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Neue Analysen Angst vor Chinas Übermacht

Der Aufstieg des Reichs der Mitte zur beherrschenden Supermacht scheint schier unaufhaltsam. Während Chinas Wirtschaft auch in Zeiten der Finanzkrise noch ungebremstes Wachstum an den Tag legt und vor kurzem Japan von der weltweiten Nummer Zwei verdrängt hat, wachsen im Westen vor allem die Ängste vor chinesischer Dominanz. Dazu tragen auch viele Publikationen bei, die sich mit dem weltbewegenden Ereignis beschäftigten.  Zu der von Chinas Aufstieg bestimmten neuen Weltordnung haben vier Autoren kürzlich aus unterschiedlicher Sicht Publikationen vorgelegt, mit denen sich auseinanderzusetzen lohnt.

Passanten gehen in Peking über den

In seiner berühmten Bric-Studie hatte der Ökonom Jim O’Neill von Goldman Sachs Anfang dieses Jahrtausends vorhergesagt, dass China bis spätestens 2030 wirtschaftlich an den USA vorbeiziehen und zur stärksten Volkswirtschaft der Welt aufsteigen werde.

Angesichts des nunmehr seit 30 Jahren anhaltenden Wachstums scheint sich diese Prophezeiung zu bestätigen. Wenn bislang Kritik an dieser Vorhersage geübt wurde, dann meist aus Sicht derer, die früher oder später einen wirtschaftlichen Einbruch aufgrund der inneren Widersprüche des chinesischen Wachstumsmodells für unausweichlich halten.

Der Wissenschaftler Arvind Subramanian vom renommierten Peterson Institut for International Economics in Washington stellt die genau entgegengesetzte These auf: Seiner Ansicht nach wird die Dominanz Chinas und der Abstieg der USA eher noch schneller kommen.

Aus seinem jetzt in den USA erscheinenden Buch „Eclipse: Living in the Shadow of Chinas Economic Dominance“ hat er für die amerikanische Zeitschrift „Foreign Affairs“ die wesentlichen Gedanken zusammengefasst („The Inevitable Superpower. Why China’s Dominance is a Sure Thing“, September/Oktober 2011).

Stärken und Schwächen der BRIC-Staaten
Die Skyline der Millionen-Metropole Shanghai, China Quelle: REUTERS
Leute shoppen auf den Straßen von Sao Paulo, Brasilien Quelle: dapd
Der ehemalige brasilianische Präsident Lula da Silva mit ölverschmierten Händen auf einer Ölplattform vor Bacia De Campos Quelle: dpa
Indien befindet sich laut einer Studie der Weltbank zu den Rahmenbedingungen für unternehmerische Tätigkeiten nur auf Platz 132. Genehmigungen, Kredite bekommen, Vertragseinhaltung - alles ist auf dem Subkontinent mit erheblichen Aufwand und Unsicherheiten verbunden. Hinzu kommt Korruption, eines der größten Probleme für das Land. Transparency International listete Indien im Jahr 1999 noch auf Patz 72, elf Jahre später ist das Land auf Platz 87 im Korruptionsindex abgerutscht. Nicht nur für die ausländischen Unternehmen ist Korruption ein Ärgernis, weil sie stets fürchten müssen, dass Verträge nicht eingehalten werden. Korrupte Beamte und Politiker sind auch eine enormes Problem für die mittleren und unteren Schichten, denen schlicht das Geld zur Bestechung fehlt. Um öffentliche Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, die den Bürgern per Gesetz zustehen, müssen laut Transparency International mindestens 50 Prozent ihrer Befragten Bestechungsgelder zahlen. Der volkswirtschaftliche Schaden ist immens. Analysten gehen davon aus, dass die Direktinvestitionen in Indien um ungefähr 31 Prozent zurückgegangen sind und aus dem indischen Aktienmarkt etwa 1,4 Milliarden Euro abgezogen worden sind. Besonders brisant: nach einer Studie der Washingtoner Global Financial Integrity Organisation leitete die Liberalisierung und Markt-Deregulierung im Jahr 1991 die Hochzeit der Korruption und des illegalen Geldtransfers ein. Im Bild: Der Antikorruptions-Aktivist, Anna Hazare, im August 2011 in Neu Delhi. Hazare ging für zwölf Tage in einen Hungerstreik, um gegen die grassierende Korruption seines Landes zu protestieren. Tausende Sympathisanten unterstützen den Aktivisten bis zum Schluss seiner Aktion. Quelle: dapd
Verkehrsstau auf dem Delhi-Gurgaon Expressway, in Neu Delhi, Indien. Quelle: AP
Im Bild: eine Fabrikarbeiterin in einer Textilfabrik aus der Provinz Anhui, China. Quelle: REUTERS
Im Bild: Ein Eierverkaufsstand in Jiaxing, Zhejiang Provinz. Quelle: REUTERS

Auf dem Vormarsch

Weltwirtschaftliche Dominanz lässt sich Subramanian zufolge anhand von drei Faktoren messen: Dem Anteil am Welt-Bruttoinlandsprodukt, dem Anteil am Welthandel und der Stellung als Welt-Kreditgeber.

Nach seinen Projektionen dürfte China schon viel früher als 2030 die weltweit dominierende wirtschaftliche Supermacht sein. Selbst wenn Chinas Wirtschaftswachstum in den nächsten 20 Jahren im Schnitt von jetzt zehn auf sieben Prozent falle, werde es 2030 knapp 20 Prozent des globalen BIP auf sich vereinen, die USA dagegen nur noch 15 Prozent.

China werde dann 15 Prozent des Welthandels generieren, doppelt so viel wie die USA. Und was den dritten Faktor betrifft, ist die Stellung der USA schon heute desaströs: Sie saugen rund 50 Prozent des Nettokapitalflusses der Welt auf, während China gegenüber der übrigen Welt ein wichtiger Nettokapitalgeber ist – und der größte gegenüber den USA.

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