WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Monatsbericht der Bundesbank Rosige Aussichten für deutsche Konjunktur

Am Montag hat die deutsche Bundesbank ihren Monatsbericht vorgelegt. Darin geht es um Wohneigentum in Deutschland, Notfallkredite für griechische Banken, Konjunkturprognosen und den anhaltend niedrigen Ölpreis.

In diesen Regionen zahlen Immobilienbesitzer ihr Häuschen am schnellsten ab
27 Jahre, so lange dauert es, bis ein Durchschnittsverdiener in Deutschland sein Eigenheim abbezahlt hat. Der Tilgungssatz liegt dabei im Schnitt bei 2,89 Prozent. Für die Postbank-Studie, aus der die Bild zitiert, wurden die Kaufpreise in allen 402 Kreisen und kreisfreien Städten in Deutschland ins Verhältnis zum jeweiligen Einkommensniveau gesetzt. Voraussetzung ist, dass für die Tilgung wie maximal 40 Prozent des Haushalt-Nettoeinkommensaufgewendet werden, 20 Prozent Eigenkapitalanteil vorhanden waren. Sonderzahlungen wurden nicht berücksichtigt. Quelle: dpa
In weniger als der Hälfte (43 Prozent) der Kreise und kreisfreien Städte zahlen Eigenheimbesitzer die Immobilie wie empfohlen in 30 Jahren ab. In besonders teuren Immobilienstädten wie München oder Köln zahlen Durchschnittsverdiener mit einem Haushaltsnettoeinkommen zwischen 1.700 und 2.600 Euro dagegen auch einmal mehr als 40 lang, bis 110 Quadratmeter Wohneigentum ihnen gehören. Im westlich von Köln gelegenen Rhein-Erft-Kreis haben sie das notwendige Darlehen für eine 110-Quadratmeter-Wohnung dagegen nach 29 Jahren beglichen. Quelle: dpa
Auch im Nordosten der Republik ist eine 110 Quadratmeter-Immobilie für Durchschnittsverdiener trotz moderater Immobilienpreise kaum erschwinglich: Wegen des geringen Einkommens in der Region zahlen Immobilienbesitzer in Berlin, Potsdam, Rostock & Co. deutlich länger als 40 Jahre ihren Kredit ab. Wer in Berlin arbeitet, findet allerdings im brandenburgischen Kreis Barnim nördlich der Hauptstadt Wohnungen mit 110 Quadratmetern, die in der Regel nach 25 Jahren abbezahlt sind. Quelle: dpa
Wer keine Angst hat, zu pendeln, findet jedoch im Umland der großen Metropolen finanzierbare Immobilien. Selbst in teuren Gegenden rund um Frankfurt am Main gibt es Schnäppchen. Allerdings sind hier die Einkommen im Bundesvergleich auch so hoch, dass sich auch Durchschnittsverdiener eine 110-Quadratmeter-Wohnung leisten können. Quelle: dpa
Auch in den unmittelbar an Hamburg angrenzenden Kreisen Stormarn und Segeberg sowie dem Herzogtum Lauenburg dauert die Tilgung eines Kredits im Schnitt 34 Jahre. Quelle: dpa
In Pirmasens (im Bild), dem Landkreis Altenkirchen (Westerwald) und dem Landkreis Wesermarsch dauert die Tilgung eines Kredites für eine 110-Quadratmeter-Immobilie für den Durchschnittsverdiener rund zwölf Jahre. Quelle: dpa
Im Saale-Orla-Kreis, dem Landkreis Nienburg (Weser), Landkreis Holzminden, dem Unstrut-Hainich-Kreis und dem Vogtlandkreis dauert das Abbezahlen der eigenen vier Wände dagegen elf Jahre. Quelle: dpa

Wohnimmobilien in Deutschland haben sich 2014 so stark verteuert wie seit mindestens zehn Jahren nicht mehr. Die Preise kletterten um fünf Prozent, wie am Montag aus dem vierteljährlichen Barometer des Verbands Deutscher Pfandbriefbanken (vdp) hervorging. Dies war der fünfte Anstieg in Folge und der größte seit Beginn der Datenerhebung 2003. Die Preise hätten sich seitdem um rund ein Viertel erhöht. "Die Nachfrage nach Wohn- und Gewerbeimmobilien ist ungebrochen", sagte vdp-Hauptgeschäftsführer Jens Tolckmitt. Wegen der niedrigen Zinsen und der stabilen Konjunktur seien in- und ausländische Anleger weiter an deutschen Immobilien interessiert. "Hält die Nachfrage unvermindert an, werden die Preise weiter anziehen."

