Nachgefragt "Krise ist ein Glücksfall"

Welchen Einfluss haben ökonomische Faktoren auf das Wohlbefinden? Der griechische Wissenschaftler Stavros Drakopoulos sagt: Eine schlechte Arbeitsmarktlage zieht uns stärker herunter als Inflation.

Eine Gärtnerin mit Glücksklee Quelle: dpa/dpaweb

WirtschaftsWoche: Herr Drakopoulos, wie fühlt es sich für einen Ökonomen an, in Zeiten wie diesen das Glück zu erforschen?

Seltsam, das muss ich zugeben. Aus der Sicht der Glücksforscher ist die aktuelle Krise allerdings ein Glücksfall. Bisher haben sich die meisten Studien auf steigende Einkommen und ihre Effekte konzentriert. Erstmals können wir nun systematisch untersuchen, was passiert, wenn die Einkommen fallen.

Und welchen Effekt erwarten Sie?

Wissenschaftler Stavros Drakopoulos Quelle: Presse

Das Glücksempfinden ist von einer ganzen Reihe von Faktoren abhängig. Und wir wissen aus vielen Studien, wie kompliziert gerade das Zusammenspiel von Einkommen und Glücksempfinden ist. Es scheint, dass bei Rezessionen in Industrieländern die durchschnittliche Zufriedenheit weniger stark abnimmt als das Einkommen.

Was beobachten Sie speziell in Ihrem Heimatland Griechenland?

Die Menschen hatten Hoffnung, dass sich die Situation mit EU-Hilfe entspannen würde. 2012 dürften wir aber wegen des starken Anstiegs der Arbeitslosenquote einen Einbruch bei der Zufriedenheit sehen. Internationale Studien zeigen, dass wachsende Arbeitslosigkeit in einer Gesellschaft die Zufriedenheit besonders stark senkt – viel mehr als Inflation.

Und welchen Effekt hat zunehmende Ungleichheit?

Zahlreiche Studien haben nachgewiesen, dass die Zufriedenheit der Menschen sinkt, wenn die Ungleichheit zunimmt.

Was bedeutet das für die Politik in Griechenland?

In Arbeit
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Die griechische Regierung muss endlich die in hohen Einkommensklassen weit verbreitete Steuerhinterziehung bekämpfen, weil diese die Ungleichheit verstärkt. Dies könnte dazu beitragen, dass die Unzufriedenheit der Niedrigverdiener, die unter dem Austeritätsprogramm der Regierung besonders leiden, weniger steigt als erwartet. Es gibt empirische Belege, dass den Menschen ihre eigene schwierige Lage weniger zu schaffen macht, wenn sie wissen: Es geht allen schlechter.

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