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Neue Serie Geistesblitze (I) Keynes' Rezepte für die Politik

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Investitionsfalle

Liquiditätsfalle und Investitionsfalle

Ein zweiter Grenzfall, der die Wirksamkeit der Geldpolitik aushebelt, tritt laut Keynes ein, wenn der Zins durch eine steigende Geldmenge sinkt, aber „die Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals rascher als der Zinsfuß fällt“. Gründe hierfür können Unsicherheiten oder wirtschaftliche Schocks sein, die die Gewinnerwartungen der Unternehmen und damit die Rentabilität von Investitionen verringern. Dann kann auch ein niedrigerer Zins die Unternehmen nicht zu Investitionen veranlassen. Die Wirtschaft befindet sich in der Investitionsfalle.

Investitionen und Leitzinsen während der vergangenen Krise

Ein Beispiel hierfür ist die Schockstarre, die viele Unternehmen nach der Lehman-Pleite befiel. Trotz drastischer Leitzinssenkungen brachen die Investitionen ein (siehe Grafik). Die Bankenkrise hatte die internationale Handelsfinanzierung ausgetrocknet, die Warenströme versiegten, und die Gewinnerwartungen der Unternehmen tendierten gegen null.

Befindet sich die Wirtschaft in der Liquiditäts- oder der Investitionsfalle, kann nach Ansicht von Keynes nur der Staat die Nachfragelücke am Gütermarkt schließen. Die Regierung müsse dann Güter und Dienstleistungen nachfragen, etwa als Investor im Baubereich. Das rege die Produktion, die Beschäftigung und die Einkommen an. Es entstehen positive Multiplikatoreffekte.

In Arbeit
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IS-LM-Modell

Die populärste Darstellung der Lehren Keynes ist das von Hicks entwickelte IS-LM-Modell, das in keinem VWL-Lehrbuch fehlt. Das Modell zeigt die Kombination von Zins und Volkseinkommen, bei der sich Güter- und Geldmarkt im Gleichgewicht befinden. Der Gütermarkt ist im Gleichgewicht, wenn die zinsabhängigen Investitionen der einkommensabhängigen Ersparnis entsprechen. Auf dem Geldmarkt herrscht Gleichgewicht, wenn das Geldangebot der einkommens- und zinsabhängigen Geldnachfrage entspricht (siehe Schaubilder).

Keynes selbst war von Hicks Interpretation nicht übermäßig begeistert. In einem Brief bemängelte er, das Modell reduziere seine Theorie zu sehr auf die Extremfälle der Liquiditäts- und Investitionsfalle. Keynes hingegen sah seine Theorie als allgemeingültige Erklärung ökonomischer Zusammenhänge – und sprach sich nicht nur bei Vorliegen der beiden Fallen für staatliche Interventionen aus.

Das freilich ist eine ökonomische Botschaft, bei der man John Maynard Keynes nicht unbedingt folgen muss.

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