Fahrzeuge zurück. Wobei die Konkurrenz stärker im Minus war. Hinzu kommt jetzt die Sorge um die Entwicklungen auf der Krim. VW-Chef Martin Winterkorn sagte der WirtschaftsWoche: "Als großer Handelspartner blicekn wir mit Sorge in die Ukraine und nach Russland." Er verwies dabei nicht nur auf das VW-Werk in Kaluga, sondern auch auf die Nutzfahrzeugtochter MAN, die in St. Petersburg derzeit ein eigenes Werk hochfährt. Der Lkw-Markt ist von der Rezession betroffen, da die Baukonjunktur schwächelt. Quelle: dpa

Mittelständische Zulieferer

Dagegen müssen die mittelständischen Zulieferer für den russischen Automobilsektor um ihr Geschäft bangen. Die meisten dieser Unternehmen haben sich rund um das Volkswagen-Werk in Kaluga, rund 200 Kilometer südwestlich von Moskau, angesiedelt. Die Unterbrechung des Nachschubs „kann langfristig zu einem Flaschenhals in den lokalen Zulieferstrukturen führen“, warnt Felix Kuhnert, Leiter Automotive des Beratungshauses PricewaterhouseCoopers (PwC).

Der schwäbische Lackieranlagenbauer Dürr hat das VW-Werk in Kaluga mit Lackieranlagen ausgerüstet. Bei Dürr sieht man die Situation zwar noch gelassen, rechnet aber mit einem Schwund von Aufträgen in Höhe von gut zehn Millionen Euro. „Ein Rückgang der Automobilindustrie in Russland bedeutet für uns einen kleineren Markt“, heißt es bei Dürr. Viele Projekte werden zurzeit nicht vergeben. Das hinterlässt nicht nur im deutschen Mittelstand, sondern in der gesamten russischen Automobilwirtschaft Spuren. „Eine Struktur mit mittelständischen Zulieferbetrieben wie hier in Deutschland, entsteht in Russland gerade erst“, sagt Branchenexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach bei Köln. Einzig Theo Freye, Chef des Landmaschinenherstellers Claas, zeigt sich unbesorgt von der Russlandkrise: „Wir setzen die umfangreiche Produktionserweiterung in Krasnodar fort.“

Konjunktur



Maschinenbauer

Aber nicht nur in Russland machen die mittelständischen Maschinenbauer neue Erfahrungen – auch in Deutschland tauchen neue Probleme auf. Beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) liegen Exportanträge auf Halde, die Bearbeitung stockt. Denn die Bafa hat nach Schilderungen von Mittelständlern die Ausfuhrgenehmigungen für Russland de facto an das Bundeswirtschaftsministerium abgeben müssen.

Nach den Angaben von Rüdiger Kapitza, Vorstandschef des Werkzeugmaschinenbauers DMG Mori Seiki, muss mit einer Bearbeitungszeit von drei bis vier Monaten gerechnet werden. Früher gab es innerhalb von drei Wochen grünes Licht. Unisono sollen die inoffiziellen Auskünfte des Ministeriums nach den gestressten Schilderungen der Maschinenbauer folgendermaßen lauten: Wenn Sie eine Antwort über die Zwischenstände der Ausfuhrprüfung haben wollen, dann bekommen Sie eine negative Antwort. Warten Sie lieber sechs Monate ab.

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