Tolckmitt betonte, die Entwicklung spiegele die große Attraktivität des deutschen Marktes wider. "Auf der anderen Seite dürfen die Risiken des Anlagedrucks - insbesondere auf den gewerblichen Immobilienmärkten - nicht unterschätzt werden." Denn hier könnte es eine "Korrektur" an der Preisfront geben, wenn größere institutionelle Anleger den Märkten wieder den Rücken kehrten, hieß es beim vdp. Demnach stiegen die Preise für Gewerbeimmobilien im vorigen Jahr um 3,8 Prozent, nach 4,7 Prozent 2013. Im vierten Quartal 2014 lag das Plus binnen Jahresfrist sogar nur bei 2,4 Prozent und war damit nur noch halb so groß wie im Frühjahr 2014. Dieser Markt verliere leicht an Schwung, erklärte der vdp und begründete dies mit Büroimmobilien. Denn hier hätten die Neuvermietungen zum Jahresende kaum noch zugelegt.

Was der deutschen Wirtschaft Mut und Angst macht
Konsum Quelle: dpa
Investitionen Quelle: dpa
Angstmacher: EurokriseSie hat sich dank dem Einschreiten der Europäischen Zentralbank (EZB) merklich beruhigt. Seit ihr Chef Mario Draghi Ende 2012 den unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder angekündigt hat, hat nach Ansicht der Finanzmärkte die Gefahr einer Staatspleite in Spanien und Italien deutlich abgenommen. Doch die Ruhe könnte sich als trügerisch erweisen. So reagieren die Börsianer zunehmend nervös auf die Umfrageerfolge von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der bei der Parlamentswahl kommende Woche in Italien wieder kandidiert. Berlusconi will viele Reformen seines Nachfolgers Mario Monti wieder zurücknehmen und beispielsweise die Immobiliensteuer wieder abschaffen. Quelle: REUTERS
Angstmacher: Euro-StärkeDie Gemeinschaftswährung steht unter Aufwertungsdruck. Seitdem die japanische Notenbank ihre Geldschleusen geöffnet hat, ist der Euro um 20 Prozent im Verglich zum Yen gestiegen. Dort sitzen einige der größten Konkurrenten der deutschen Exporteure, darunter Autokonzerne wie Toyota und viele Maschinenbauer. Sie können ihre Produkte dank der Yen-Abwertung billiger anbieten. Quelle: dpa
Auch im Vergleich zu anderen Währungen ist der Euro teurer geworden. Experten warnen bereits vor einem Abwertungswettlauf. Noch können die deutschen Exporteure mit dem Wechselkurs gut leben. Die größere Sorge ist, dass weniger konkurrenzfähige Euro-Länder wie Frankreich oder Italien darunter leiden. Das würde am Ende auch Deutschland treffen, das fast 40 Prozent seiner Waren in die Währungsunion verkauft. Quelle: dpa

Dennoch: Die Preise für Wohneigentum in Deutschland sind nach Einschätzung der Bundesbank nicht zu hoch. Eine substanzielle Überbewertung sei nicht erkennbar, erklärte die Bundesbank am Montag in ihrem jüngsten Monatsbericht. Städte bildeten jedoch eine Ausnahme. Dort seien die Preise zwischen zehn und 20 Prozent teurer. "Eigentumswohnungen in den Großstädten weisen dabei die stärksten Überbewertungen auf", erklärte die Bundesbank.

Obwohl die Preise für Wohnimmobilien im vergangenen Jahr weiter zulegten, sei die Dynamik nach Einschätzung der Bundesbank im Vergleich zu den Vorjahren aber merklich geringer gewesen. Zur Beruhigung könnte nach Ansicht der Notenbank beigetragen haben, dass sich das Kaufinteresse an den bisher besonders boomenden Teilmärkten etwas abgeschwächt hat. In den Städten legten die Preise für Wohnimmobilien 2014 um durchschnittlich 5,25 Prozent zu. Im Jahr 2013 waren es noch 7,25 Prozent gewesen.

Ebenfalls ging es im jüngsten Monatsbericht um die mit Notfallhilfen gestützten griechische Geldhäuser. Die Bundesbank rät, sie sollten unbedingt daran arbeiten, ihre Liquiditätslage zu verbessern. ELA-Notfallkredite seien kurzfristige Hilfen für solvente Banken, die zeitweise unter Geldproblemen litten, hieß es. "Dem widerspräche eine Ausweitung der Liquiditätsbedarfs durch die Aufnahme kurzfristiger griechischer Staatsschuldtitel in den kommenden Wochen", erklärte die Bundesbank. Präsident Jens Weidmann hatte unlängst bereits gefordert, bei ELA-Hilfen sollten strenge Maßstäbe angelegt werden.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%